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Messe Frankfurt: Mit Zuversicht in die Zukunft

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Von: Sandra Busch

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Erfolgreicher Neustart: Die Messe Prolight und Sound im Frühjahr war gut besucht. Rolf Oeser
Erfolgreicher Neustart: Die Messe Prolight und Sound im Frühjahr war gut besucht. Rolf Oeser © ROLF OESER

Die Messe Frankfurt peilt 400 Millionen Euro Umsatz in diesem Jahr an. Pläne gibt es für Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Von einem Re-Start ist an diesem Dienstagvormittag in der Messe Frankfurt oft die Rede. Von einer Renaissance. Denn seit April können in der Messe wieder Veranstaltungen ohne jedwede Einschränkung stattfinden. Und so ist die Zuversicht bei den Geschäftsführern der Messe Frankfurt an diesem Tag groß. „Wir sind wieder angelaufen und wir laufen hoffentlich weiter“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung Wolfgang Marzin. „Wenn wir dürfen.“ Wenn es also nicht pandemiebedingt wieder zu Abstandsregeln oder gar abgesagten Messen kommen wird.

Von einem Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro geht die Geschäftsführung in diesem Jahr aus. Vor Corona lag der Umsatz im Jahr 2019 bei 736 Millionen Euro. 2020 und 2021 kämpfte die Messe mit den Herausforderungen der Pandemie. Jetzt dürfe man wieder tun, was man könne, sagte Marzin. Das heißt: persönliche geschäftliche Begegnungen organisieren. „Wir verdienen unser Geld mit Business-to-Business-Messen. National und international“, sagte Geschäftsführer Detlef Braun. „Unsere Kundinnen und Kunden haben einen riesigen Hunger auf persönliche Begegnungen.“ Laut einer Untersuchung der Messe unter 60 000 Kund:innen können sich nur 2,7 Prozent eine rein digitale Messe vorstellen. „97 Prozent setzen auf Smart Events: auf analog als Kernplattform mit einer digitalen Begleitung“, sagte Braun.

Die Messe Frankfurt will daher die digitale Ergänzung der Messen für Kund:innen einrichten. Plattformen soll es geben, auf denen man sich vernetzen kann, Inhalte bereitgestellt werden können. Ganzjährig. „Alle Marktteilnehmer kennen unsere Messe“, sagte Geschäftsführer Uwe Behm. Weil sie das Wichtigste sei, das die Branche auf die Beine stelle, dort Innovation stattfinde, sich die Wichtigsten dort träfen. „Diese Marken sind so wichtig für uns, dass wir sie in Zukunft auch digital nutzen wollen.“ Und Marzins „kühne Vision“ ist dabei, dass diese Plattformen die „Hauptbegegnungsstätten der Branchen werden“.

Messe Frankfurt im Corona-Jahr 2021

154 Millionen Euro Umsatz hat die Messe Frankfurt im Jahr 2021 gemacht. Wegen Corona hatten viele Messen nicht stattfinden können. Auch 2020 war wegen Corona der Umsatz von 736 Millionen Euro 2019 auf 257 Millionen Euro eingebrochen.

2238 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben für die Messe 2021 gearbeitet (2449 im Vorjahr). Der Personalaufwand betrug 125 Millionen Euro. Die Messe erwirtschaftete vor Steuern einen Verlust von 140 Millionen Euro, das Eigenkapital betrug 317 Millionen Euro.

Auf dem Messegelände in Frankfurt fanden 2021 zehn Messen und Fachausstellungen statt. Zu den Veranstaltungen der Messe in Frankfurt kamen etwa 44 Prozent der Aussteller:innen und Besucher:innen aus dem Ausland. Erstmalig gab es die Indoor-Air, eine Fachmesse für Lüftung und Luftqualität. 96 Aussteller:innen waren bei der Indoor-Air vor Ort, fast 1700 Besucher:innen kamen.

In Deutschland führte die Messe Frankfurt eine Veranstaltung durch, die Nordstil Sommer in Hamburg.

Im Ausland führte die Messe Frankfurt 53 Veranstaltungen durch. Es gab 25 206 Aussteller:innen und 1,2 Millionen Besucher:innen. Regionaler Schwerpunkt des Auslandsgeschäfts war Asien mit 33 Veranstaltungen – 21 davon in China. Eine weitere Veranstaltungsregion ist der Wirtschaftsraum Emea (Europe, Middle East, Africa). Dort fanden 17 Messen statt. Drei Veranstaltungen wurden auf dem amerikanischen Kontinent durchgeführt. Trotz der Pandemie richtete die Messe Frankfurt vier neue Veranstaltungen im Ausland aus: in Dubai, China, Japan und in Amerika.

Um die Corona-Krise zu bewältigen, wurde 2021 ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 150 Millionen Euro aufgenommen. Darüber hinaus haben die Gesellschafter, Stadt und Land, Kapitalerhöhungen in Höhe von 240 Millionen Euro beschlossen. 40 Millionen sind für die Finanzierung der Akquisition vorgesehen, 200 Millionen dienen der Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit, sollte ein Worst-Case-Szenario eintreten. sabu

Das kostet Geld. Und nicht nur die Digitalisierungsvorhaben. Deswegen habe die Messe vor wenigen Wochen ein Grundstück im Europaviertel verkauft, das 2013 als „Lagegunst“ angeschafft worden sei, sagte Behm. In der Not habe man das Tafelsilber verkauft, um sich weiterzuentwickeln. „Wir brauchen Investitionsmittel. Bei aller Zuversicht müssen wir uns auch wappnen.“ Es gebe auch noch weitere Grundstücke, Reserven, die aber noch nicht verkaufsreif seien.

Doch die Zuversicht ist groß, dass dies auch nicht nötig werden wird. „Ab 2024 werden wir wieder über Wasser sein, ab 2025 bei alter Stärke“, sagte Marzin. Es sei auch noch ein großer Schuldenberg an Darlehen abzutragen. Aber die Zuversicht auf die Zukunft der Messe speise sich auch daraus, dass der Re-Start bereits erfolgreich verlaufen sei. Der Neustart der Prolight und Sound etwa, sagte Marzin. Die Textilmesse. Alle waren gut besucht.

Und dann kommt die Eurobike im Juli erstmals nach Frankfurt, „mit einem enormen Aufschlag“, sagte Behm. Es gehe um alternative Mobilitätslösungen der Zukunft. Der Ball des Sports kehrt im nächsten Jahr nach Frankfurt zurück. Für die Automechanika im September „sehen die Zeichen gut aus“, sagte Braun. 2500 Aussteller:innen und rund 70 Länder nehmen teil. Mit dem Relaunch der Konsumgütermesse im Februar 2023 „schaffen wir neue Perspektiven des One-Stop-Shoppings“, sagte Braun. Ambiente, Christmasworld und Creativeworld sollen dabei gemeinsam stattfinden, die Paperworld darin aufgehen. „Wir bekommen dafür eine enorme Zustimmung“, so Braun. „Das stimmt optimistisch, dass wir einen guten Start 2023 haben werden.“ Eine Musikmesse funktioniere dagegen nicht mehr. „Da gibt es den professionellen Einkäufer nur noch vereinzelt und dann implodiert eine Messe“, sagte Braun. Man habe die Messe subventioniert, „aber die Zeit ist vorbei, dass wir subventionieren können“.

Auch um Energiepreise und Energieversorgung macht man sich bei der Messe Gedanken. „Uns treibt wie alle die Sorge um, dass es kühl werden könnte im Herbst“, sagte Behm. Und die Messe sei für Energieversorger problematisch. „Ein paar Tage geht der Energieverbrauch rapide in die Höhe, kurz darauf ist er auf ganz niedrigem Niveau.“ Energiesicherungsmaßnahmen hätten getroffen werden müssen, um nicht von den Preisschwankungen, die man nicht planen könne, betroffen zu sein. 30 Prozent des Strombedarfs soll daher künftig direkt von einem Solarpark in Brandenburg bezogen werden. „Sehr nachhaltig. Und wir wollen, dass weitere 30 Prozent in Zukunft über Wind erzeugt werden. Da sind wir im Gespräch mit Versorgern“, so Behm. Doch damit sei das Problem bei weitem noch nicht gelöst. „Wir werden auch mit Gas und Dampf versorgt, das wird eine Herausforderung sein.“

Nachhaltigkeit wolle die Messe nicht nur mit dem Betrieb und regenerativ gewonnenem Strom vorantreiben, sondern auch mit dem Programm, kündigte Marzin an. So habe man sich bei der Textilmesse um nachhaltige Textilien gekümmert, bei der internationale Leitmesse der Fleischwirtschaft, die sich mehr als 70 Jahre nur mit Fleischereiprodukten beschäftigt habe, „wurden das erste Mal alternative Proteine aufgenommen“, sagte Marzin. Ein Drittel der Aussteller:innen hätten Proteinprodukte angeboten. „Und das wird erst der Anfang gewesen sein.“

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