Werkzeughersteller

IG Metall will Schließung von Werkzeughersteller Walter in Frankfurt noch verhindern

  • Steven Micksch
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Die Gewerkschaft ist sich sicher, dass die Einsparungen durch die Corona-Pandemie viel geringer sein werden. Sie hat auch zwei Fehler in der Kalkulation gefunden.

Im Kampf um die gefährdeten 200 Arbeitsplätze beim Werkzeughersteller Walter in Frankfurt-Rödelheim hat die Gewerkschaft IG Metall noch nicht aufgegeben. In dieser Woche habe man den Frankfurter Fall vor dem europäischen Betriebsrat der schwedischen Sandvik-Gruppe, zu der auch Walter gehört, vortragen können, berichtet Michael Erhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Frankfurt.

Der Betriebsrat habe sich nicht nur solidarisch gezeigt, sondern die schwedischen Arbeitnehmervertreter wollten das Thema auch noch mal mit dem CEO der Gruppe besprechen. Die IG Metall selbst will sich in der kommenden Woche noch mal an Richard Harris, den Vorstandsvorsitzenden der Walter AG, wenden. Dann wollen die Gewerkschafter ihr Angebot erneuern, gemeinsam nach einer Alternative zur Schließung zu suchen.

Erhardt ist sich sicher, dass wegen der Corona-Krise die Ersparnisse, die sich das Unternehmen durch die Schließung ausgerechnet habe, nicht so hoch sein werden. „Das Ganze wird teurer als gedacht“, sagt der Erste Bevollmächtigte. Denn in der Kalkulation seien einige Dinge nicht beachtet worden. Zum einen habe man einen Standardsozialplan entwickelt, der auf Frankfurt nicht eins zu eins umsetzbar sei. Dafür werde mehr Geld benötigen als gedacht.

Grundstück angeboten

Zum anderen seien in der Kalkulation keine Konfliktkosten berücksichtigt worden. Darunter würden beispielsweise Streiks fallen oder eventuelle Einbußen, wenn die Gewerkschaft aktiv auf Kunden zuginge und auf die Pläne hinweisen würde. „Ein bisschen Hoffnung besteht noch“, sagt Erhardt.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt habe sogar ein Alternativgelände angeboten, falls das Unternehmen nur das lukrative Grundstück in Rödelheim veräußern möchte. So könnte die Produktion in Frankfurt erhalten bleiben. Erhardt lobt, es gebe eine parteiübergreifende Solidarität in der Stadt.

Eine Sprecherin von Walter teilt auf FR-Nachfrage allerdings mit, dass das Unternehmen nach wie vor an seinen Plänen zur Schließung festhalte. Zwar habe die Corona-Pandemie zu spürbaren Auswirkungen auf die Nachfrage geführt, aber die geplanten Schritte in Frankfurt seien langfristige Entscheidungen, die davon unberührt blieben.

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