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Michael Martis ist sauer auf die Vonovia.

Wohnen in Frankfurt

Mieterprotest im Gallus

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Bewohner im Frankfurter Gallus klagen, dass der Umbau des Wohnblocks in der Wallauer Straße 2?6d noch immer nicht fertig ist. Seit fast vier Jahren erneuert die Eigentümerin, das Immobilienunternehmen Vonovia, das Gebäude.

In hellen Gelb- und Beigetönen strahlt die Fassade des Wohnblocks in der Wallauer Straße 2–6d. Frisch gestrichen ist das Haus, in dem rund 300 Bewohner leben. Baucontainer und Gerüste davor lassen jedoch erahnen, dass die Umbauarbeiten noch lange nicht abgeschlossen sind.

Seit fast vier Jahren erneuert die Eigentümerin, das Immobilienunternehmen Vonovia, das Gebäude und richtet im Dachgeschoss weitere Wohnungen ein. „Eigentlich sollte der Umbau 2017 fertig sein“, sagt Michael Martis, der im Erdgeschoss wohnt. Mit einem Dutzend Nachbarn hat er sich am Mittwochnachmittag vor dem Haus versammelt. Gemeinsam äußern sie ihren Unmut über den Vermieter, und das nicht zum ersten Mal.

Michael Roy, der seit acht Jahren in dem Wohnblock lebt, stört besonders der Dreck und Lärm der Bauarbeiten. „Wenn man die Wohnungstür aufmacht, kommt einem der Staub entgegen“, sagt der 32-Jährige, und weiter: „Seit Februar wird nur früh von 6 bis 9 Uhr und am Abend von 17 bis 19.30 Uhr gearbeitet.“ Dabei wünsche er sich, dass die Bauarbeiten möglichst schnell abgeschlossen seien. Michal Kahn kritisiert die schlechte Erreichbarkeit sowie unfreundliche Kommunikation seitens des Unternehmens. Sie störe das harsche Verhalten am Telefon und vor Ort.

Michael Martis ärgert vor allem ein Schreiben der Vonovia an den Mieterbund „Höchster Wohnen“ von Anfang Januar. Darin habe das Unternehmen angekündigt, die Modernisierungskosten mit elf Prozent auf die Mieter umzulegen, statt, wie von dem Mieterbund vorgeschlagen, lediglich sieben Prozent zu verlangen. Eine Mietminderung habe es abgesehen von einer Einmalzahlung von 250 Euro nie gegeben. „Die Mieterhöhung kam schon im Dezember, obwohl die Umbaumaßnahmen noch gar nicht abgenommen sind“, sagt Martis. Es gebe zahlreiche Mängel. Dazu zeigt er eine Haustür, die nicht richtig schließt. Der Keller sei überzogen von einem Rußpartikel-Schleier, der durch Öffnen eines Schornsteins entstanden sei. Lediglich seine Wohnungstür, jedoch nicht den alten Rahmen, habe Vonovia erneuert. Das Treppenhaus müsse zudem noch renoviert werden.

„Die Vorwürfe der Mieter können wir teilweise nicht nachvollziehen“, sagt Max Niklas Gille, Pressesprecher von Vonovia, und weiter: „Alle Arbeiten, die als Modernisierung gelten, wurden im September 2018 beendet.“ Aktuell würden noch 21 neue Wohnungen im Dachgeschoss errichtet. Solche Arbeiten würden „natürlich Unannehmlichkeiten für die Mieter mit sich bringen“. Deshalb werde „so schnell und kompakt wie möglich gearbeitet“. Daneben habe sein Arbeitgeber Sprechstunden angeboten, die von den Mietern allerdings nicht angenommen worden seien.

Für neuen Unmut sorgt auch das geplante Wohnhaus, das die Vonovia nebenan plant. Ein Kiosk, der dort noch steht, wird gerade abgerissen. Die Grünfläche dahinter soll bald bebaut werden und dann für weiteren Lärm und Dreck sorgen, befürchten die Nachbarn. „Dann verschwindet die einzige Oase, wo wir noch relaxen konnten“, sagt André Pobloth, der seit 18 Jahren in der Wallauer Straße wohnt.

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