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Frankfurt

Migranten in Frankfurt: „Wir möchten der Polizei ganz trauen“

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Muslime und Migranten formulieren im Frankfurter Polizeipräsidium ihre Sorgen. Sie sind nach dem Terror von Hanau zutiefst besorgt, doch sie loben den Dialog mit Polizeipräsident Bereswill

Der gute Wille ist da, sich auf die Sicherheitsbehörden zu verlassen. Doch das gilt nach dem Terror von Hanau nicht mehr ganz uneingeschränkt für Muslime, ihre Moscheegemeinden und für Migrantenvereine, die am Montagabend der Einladung des Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill gefolgt sind.

„Es gibt eine Gemengelage, wo manche sehr verunsichert sind“, stellt Said Barkan fest, der hessische Landesvorsitzende im Zentralrat der Muslime in Deutschland. „Die Leute haben eine reale Angst.“ Man vertraue zwar immer noch auf die Polizei, versichert Barkan, doch er schränkt ein: „Ein Stück weit.“

Fast hundert Menschen sind ins Polizeipräsidium gekommen, um sich mit der Behördenspitze auszutauschen. 35 Moscheen und zehn weitere Vereine hatten zugesagt. Man kennt sich. Seit fünf Jahren begegnen sich die Beteiligten einmal im Jahr mit der Frankfurter Polizei unter dem Motto „Migration trifft Prävention“.

Doch diesmal ist es anders. Der Schrecken von Hanau wirkt nach. Die Polizei will zeigen, „dass wir an Ihrer Seite stehen und dass Sie uns vertrauen können“, betont Polizeipräsident Bereswill. Er kenne die Zweifel, „ob der Staat alles tut, um muslimisch, jüdische und sonstige Menschen, die von Rechtsextremismus bedroht sind, zu schützen“. Unter Beifall versichert Bereswill den Versammelten: „In Frankfurt am Main ist kein Platz für Rechtsextremismus oder eine irgendwie geartete Art von Menschenfeindlichkeit.“ Zugleich lässt er erkennen, dass die Polizei Sorgen hat, was sich als Reaktion auf Hanau unter jungen Muslimen und Migranten entwickeln könnte. So warnt der Polizeipräsident die „Heißsporne“ davor, „unbedachte Dinge“ zu tun.

Sener Sargut von der Türkischen Gemeinde weist auf die rechtsextremistischen Verdachtsfälle im 1. Revier hin, wo die Daten einer bedrohten Anwältin von einem Polizeicomputer abgerufen worden waren. Sargut fasst seine Sorgen in den Satz: „Obwohl wir der Polizei wirklich trauen – wir möchten der Polizei ganz trauen.“ Er appelliert an Bereswill, die Polizei müsse die Aufgabe „ernst nehmen, dass die wenigen, die sich daneben benehmen, auch in die Reihe kommen“.

Mehrere Redner des Abends – es sind fast ausschließlich Männer gekommen – sprechen sich für mehr Begegnung aus. „Diesen Hass müssen wir bekämpfen“, ruft unter Beifall Nazim Alemdar, der Vorsitzende des Gewerbevereins Bahnhofsviertel. Er fordert, sich ein Beispiel am Fastenbrechen im Bahnhofsviertel zu nehmen, bei dem Menschen aus allen Kulturen zusammenkämen. „Man hat Angst vor Sachen, die man nicht kennt“, zeigt er sich überzeugt.

Mehr Begegnung - das ist auch der Herzenswunsch, den Adeel Shad von der Ahmadiyya- Gemeinde ausspricht. Er denkt laut darüber nach, ob der Täter von Hanau womöglich nicht getötet hätte, wenn er „einen muslimischen Freund“ gehabt oder „vielleicht mal eine Moschee besucht“ hätte. Wie aber erreiche man die Menschen, die in Vorurteilen dächten, fragt Shad laut. „Wenn wir Vorträge machen, dann kommen nur die toleranten Menschen.“ Bereswill bittet ihn, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Die Besucher solcher Veranstaltungen seien auch Multiplikatoren.

Die Bereitschaft der Polizei zum Gespräch findet viel Lob. Sogar Uwe Röser stellt sich vor, der Leiter des Staatsschutzes, der für gewöhnlich nicht in der Öffentlichkeit auftritt. Hüseyin Kurt von der Kommunalen Ausländervertretung sieht den „ersten Schritt“ in dieser Veranstaltung. Er wünscht sich, dass sie auf Landesebene Schule macht. „Ich würde mich freuen, wenn wir eine ähnliche Veranstaltung mit dem hessischen Innenminister hätten oder, noch höher, mit dem Ministerpräsidenten“, schlägt Hüseyin Kurt vor. In einem solchen Dialog „auf Augenhöhe“ sollten Ideen entwickelt werden.

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