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Wohnungsmarkt

Mieten in Frankfurt kaum noch bezahlbar

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Die Wohnkosten steigen in Frankfurt viel stärker als die Einkommen. Selbst Durchschnittsverdiener finden kaum noch eine für sie bezahlbare Wohnung. Das hat auch Folgen für das Umland.

Ein durchschnittlich verdienender Frankfurter Single hat so gut wie keine Chance, in der Stadt eine Wohnung zu finden, deren Miete er sich leisten kann. Denn die Wohnkosten in Frankfurt sind im Verhältnis zu den durchschnittlichen Einkommen überproportional hoch. Das zeigt eine Wohnungsmarkt-Studie, die das Frankfurter Immobilien- und Beratungsunternehmen Immoconcept am Mittwoch vorgestellt hat.

Das Unternehmen hat untersucht, wie hoch die Einkommen eines Singles und eines Haushaltes aus zwei Erwerbstätigen und einem Kind sein müssen, die eine Wohnung suchen und höchstens 30 Prozent ihres monatlichen Verdienstes für Warmmiete ausgeben wollen. Für Familien rechnete Immoconcept die Kosten für eine mindestens 90 Quadratmeter große Wohnung, für Alleinlebende die für eine mindestens 40 Quadratmeter große Wohnung ein.

Singles müssen der Studie nach netto mindestens 2000 Euro pro Monat, in teureren Stadtteilen mindestens 3000 Euro pro Monat verdienen, um sich solch eine Wohnung leisten zu können. Dabei lag das zugrunde gelegte durchschnittliche Nettomonatseinkommen der Frankfurter im Jahr 2016 gerade einmal bei 1807 Euro. Und die Einkommen sind seitdem nicht besonders stark gestiegen. 2017 lagen sie nach neuen Zahlen des statistischen Landesamts in Frankfurt bei 1845 Euro pro Monat. Damit liegen die verfügbaren Einkommen weiter unter dem hessischen Durchschnitt.

Eine Bestandswohnung in Frankfurtwird nach Angaben von Immoconcept derzeit im Schnitt für eine Miete von 12,87 Euro pro Quadratmeter angeboten. Im Neubau sind 15,88 Euro zu zahlen. In der Spitze werden sogar mehr als 40 Euro pro Quadratmeter verlangt.

Den Kaufpreis für eine Bestandswohnung sieht Immoconcept im Schnitt bei 4558 Euro pro Quadratmeter, für Neubauten bei 6500 Euro pro Quadratmeter. Im Westend und der Altstadt kosten neue Wohnungen im Schnitt mehr als 10 000 Euro pro Quadratmeter. cm

Nicht viel bessere Chancen, eine halbwegs bezahlbare Wohnung zu finden als Singles, haben Familien. Sie müssen der Studie nach über ein Netto-Haushaltseinkommen von mindestens 4200 Euro im Monat verfügen, um in Frankfurt eine ihren Ansprüchen genügende Wohnung zu finden. In teureren Lagen müssten sie dafür sogar mehr als 6000 Euro pro Monat verdienen.

Wohnungen zu kaufen, ist für Menschen, die in Frankfurt etwas suchen, allerdings auch keine echte Alternative. Denn die Preise sind in den vergangenen Jahren noch stärker gestiegen als die Mieten, haben sich in noch höherem Maß von der Einkommensentwicklung abgekoppelt. Von 2007 bis 2019 sind die Kaufpreise pro Quadratmeter nach Angaben von Immoconcept um 135 Prozent gestiegen. Die Mieten wuchsen in diesem Zeitraum um 48 Prozent. Für die Bruttolohneinkommen nennt das Unternehmen einen Anstieg von 25 Prozent.

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Die Folge: Immer mehr Frankfurter ziehen ins Umland. Und auch dort steigen die Mieten und Preise stark an. So kosten laut Immoconcept nun auch im lange sehr günstigen Offenbach Bestandswohnungen im Schnitt mehr als zehn Euro Miete pro Quadratmeter. Die Mieten sind innerhalb von zehn Jahren um fast 50 Prozent gestiegen. Für neue Wohnungen werden im Schnitt bereits 12,60 Euro pro Quadratmeter verlangt. Noch gravierender ist die Entwicklung bei den Kaufpreisen. Die sind im selben Zeitraum sogar um 118 Prozent gestiegen. Bestandswohnungen kosten in Offenbach inzwischen 3070 Euro pro Quadratmeter, neue Wohnungen 4320 Euro.

Und der Anstieg der Preise und Mieten in Frankfurt – und dann auch im Umland – dürfte sich fortsetzen. Dafür spricht für Immoconcept etwa, dass die Zinsen für Baukredite immer noch sehr niedrig sind und die Nachfrage stark ist. Die ist zu einem inzwischen großen Teil von internationalen Kapitalanlegern getrieben, die sich etwa Hochhauswohnungen kaufen. Alleine im Grand Tower seien 200 Einheiten von ausländischen Käufern erworben worden, hieß es gestern.

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