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Oliver Schwebel bewertet die Ansiedlung vieler Bäckereien auf der Schweizer Straße eher positiv.
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Oliver Schwebel bewertet die Ansiedlung vieler Bäckereien auf der Schweizer Straße eher positiv.

Einkaufsstraßen

„Mieten müssen angemessen sein“

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
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Oliver Schwebel, Geschäfstführer der Wirtschaftsförderung, erklärt zum Abschluss der kleinen Serie, wie die Stadt den Gewerbetreibenden auf Einkaufsstraßen helfen kann.

Herr Schwebel, durch Corona ist die Situation der Einzelhändler schwieriger geworden. Welchen Eindruck haben Sie von den Einkaufsstraßen?

Durch die coronabedingten Schließungen zahlreicher Geschäfte sind die Einkaufsstraßen deutlich ruhiger geworden. Einzelhändler und Gastronomen kämpfen mit der aktuellen Situation. Es ist aber auch zu beobachten, dass die Zeiten für Umbauten und Renovierungen genutzt werden oder um Kunden trotz der Schließungen zum Kauf, etwa per „Click & Collect“, anzuregen.

Auf der Schweizer Straße stehen mehr Läden leer. Gewerbetreibende klagen über zu hohe Mieten. Welche Handlungsmöglichkeiten hat die Stadt?

Dies ist leider ein Trend, der sich auf der Schweizer Straße, aber auch in anderen Stadtteilen abzeichnet. Auf die Höhe der gewerblichen Mieten kann die Stadt keinen Einfluss nehmen. Sie kann nur an die Vermieter appellieren, angemessene Mieten zu verlangen und in diesen schwierigen Zeiten das Ziel einer langfristigen Vermietung oder Anmietung der Immobilien zu verfolgen. Langfristig lässt sich der Wert der Immobilie nur halten, wenn für Kunden ein attraktives Angebot auf der Einkaufsstraße zu finden ist.

Die Stadt will mit der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße die Situation verbessern. Welche Hoffnungen setzen Sie in diese Zusammenarbeit?

Die Aktionsgemeinschaft strebt neben dem Kontakt zu den Gewerbetreibenden die Einbeziehung der Immobilieneigentümer an, um die Angebotsstruktur positiv zu beeinflussen. Dies kann ein guter Beitrag zur Attraktivitätssteigerung sein. Auch wir stehen mit Eigentümern in Kontakt. Hierzu betreiben wir ein eigenes Leerstandsmanagement als Lösung. Wir sind zudem gespannt auf die Ideen der Aktionsgemeinschaft zur Umgestaltung des Schweizer Platzes, die helfen soll, die Besonderheiten der Schweizer Straße hervorzuheben.

Die Schweizer Straße wird aufgrund der vielen Bäckereien oft als „Bäckereistraße“ bezeichnet. Viele vermissen die Vielfalt des Einzelhandels. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Wir sehen diese Entwicklung eher positiv. Sie finden auf der Schweizer Straße vom Spezialisten für Cupcakes über den Biobäcker bis hin zu französischen oder orientalischen Backwaren eine große Auswahl. Die Kunden werden auch zu den anderen Läden gelockt. Durch die Leerstände gibt es aber natürlich auch Potenzial für Geschäftsansiedlungen und eine Erweiterung der Angebotsvielfalt.

Auf der Leipziger Straße sind ebenfalls bestimmte Branchen mit mehreren Läden vertreten. Wünschten Sie sich mehr Einflussmöglichkeiten der Stadt auf die Verteilung der Geschäfte?

Solange eine Nutzung baurechtlich zulässig ist, können wir hier nichts verhindern. Wir können aber beratend zur Seite stehen, welche Art von Sortiment sinnvollerweise zu ergänzen wäre.

Am Anfang der Leipziger steht seit mehr als zwei Jahren das ehemalige „Pappnase“ leer. Sind der Stadt die Hände gebunden?

Die Insolvenz der „Pappnase“ hat mich nachhaltig bewegt. Dieses Geschäft war über 30 Jahre eine Institution. Auch hier stellt die wachsende Internetkonkurrenz ein Problem für den lokalen Einzelhandel dar. Zur Beseitigung von Leerständen steht unter anderem das städtische Programm „Radar – Kreative in den Leerstand“ zur Verfügung. Schlussendlich müssen Angebot und Nachfrage zusammenkommen.

Auf der Berger Straße ist der Gewerbeverein Bornheim Mitte aktiv. Er druckt Plakate, kommuniziert Alternativ-Angebote der Läden. Wie kann die Stadt Gewerbevereine unterstützen?

Die Wirtschaftsförderung unterstützt Gewerbevereine und Interessengemeinschaften, etwa über das Stadtteilprogramm „Frankfurt am Start“ mit Gewerbeschauen und Plakat-Aktionen wie „#einkaufen in Frankfurt“ oder fördert einzelne Projekte finanziell. Zusätzlich werden in regelmäßigen Treffen neue Konzepte vorgestellt und Erfahrungen ausgetauscht.

Die Wirtschaftsförderung

Die Wirtschaftsförderung , ein Tochterunternehmen der Stadt Frankfurt, sieht sich als Ansprechpartner bei Standortangelegenheiten und Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung. Sie berät, unterstützt und vermittelt zwischen Wirtschaft und Politik.

Geschäftsführer ist seit Mai 2015 Oliver Schwebel (51). Er ist erreichbar unter der Telefon 21 23 62 00.

Alle Infos zur Wirtschaftsförderung, die ihren Sitz in der Hanauer Landstraße 126-128 hat, finden sich online unter www.frankfurt-business.net.

In einer kleinen Serie haben wir uns in den vergangenen zwei Wochen um Einkaufsstraßen in den Stadtteilen gekümmert.

Wir waren auf der Schweizer Straße in Sachsenhausen, auf der Hostatostraße in Höchst, auf der Berger Straße in Bornheim und im Nordend sowie auf der Leipziger Straße in Bockenheim.

Es ging um die Entwicklungen und Probleme der Straßen und ihrer Geschäftsleute, nicht nur vor dem Hintergrund von Corona.

Zum Abschluss spricht Oliver Schwebel von der städtischen Wirtschaftsförderung nun darüber, wie seitens der Stadt auf die Probleme reagiert werden kann. bö

Als Modell für andere Straßen könnte die Hostatostraße in Höchst dienen. Ist es richtig, dass die einzige Chance für den Einzelhandel es ist, hybride Standorte zu schaffen, also Einzelhandel, Gastro, Arbeitsplätze und Wohnen an einem Ort?

In der Tat ist die Hostatostraße ein gutes Beispiel für einen guten Angebotsmix inhabergeführter Geschäfte. In der Innenstadt von Höchst hat sich in den letzten 15 Jahren viel getan, insbesondere durch die Initiative Pro Höchst e.V., das Förderprogramm Innenstadt Höchst sowie Aktionen wie dem Höchster Design-Parcours.

Das Förderprogramm für die Höchster Innenstadt läuft noch drei Jahre. Wie erfolgreich ist es?

Nachdem zunächst Wohngebäude im Fokus der Förderung standen, sind es in der Fortführung Ladenflächen und -fassaden. Es stehen noch ausreichend Fördermittel zur Verfügung. Ob über den aktuellen Förderzeitraum hinaus eine Verlängerung möglich ist, muss erst noch entschieden werden.

Ist das Modell Höchst auf andere Stadtteile übertragbar ?

Die örtlichen Gegebenheiten beeinflussen stark, wie sich die Situation zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt. Aber es macht immer Sinn, sich anzuschauen, was woanders gut läuft und wie man an einem anderen Standort davon profitieren kann.

Sind die Einkaufsstraßen der Stadtteile aus Ihrer Sicht nur für sich und ihrem Umfeld zu betrachten? Oder müsste man Lösungsansätze im Kontext der gesamten Stadt suchen?

Beides. Eine gesamtheitliche Betrachtung der Entwicklung von Einkaufsstraßen ist wichtig, die unterschiedlichen Stärken müssen aber herausgearbeitet und dargestellt werden. Wenn jede Einkaufsstraße ihr eigenes Profil hat, können alle davon profitieren. Beschleunigt durch die Corona-Pandemie müssen sicherlich viele Standorte intensiver betrachtet werden.

Inwiefern?

Insbesondere der Rückgang des inhabergeführten Einzelhandels hat sich absehbar noch einmal verstärkt. Damit verbunden spielt der Mix aus einer guten Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln eine Rolle. Dazu gehören sicherlich Parkplätze für Kunden, die nicht mit dem Fahrrad anreisen können. Mit dem Visionsbüro Frankfurt und dem Handelsverband haben wir für Händler eine Internet-Plattform geschaffen, mit der wir dauerhaft den Handel untereinander vernetzen und mit Informationen auf neue Ideen bringen.

Wäre es denkbar, leerstehende Immobilien selbst zu mieten und weiter zu vermieten?

Es gibt verschiedene Modelle in diese Richtung. Der Eingriff als Stadt in den Mietmarkt sollte gut geprüft werden und muss förderrechtlich unbedenklich sein.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Gibt es eine Straße in Frankfurt, auf der Sie besonders gerne einkaufen gehen?

Die Frankfurter Einkaufsstraßen sind alle besonders und als Wirtschaftsförderer fühle ich mich besonders wohl, wenn Angebot, Flair und Freundlichkeit überzeugen. Eine einseitige Präferenz einer bestimmten Einkaufsstraße habe ich nicht.

Interview: Fabian Böker

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