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Mieterschützer zu Energiekrise: „Die Gesundheit steht auf dem Spiel“

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Von: Christoph Manus

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Der Gaspreis ist seit Kriegsbeginn stark gestiegen. Viele Menschen haben Angst vor hohen Nachzahlungen.
Der Gaspreis ist seit Kriegsbeginn stark gestiegen. Viele Menschen haben Angst vor hohen Nachzahlungen. © dpa

Der Frankfurter Mieterschützer Rolf Janßen spricht im FR-Interview über die steigenden Energiepreise, Wohnungsunternehmen, die die Temperaturen begrenzen und Wege durch die Krise.

Herr Janßen, wie bedrohlich ist die Energiekrise für die Mieterinnen und Mieter?

Die Situation ist dramatisch. Die Heizkosten könnten sich verdoppeln, verdreifachen oder noch stärker steigen. Viele Mieterinnen und Mieter müssen im kommenden Jahr damit rechnen, sehr hohe Nachforderungen bezahlen zu müssen. Auf uns kommen bereits seit einigen Wochen Menschen zu, die von ihren Vermietern aufgefordert werden, höhere Vorauszahlungen zu leisten. Allen, die sich das finanziell leisten können, raten wir in der Regel, die Zahlungen jetzt schon anzupassen - oder selbst Rücklagen zu bilden.

Große Wohnungsunternehmen wie Vonovia und die Frankfurter Wohnungsgesellschaft ABG kündigen bereits an, die Höchsttemperaturen in den Wohnungen zu begrenzen. Können Sie das nachvollziehen?

Wenn Unternehmen einen Beitrag leisten möchten zur Bewältigung der Energiekrise hat das prinzipiell seine Berechtigung. Das darf aber nicht zulasten der betroffenen Mieter gehen. Es muss gewährleistet sein, dass die Wohnung tagsüber mindestens auf 20 Grad, nachts mindestens auf 18 Grad beheizt werden kann. Es geht ja um die Bewohnbarkeit der Wohnung und die Gesundheit. Man kann eine Wohnung nicht auskühlen lassen, um Energie und Geld zu sparen. Sonst steht die Gesundheit auf dem Spiel. Nicht zuletzt droht Schimmel.

Die Wohnungsgesellschaft ABG spricht von tagsüber maximal 20, nachts maximal 18 Grad. Wäre das in Ordnung?

Das wäre das absolute Minimalprogramm. Es gibt auch Rechtsprechung, nach der es im Bad beispielsweise schon 24 oder 25 Grad sein sollten.

Einige Eigentümer wollen offenbar sogar nachts das warme Wasser abdrehen ...

Das ist nicht zulässig. Schon weil es eine große Anzahl von Mieterhaushalten gibt, die zwingend auf warmes Wasser rund um die Uhr angewiesen ist. Zum Beispiel Haushalte mit Pflegebedürftigen, Säuglingen und Kleinkindern oder Menschen, die im Schichtdienst arbeiten.

Zur Person

Rolf Janßen (58) ist Geschäftsführer des DMB-Mieterschutzvereins Frankfurt. Dieser ist nach eigenen Angaben der größte Mieterschutzverein Hessens,

Viele Menschen haben nicht erst seit den stark steigenden Preisen große Schwierigkeiten, die Mieten in Frankfurt und Region zu bezahlen. Heißt es für viele nun, frieren oder verarmen?

Es gibt Berechnungen, nach denen auf die Haushalte Nachzahlungen von mindestens 500 Euro, in der Spitze bis 5000 Euro zukommen. Das sind Beträge, die für die allermeisten Mieterinnen und Mieter nicht bezahlbar sind. Ihnen droht eine dauerhafte Verschuldung oder eine eiskalte Wohnung – wenn die Energieversorger bei Zahlungsverzug weiterhin Strom und Gas abstellen dürfen. Vermieter könnten auch mit Kündigungen drohen, wenn die Nachforderungen nicht geleistet werden. Das alles sind absolute Horrorszenarien. Wir fordern daher jetzt schon einen Schutz vor Kündigungen in der Energiekrise. Es muss aber deutlich mehr Hilfe bereitgestellt werden.

Was muss geschehen?

Die Stadt Frankfurt etwa könnte einen Fonds einrichten, der Mieterhaushalte, die die Nachforderungen bei den Heizkosten nicht tragen können, finanziell unterstützt. Ein Fonds in Höhe von fünf Millionen Euro könnte 10 000 Haushalten helfen. Auch das wäre aber natürlich nur ein kleines Pflaster. Wohnungsunternehmen wie die ABG sollten versuchen, Preiserhöhungen so weit wie möglich abzufedern. Das sollte durchaus auch in ihrem Sinne sein. Sie haben ja nichts davon, wenn sehr viele Haushalte in Zahlungsverzug geraten.

Interview: Christoph Manus

Rolf Janßen (58) ist Geschäftsführer des DMB-Mieterschutzvereins Frankfurt. Er fordert einen Hilfsfonds für Mieterinnen und Mieter, die die Nachforderungen für das Heizen nicht zahlen können.
Rolf Janßen (58) ist Geschäftsführer des DMB-Mieterschutzvereins Frankfurt. Er fordert einen Hilfsfonds für Mieterinnen und Mieter, die die Nachforderungen für das Heizen nicht zahlen können. © DMB

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