Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Mainufer und der Industriepark Griesheim bieten Entwicklungspotenzial, findet der Planungsdezernent.
+
Das Mainufer und der Industriepark Griesheim bieten Entwicklungspotenzial, findet der Planungsdezernent.

Frankfurt

Mike Josef im Interview: „Griesheim hat Potenzial“

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
    schließen

Planungsdezernent Mike Josef über Wandel und Stadtplanung in dem Stadtteil und dem Frankfurter Westen.

Seit Ende 2016 ist Griesheim im Förderprogramm Stadtumbau West bedacht. Kommune, Bund und Land Hessen investieren zusammen etwa 14 Millionen Euro in das Quartier zwischen Mainzer Landstraße und Bahnlinie. Ziel ist es, Wohnen und Gewerbe klarer zu trennen, Freiflächen und Grünanlagen, Fuß- und Radwege zu schaffen. Förderprogramme gibt es auch für Nied, Sossenheim und Höchst. Insgesamt fließen dadurch etwa 50 Millionen Euro in den Frankfurter Westen.

Herr Josef, Griesheim soll eine neue Mitte bekommen. Die Bahn macht die S-Bahn-Station barrierefrei, die Unterführung soll schöner werden, die Gleise teilen den Stadtteil aber nach wie vor. Auf der Nordseite soll ein neuer Quartiersplatz entstehen. Was kann ein solcher Platz leisten?

Einen Quartiersplatz zeichnet zunächst aus, dass sich Menschen dort treffen. Da ist schon Leben, ein Supermarkt, ein Jugendtreff, die Stadtteilbibliothek. Es gibt also Nutzungen, die einladen, sich im öffentlichen Raum zu begegnen. Momentan ist er von der Gestaltung her, auch wie er geordnet ist – ich sage es mal diplomatisch: Es besteht die Möglichkeit, eine bessere Aufenthaltsqualität zu erzielen. Das hätte schon eine Bedeutung für den Stadtteil.

Zentral wäre er ja…

Ich halte das für eine Riesenchance für Griesheim, einen Begegnungsort zu schaffen mit Sitzmöglichkeiten, besserer Übersicht und Funktionalität. Stellen Sie sich ein Café vor oder eine Eisdiele. Der Quartiersplatz ist das Tor zu Griesheim, das erste, was man wahrnimmt, wenn man dort ankommt. Er sollte in schöner Anmutung sein und seiner Funktion als Dreh- und Angelpunkt gerecht werden.

Das Vorhaben ist Teil des Förderprogramms Stadtumbau Hessen. Seit November 2016 ist Griesheim darin bedacht. Viel zu sehen ist noch nicht.

Stadtentwicklung ist ein langwieriges Geschäft. Zumal Förderprogramme nicht nach dem Top-down-Prinzip arbeiten. Die städtischen Planer oder die Stadtverordneten sagen nicht, was am besten für den jeweiligen Stadtteil wäre. Es wird ein Beirat gegründet, in dem sich Bürgerinnen und Bürger einbringen, auch Vertreterinnen und Vertreter aus dem Ortsbeirat. Lokale Partnerschaft heißt das in Griesheim, in Nied oder Sossenheim ist es der Beirat Soziale Stadt. Wir mussten ein Quartiersmanagement etablieren als Anlaufstelle. Die Griesheimer Bürgerinnen und Bürger pochen seit 30 Jahren darauf, dass sich die Situation rund um den Bahnhof ändern muss. Nun haben sie es in ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (Isek) gefasst.

Das dauert.

Jetzt passiert etwas. Am 26. März stellen mehrere Planungsbüros Ideen vor, wie der Quartiersplatz aussehen könnte: Wo könnten Grünflächen hin, wo wäre Platz für Familien? Auch an diesem Wettbewerb haben wir die Bürgerinnen und Bürger beteiligt. Wir haben ihre Wünsche den Planungsbüros mitgegeben. Am 27. April stellt die Bahn die Entwürfe aus einem Künstlerwettbewerb für die östliche Unterführung vor.

Warum richtet sich der Blick so intensiv auf Griesheim?

Im Stadtteil ist die Gemengelage von Wohnen und Gewerbe schon immer unübersichtlich. Die Gleise trennen. Gleichzeitig hat der Stadtteil großes Potenzial. Die Innenstadt ist mit der S-Bahn nur zehn Minuten entfernt. Der Main fließt, bietet viel Grün- und Freifläche. Schon in den 90er Jahren gab es Ideen der Bürgerinnen und Bürger. Es war aber nicht selten so, dass es dann am Geld gescheitert ist. Das ist jetzt anders. Wir nehmen Geld in die Hand.

ZUR PERSON

Mike Josef ist seit Juli 2016 Frankfurter Dezernent für Planen und Wohnen. Der 38-Jährige ist auch Vorsitzender der Frankfurter SPD. Josef wohnt im Westen der Stadt, in Höchst.

Hat das auch nach den Kommunalwahlen im März Bestand?

Die Stadtverordnetenversammlung hat mit großer Mehrheit dem städtebaulichen Konzept für Griesheim zugestimmt. Egal, wie die Wahl ausgeht, hat das Programm langfristig Planungssicherheit. Das gilt auch für den Schulbau auf dem ehemaligen Fiat-Areal Mainzer Landstraße.

Das hat die Stadt gekauft.

Das Stadtplanungsamt hat vorher Weichen gestellt, einen Aufstellungsbeschluss auf den Weg gebracht, der auf dem Areal keinen Wohnungsbau vorsieht, sondern eine Grund- und eine weiterführende Schule sowie eine öffentliche Grünfläche. Dabei sind durchaus Projektentwickler an uns herangetreten, die dort Wohnungen bauen wollten. Das haben wir abgeblockt. Was den Vorteil hat, dass der Preis für das Grundstück dann nicht mehr so hoch ist. Für Griesheim und den Frankfurter Westen war das die richtige Entscheidung.

Reichen die Investitionen für nachhaltige Veränderungen aus?

Es ist zunächst ein Signal. Die Bewohnerinnen und Bewohner im Frankfurter Westen haben ja nicht selten das Gefühl: Die Stadt schaut nicht so auf uns, sondern setzt andere Schwerpunkte. Ich wohne selbst in Höchst, und damit wird man schon auch konfrontiert. Deswegen war es uns wichtig, in den Siedlungen auch Kleinigkeiten herzustellen. Neue Spielplätze, zugängliche nutzbare Grünflächen, Sitzbänke, insgesamt mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Wege für Radler und Fußgänger. Dann sind die 14 Millionen Euro auch kein fester Pauschalbetrag. Beim Förderprogramm fürs Gallus hat die Stadt mehr ausgegeben als zunächst bereitstand. Außerdem ist es so, dass Förderprogramme private Investitionen nach sich ziehen. Man schätzt, dass für jeden Euro aus der öffentlichen Hand sieben Euro von privaten Investoren folgen.

Bislang hat der Industriepark in Griesheim manche Entwicklung erschwert, siehe Gymnasium Nied. Inzwischen sind alle Störfallbetriebe fort. Welche Möglichkeiten ergeben sich?

Das Programm Stadtumbau ist mit der Intention aufgelegt, den Wandel eines industriell geprägten Stadtteils zu unterstützen. Die Welt verändert sich, heute spielt der öffentlich Raum eine größere Rolle. Das Radwegenetz, Fußwege, mehr Grün in den Stadtteilen. Die Art der Arbeit verändert sich, und das hat natürlich auch Auswirkung auf die Stadtplanung. Die chemische Industrie wird perspektivisch Griesheim nicht mehr prägen, das habe ich nicht exklusiv. Neue Arbeitsformen werden hinzukommen. Den Transformationsprozess wollen wir mitgestalten. Die Eigentümer im Industriepark führen bereits Gespräche zur künftigen Gestaltung und Vermarktung. Da gilt es jetzt gemeinsam die richtigen Weichen zu stellen.

Gibt es konkrete Ideen? Haben sich die Abstandsregeln aus der Seveso-Verordnung für Griesheim erledigt?

So weit sind wir noch nicht. Stadtplanung lebt aber davon, dass man langfristig denkt. Weitere Schulen könnten entstehen, Infrastruktur. Für den Bereich innerhalb des Zauns könnte ein Stück weit eine Öffnung in den Stadtteil hinein vollzogen werden, auch vom Stadtteil in Richtung Main. Da gibt es durchaus Überlegungen, Rad- und Fußwege zu ermöglichen. Unterschiedliche Nutzungen, auch öffentliche Nutzungen in den Erdgeschossbereichen könnten perspektivisch entwickelt werden. Außerhalb des Zauns, in Richtung Main, liegt ein kleiner, ungenutzter Parkplatz. Dort ließe sich die Aufenthaltsqualität verbessern, in dem man ein kleines Café mit Sitzmöglichkeiten schafft. Das ist direkt am Main, im Grünen und es ist schon eine versiegelte Parkplatzfläche.

Interview: George Grodensky

„Der Quartiersplatz ist das Tor zu Griesheim“. Mike Josef.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare