Steht auf teurem Boden: die ehemalige Akademie der Arbeit. Foto: Michael Schick
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Steht auf teurem Boden: die ehemalige Akademie der Arbeit. Foto: Michael Schick

Frankfurt-Bockenheim

Mieter fürchten teuren Erbbauzins

  • Nadine Benedix
    vonNadine Benedix
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Wohnprojekte sollen sich für die ehemalige Akademie der Arbeit bewerben. Doch der Grundstückswert ist hoch rund um die Warte.

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: In wenigen Wochen beginnt das Konzeptverfahren für gemeinschaftliche Wohnprojekte, die in die ehemalige Akademie für Arbeit ziehen wollen.

Wie Katharina Wagner vom Planungsdezernat und Beate Steinbacher vom Amt für Wohnungswesen in der Sitzung des Ortsbeirats 2 am Montag erklärten, gibt es zunächst eine sechsmonatige Bewerbungsfrist. Dann wird ein Gremium aus Politikern, Verwaltungsmitarbeitern und Experten das passende Projekt auswählen. Nach einer einjährigen Planungsphase soll der Umbau beginnen.

Bevor der ganze Prozess starten kann, muss die Stadt den finalen Mietpreis am Standort ermitteln. Das Gebäude wurde 2017 für 3,8 Millionen von der stadtnahen Entwicklungsgesellschaft KEG gekauft. Das Grundstück gehört der Stadt. Die vermietet das Areal im Erbbaurecht, was bedeutet, dass die zukünftigen Mieter das Gebäude ohne Ankaufspreis für 99 Jahre erwerben können, jedoch einen jährlichen Erbpachtzins von fünf Prozent des halben Bodenwertes – oder einfacher gesagt 2,5 Prozent – entrichten müssen.

Da der Bodenwert nahe der Bockenheimer Warte sehr hoch ist, fürchten interessierte Wohngruppen deshalb teure Mietpreise. Dadurch seien die Vorgaben der Ausschreibung schwer umzusetzen, berichten verschiedene Anwärter. Auf Wunsch des ehemaligen Mieters des Gebäudes, der Akademie für Arbeit, sollen sie die Themen Ausbildung, Gewerkschaft und Arbeit aufgreifen und so verschiedene Einkommensschichten im Projekt vereinen. „Wie sollen wir die Vorgaben umsetzen, wenn die Mietpreise nur für die obere Mittelschicht bezahlbar sind“, empört sich deshalb Anwärterin Jutta Rothacker von der Initiative Wohntraum.

Birgit Kasper vom Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen plädiert für eine Senkung der Zinshöhe. „Wir müssen nicht so tun, als sei das aktuelle Erbbaurecht der Stadt eine Almosenverteilung“, sagt sie. Anstatt bei 2,5 fordert sie, den Mietzins bei einem Prozent anzusetzen.

Die veranschlagte Höhe des Erbbauzinses beruht auf einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung. „Das ist hochpolitisch“, erklärt Amtsmitarbeiterin Steinbacher. Die Verwaltung könne keine Entscheidungen treffen. Man sei sich des Problems jedoch bewusst, sagt die Planungsreferentin Katharina Wagner.

Für die Projekte sei eine gute Raumplanung wichtig. Sie gibt außerdem zu bedenken, dass sich die Pachtung auf lange Sicht trotzdem lohne. Denn in den nächsten 99 Jahren wird der Preis nicht weiter steigen. bx

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