An den Schulen werden viele Migranten unterrichtet. Ihre Eltern sollen nun motiviert werden, sich verstärkt zu engagieren, etwa indem sie Elternabende besuchen.
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An den Schulen werden viele Migranten unterrichtet. Ihre Eltern sollen nun motiviert werden, sich verstärkt zu engagieren, etwa indem sie Elternabende besuchen.

Migranten

Migranten für Elternarbeit gewinnen

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Migranten bringen sich kaum in den Schulen ein. Sie kommen selten zu Elternabenden und stellen kaum Elternbeiräte. Das soll sich ändern. Ein neues Programm soll für mehr Beteiligung in der Schule sorgen.

Ohne die Kinder von Migranten wäre es ziemlich leer in Frankfurts Schulen. Zwei Drittel aller Kinder, sagt Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg, „hat eine internationale Familiengeschichte“. Die Eltern dieser Kinder sind aber an den Schulen unterrepräsentiert. Sie kommen selten zu Elternabenden, stellen kaum Elternbeiräte „und türkisches Essen zum Schulfest zu bringen, reicht nicht aus, um an Schulbildung beteiligt zu sein“, sagt Eskandari-Grünberg.

Denn eine Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule trägt wesentlich zu einem gelingenden Bildungserfolg bei. Das sagt der stellvertretende Leiter des Staatlichen Schulamts Rainer Kilian. „Wenn Eltern und Schule nichts voneinander wissen, dann ist das immer ein Stolperstein.“ Und weil das alle wissen, haben nun das Amt für multikulturelle Angelegenheiten und das Staatliche Schulamt ein Projekt auf die Beine gestellt, um diese Eltern als „Bildungspartner“ zu gewinnen. In den nächsten drei Jahren werden daher Schulen dabei unterstützt, neue Ideen zu entwickeln, wie Eltern angesprochen und ihnen bei der Bildungsarbeit geholfen werden kann.

Barrieren abbauen

Denn es gibt zahlreiche Gründe, warum Migranten sich nicht in der Schule einbringen. Da ist zum einen für viele die Sprachbarriere. Zum anderen dürfen sich Eltern in anderen Ländern häufig gar nicht in der Schule einmischen: Erziehung und Bildung sind oftmals strikt getrennt. Dass nun in Frankfurt eine Beteiligung von Eltern erwartet wird, ist vielen nicht klar. „Und oft fühlen sie sich einfach nicht auf Augenhöhe mit anderen Eltern und bleiben deshalb fern“, sagt Eskandari-Grünberg. „Wir müssen also Barrieren abbauen, damit sie sich in die Schule trauen.“

An dem neuen Projekt nehmen 16 Schulen in 14 Stadtteilen teil. Jede Schule erhält 2000 Euro im Jahr, und zwei Lehrer bekommen jeweils eine Stunde wöchentlich Zeit, Ideen zu entwickeln. „Das klingt wenig“, sagt Kilian. Doch es bedeute immerhin Ausgaben von 50 000 Euro im Jahr für das Land. „Das ist schon ein großes Projekt.“

Die Lehrkräfte sollen zudem fortgebildet werden und ihre Ideen in einem Netzwerk der teilnehmenden Schulen austauschen. Auch Akteure im Stadtteil wie Moscheegemeinden und Quartiersmanagements sollen einbezogen werden. „Bisher haben Lehrer vieles im Alleingang probiert, damit Eltern den Weg in die Schule finden“, sagt Eskandari-Grünberg. Doch vielleicht gibt es mehr Möglichkeiten an sie heranzukommen, als einen Elternbrief in verschiedenen Sprachen abzufassen. „Wenn 16 Schulen 50 Ideen ausprobieren, dann können wir gucken, was sich bewährt hat“, sagt Amtsleiter Armin von Ungern-Sternberg. „Und das können wir dann in die Fläche bringen.“

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