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Mieten in Frankfurt: „Die Preise sind enorm hoch“

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Von: Timur Tinç

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Günstige Wohnungen sind in Frankfurt kaum zu finden - außer man hat das Glück eine geförderte Wohnung zu bekommen.
Günstige Wohnungen sind in Frankfurt kaum zu finden - außer man hat das Glück eine geförderte Wohnung zu bekommen. © christoph boeckheler*

Für Familien ist oft schwierig größere Wohnungen in Frankfurt zu finden. Drei Menschen berichten über ihre Erfahrungen und einer erzählt über die Vorzüge von einem Wohnprojekt indem er mit seiner Frau und den zwei Kindern lebt.

Jacqueline Lombardi, 36:

Wir wohnen seit zehn Jahren in einer Dreizimmerwohnung auf 72 Quadratmetern. Seitdem gab es keinerlei Sanierung, aber immer wieder Mieterhöhungen. Wir haben zwei Kinder und suchen seit vier Jahren aktiv eine Vierzimmerwohung ab 85 Quadratmetern. Wir haben einige Besichtigungen hinter uns, darunter viele Sammelbesichtigungen. Bei zwei Vierzimmerwohnungen, die wir ansprechend fanden, haben wir sofort gesagt, dass wir sie nehmen würden. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass Familien mit nur einem Kind den Zuschlag bekommen haben. Wir haben auf Immoscout und Immowelt automatische Suchen für Dreieinhalb- bis Fünfimmerwohnungen eingerichtet. Die Preise sind enorm hoch. Normalverdienende können sich das gar nicht leisten. Hinzu kommt, dass viele Wohnungen nur an Paare vergeben werden und Kinder nicht erwünscht sind. Wir haben uns ein Maximum an Miete von 1300 Euro gesetzt, da wir unseren Kindern noch etwas bieten wollen. tim

Philipp Niehenke, 43 Jahre:

Wir leben seit diesem Jahr in einem Mehrfamilienhaus mit 83 Erwachsenen und 39 Kindern in 50 Wohnungen in Niederrad. Das Haus haben wir als Genossenschaft gebaut, um gemeinschaftlich zu wohnen. Das Zusammenleben klappt sogar besser, als ich mir das erhofft habe. Gemeinsam sind so viele Sachen einfacher und machen mehr Spaß. Als Hausgemeinschaft haben wir eine Signal-Gruppe, wo dann gefragt wird: Ich habe noch zwei Teller Linsensuppe, mag noch jemand? Wir brauchen heute Abend noch Mitspielende für Doppelkopf, wer kommt dazu? Ich habe gerade Corona, bringt mir jemand Schupfnudeln aus dem Supermarkt mit? Die offenen Laubengänge und der gemeinsame Innenhof unterstützen diesen Austausch. Wir sind hier nicht nur eine Kleinfamilie mit vier Personen, sondern auch Teil einer großen Gemeinschaft. Unsere beiden Töchter haben Freundinnen in der Hausgemeinschaft und täglich treffen sich Eltern mit ihren Kindern im Innenhof. In so einer großen Gruppe leben wir auch nachhaltiger. Zum Beispiel nutzen wir den Staubsauger unserer Nachbarn. Und wenn der kaputt geht, kaufen wir einen. Nicht jeder braucht mehr jedes Werkzeug und Lebensmittel geben wir weiter, bevor sie schlecht werden. Davor haben wir in einer Vierzimmerwohnung gewohnt, wo man von den Nachbarn nicht viel mitbekommt. Einmal im Jahr gibt es ein Sommerfest und man grüßt sich im Flur, aber darüber hinaus passiert nicht viel. Natürlich diskutieren wir im Plenum manchmal Dinge ein bisschen länger und man muss die Geduld mitbringen, sich auch auf die Sicht und Bedürfnisse der anderen einzulassen, aber auf diese Weise haben wir viel erreicht, uns sehr gut kennengelernt und sind zu dieser starken Gemeinschaft zusammengewachsen. tim

Toprak Özkan Dinler, 39 Jahre:

Ich wohne mit meiner Frau und unseren drei Kindern in einer 72 Quadratmeter großen Zweizimmerwohnung in Sachsenhausen. Es ist schön hier. Die Kita ist fünf Minuten entfernt. Unser ältester Sohn geht in die Vorschule, hat hier seine Freunde und wir wollen ihn nicht aus seiner gewohnten Umgebung rausreißen. Ich bin seit drei Jahren auf der Suche nach einer größeren Wohnung im Stadtteil, aber die meisten sind einfach zu teuer. Ich habe den Eindruck, seit England aus der EU ausgetreten ist und immer mehr Engländer und Europäer nach Frankfurt ziehen, ist es noch schwieriger geworden, etwas Bezahlbares zu finden. Die Vermieter suchen sich in der Regel diejenigen aus, die am meisten verdienen. Sie versuchen insbesondere zu vermeiden, die Wohnungen an Menschen zu geben, die staatliche Hilfen bekommen. Dabei könnte es ihnen doch egal sein, woher das Geld kommt. Ich habe mir 15 Wohnungen angeschaut, bei fünf waren wir zur Besichtigung. Dabei will ich betonen, dass ich nie etwas Rassistisches erlebt habe und dass es nie das Problem gab, zu viele Kinder zu haben. Es lag immer nur am Geld. tim

Jacqueline Lombardi.
Jacqueline Lombardi. © Privat
Philipp Niehenke.
Philipp Niehenke. © Privat
Toprak Özkan Dinler.
Toprak Özkan Dinler. © Privat

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