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Die neue Pergola, die künftig die Altstadt von der Kunsthalle Schirn trennen soll.

Neue Altstadt Frankfurt

90 Millionen Euro Defizit bei Altstadt

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Alle Flächen sind mittlerweile vermietet oder verkauft. Um die Investitionen von rund 200 Millionen Euro zu finanzieren, reicht das allerdings nicht.

Zehn Jahre nach dem Grundsatzbeschluss der Kommunalpolitiker, eine neue Altstadt in Frankfurt zu errichten, werden jetzt die tatsächlichen Kosten des Projekts deutlich. Bei Investitionen von rund 200 Millionen Euro und Einnahmen von etwas mehr als 100 Millionen Euro, vor allem durch den Verkauf der Eigentumswohnungen, wird am Ende ein Defizit von rund 90 Millionen Euro für die Steuerzahler bleiben.

Diese Rechnung macht der Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer-GmbH, Michael Guntersdorf, im Gespräch mit der FR auf. Aus seiner Sicht steht das Projekt damit „ganz gut“ da. Die städtische Gesellschaft hat gerade die letzten wichtigen Entscheidungen getroffen.

So sind die 30 Flächen für Gastronomie, Gewerbe und Handel in den 35 Gebäuden zwischen Dom und Römer vergeben worden; sie wurden allesamt vermietet. Mit den dauerhaft erzielten Mieten zeigt sich der Geschäftsführer sehr zufrieden, er nennt sie „überproportional im Vergleich zu den Baukosten“. Die rund 80 Wohnungen des neuen Quartiers sind sämtlich verkauft. „Alle Vergaben sind damit gelaufen“, sagt Guntersdorf.

Noch vor Weihnachten will die Gesellschaft das prachtvollste und architektonisch anspruchsvollste Gebäude der neuen Altstadt, die rekonstruierte „Goldene Waage“ am Dom, der Öffentlichkeit präsentieren. Tatsächlich sind die vollständigen Kosten der neuen Altstadt mit den öffentlich genannten 200 Millionen Euro aber nicht erfasst. So werden etwa die Ausgaben von 1,5 Millionen Euro für die Eröffnungsfeier im September 2018 aus einem anderen Etat der Stadt bezahlt.

Konzept steht im dritten Anlauf

Für den Architekten und Stadtplaner Guntersdorf endet seine Aufgabe am 31. Dezember 2018. Der erfahrene Manager war am 30. November 2009 zum Geschäftsführer bestellt worden, als die schwierige Bauaufgabe aus dem Ruder zu laufen drohte. Die Dom-Römer-GmbH soll aber mindestens für drei weitere Jahre für das neue Quartier verantwortlich bleiben. Sie muss bis 2021 die Schlussabrechnung des Projekts vorlegen. Die Kosten der Bauunterhaltung sollen in Zukunft auf die Besitzer der 65 Wohnungen umgelegt werden.

Die Stadtregierung hat im dritten Anlauf endlich das Konzept für die Eröffnungsfeier vom 28. bis 30. September 2018 beschlossen. Nachdem die Grünen lange Bedenken hatten, weil unklar sei, wofür das Geld ausgegeben werde, erfolgte der Beschluss jetzt einstimmig. Die Linken kritisierten die Ausgabe von 1,5 Millionen Euro als viel zu hoch. „Das ist eine Summe, die sich normale Frankfurter nicht vorstellen können“, sagt der Stadtverordnete Eyup Yilmaz und fügt hinzu: „Davon könnte man zum Beispiel 150 Straßenfeste in den Stadtteilen finanzieren.“

Die Stadt gab am Montag bekannt, dass es vor der offiziellen Eröffnung „Preview-Tage der offenen Tür“ geben soll, „damit trotz der begrenzten Fläche und engen Gassen möglichst viele Interessierte im Rahmen spezieller Führungen über das architektonische, kulturelle und geschäftliche Angebot der neuen Altstadt informiert werden können“.

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