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Mike Josef: „Die Frankfurter Wirtschaft wird vom NFL-Spiel profitieren“

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Von: Georg Leppert

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Mike Josef freut sich auf die Football-Spiele in Frankfurt.
Mike Josef freut sich auf die Football-Spiele in Frankfurt. © Renate Hoyer

Der Frankfurter Sportdezernent Mike Josef (SPD) spricht im FR-Interview über Chancen, die sich aus der Vergabe der Footballspiele ins Frankfurter Stadion ergeben.

Dieser Tage hat es auch Mike Josef (SPD) erwischt. Der Frankfurter Dezernent für Sport, Wohnen und Planen hat sich mit dem Coronavirus angesteckt. Die Symptome sind mild, seine Amtsgeschäfte kann Josef weitgehend von daheim aus weiterführen. Immerhin entfällt aber die morgendliche Fahrt ins Büro, so dass Josefs Schlafmangel am Montag nicht ganz so groß war. Denn der Politiker hatte in der Nacht den Super Bowl, das Endspiel der National Football League, verfolgt. Ein rein privates Vergnügen war das nicht. Josef hat zwei NFL-Spiele nach Frankfurt geholt. Voraussichtlich 2023 und 2025 wird die Liga jeweils eine Partie in der Arena im Stadtwald austragen.

Herr Josef, Sie haben die Entscheidung der NFL, in Frankfurt zu spielen, als „historisch“ bezeichnet. Ist das nicht etwas dick aufgetragen? Schließlich geht es nur um zwei Spiele.

Nein, es geht um mehr. Zum einen: Wir haben uns gegen eine Vielzahl anderer deutscher Städte durchgesetzt und gemeinsam mit München den Zuschlag bekommen. Der Football war und ist in Frankfurt daheim und hat bei uns große Tradition. Das zeigte nicht zuletzt die Frankfurt Galaxy mit dem Gewinn der European League of Football. Die Entscheidung der NFL unterstreicht das. Zum anderen wird diese Sportart in Frankfurt einen großen Aufschwung bekommen. Gemeinsam mit der NFL werden wir in den Breitensport investieren. Und auch in den Flag Football, die weniger körperbetonte Variante des Spiels, bei der Jungen und Mädchen gemeinsam spielen können. Daran anknüpfend sind soziale Projekte geplant, mit der NFL, mit der Eintracht. Das alles wird ermöglicht durch den Zuschlag für die beiden Spiele.

Die Stadt Frankfurt stellt für das Rahmenprogramm 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Linke hat schon angekündigt, genau nachzufragen, wofür das Geld verwendet wird.

Das ist kein Geheimnis. Der Magistrat hat es beschlossen, und die Vorlage ist im Stadtparlament. Für eine Million Euro werden wir Plätze so herrichten, dass es dort Fanfeste geben kann, freilich nutzt das auch anderen Veranstaltungen. Und 500 000 Euro investieren wir eben in den Breitensport. Im Übrigen können sich nicht nur Sportfans über diese Spiele freuen. Dass die NFL nach Frankfurt kommt, ist auch Wirtschaftsförderung. In London gastiert die Liga seit 2007 regelmäßig. Dort werden rund um jedes Spiel 30 Millionen Euro Umsatz erzielt. Da profitieren der Handel, die Gastronomie, die Hotels ...

Zur Person

Mike Josef ist seit 2016 Dezernent für Planen und Wohnen in Frankfurt. Im September vergangenen Jahres übernahm der 39 Jahre alte SPD-Politiker auch das Sportdezernat.

Sie haben die Förderung des Breitensports angesprochen. Aber wo sollen die Footballer eigentlich spielen? Es fehlt doch schlicht an Flächen.

Nicht unbedingt. Wir sind mit den Frankfurt Pirates, mit Frankfurt Universe und mit Frankfurt Galaxy im Gespräch über den Ausbau des Breitensports. Außerdem können wir womöglich gemeinsam mit der Stadt Offenbach ein zusätzliches Feld entwickeln. Die Spiele der NFL können auch weitere Infrastrukturmaßnahmen befördern.

Mussten Sie der NFL eigentlich viele Zugeständnisse machen? Die Liga hat ja vermutlich genaue Vorstellungen davon, unter welchen Rahmenbedingungen ein Football-Spiel ausgetragen wird.

Es gibt einen detaillierten Vertrag zwischen der Eintracht und der NFL zum gesamten Spieltag. Natürlich hat die NFL ihre Vorstellungen. Aber wir hatten wirklich vertrauensvolle Gespräche. Ohne jetzt ins Detail zu gehen: Regionale Besonderheiten werden berücksichtigt. Vor allem aber geht es der NFL auch um Nachhaltigkeit. Es sind eben nicht nur die beiden Spiele in Frankfurt. Die Liga will sich auf dem deutschen Markt etablieren.

Wird es also nicht nur bei den beiden Spielen in Frankfurt bleiben?

Wir haben Interesse daran, dauerhaft NFL-Spiele auszurichten. Wir werden beweisen, dass wir es können. Die Konkurrenz in Deutschland ist durchaus vorhanden, aber wir konnten uns ja auch jetzt durchsetzen und dürfen uns darüber auch freuen.

Interview: Georg Leppert

Ein volles Haus wie hier beim Super Bowl wird es auch in Frankfurt geben.
Ein volles Haus wie hier beim Super Bowl wird es auch in Frankfurt geben. © AFP

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