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Etwa 1000 Menschen zeigen, dass ihnen an ihren Mitmenschen etwas liegt.

Seebrücke

Frankfurt: Seebrücke-Demonstration für mehr Menschlichkeit 

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Hunderte demonstrieren am Samstag nach einem Aufruf der Seebrücke gegen die Migrationspolitik.

Es kommt auch auf dieser Demonstration der Moment, für den man sich vielleicht ein kleines bisschen mehr Ruhe gewünscht hätte. Das ist der Moment, an dem die rund 1000 Demonstranten, die dem Aufruf der Organisation Seebrücke gefolgt sind, ihren Marsch in der Mitte der Friedensbrücke unterbrechen.

Sie wollen damit ein Zeichen des Protests dagegen setzen, dass Frankfurt sich im Gegensatz zu anderen Städten noch nicht als „Sicherer Hafen“ für Flüchtlinge erklärt hat. Ein paar Demonstranten zünden Signalfeuer, einige haben sich orange Rettungswesten übergezogen, andere haben gold-silberne Rettungsfolie mitgebracht und zu Fahnen umkonstruiert. Ein Sturm zieht auf, der Himmel wird immer schwärzer, die Folienfahnen knattern im auffrischenden Wind und durch den Nebel der Signalfeuer kann man sehen, dass einen am anderen Ufer uniformierte Staatsmacht erwartet. Das ist dann eigentlich der Moment, an dem man in sich gehen und dankbar dafür sein könnte, dass man so einen Sturm auf der Friedensbrücke statt auf einem Schlauchboot im Meer erwarten kann. Was aber schwerfällt, wenn im Hintergrund ein etwas schiefer Shantychor „No nation, no border, fight law and order“ singt und ein großes Transparent mit der Aufschrift „Fight Fortress Europe“ enthüllt wird.

Seebrücke-Demonstration in Frankfurt: Rackete wird gepriesen

Es ist nicht die einzige Demonstration gegen das Sterben im Mittelmeer. Weltweit protestieren in 65 Städten mehrere Zehntausend Menschen, auch in Hessen gehen in Marburg und Kassel Menschen auf die Straße, wenn auch nicht so viele wie in Frankfurt. Um 17 Uhr treffen sich die Frankfurter Demonstranten vor dem Filmmuseum. Eine Rednerin macht noch einmal klar, um was es hier geht: um Menschenleben, aber auch um das „Recht auf Flucht und Seenotrettung“. Dass Seenotrettung kein Verbrechen ist, wie immer wieder skandiert wird, dürfte wohl jeder, der halbwegs bei Sinnen ist, unterschreiben. Die Forderungen nach „der sofortigen Schließung aller Abschiebeknäste“ und „die sofortige Abschaffung aller Grenzen“ dürften gesamtgesellschaftlich umstrittener sein, finden aber zumindest bei den Demonstranten eine klare Mehrheit.

Immer wieder beklatscht wird der Name von Carola Rackete, der Kapitänin der „Sea-Watch 3“, die mit 40 Flüchtlingen an Bord trotz Verbots der italienischen Behörden unsanft in den Hafen von Lampedusa eingelaufen und vorübergehend unter Hausarrest gestellt worden war. „Rackete war erst der Anfang“, ist auf einem Plakat zu lesen.

Die Forderungen, die die Redner an die Politik haben, sind relativ klar. Seenotretter dürften nicht weiterhin kriminalisiert werden, ebenso wenig die Geflüchteten selbst. Sämtliche Abschiebungen seien unverzüglich zu stoppen. Und nicht nur das „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“ müsse so schnell wieder verschwinden, wie es gekommen sei. Auch die EU müsse ihre Blockadepolitik, die Menschenleben koste, schleunigst ändern. Derzeit, sagt eine Sprecherin, überlebe jeder Sechste, der sich auf die gefährliche Flucht über das Mittelmeer begebe, diese nicht. Man rufe daher auch in Frankfurt „den Notstand der Menschlichkeit“ aus. Dieser werde so lange andauern, „bis jeder Mensch auf der Welt in Sicherheit ist“. Das könnte also noch etwas dauern.

Lesen Sie auch: Eine Gruppe von Aktivisten will ein europäisches Netzwerk zur Bergung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer aufbauen.

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