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Auch Fridays for Future sind bei der Demonstration für die Grüne Lunge dabei. 

Klimaschutz

Menschenkette für den Erhalt der Grünen Lunge im Nordend

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Kooperation mit Fridays for Future. Projekt will Areal am Günthersburgpark schonend bewirtschaften.

Etwas verwuchert ist das Gartengelände noch, aber der Wildwuchs von Sträuchern und Bäumen ist in der „Grünen Lunge“ nahe dem Günthersburgpark ausdrücklich erwünscht. Doch folgt man den kleinen, mit Ästen markierten Pfaden durch das Gelände, entdeckt man schnell Beete, in denen „Hirschhornwegerich“ und „Litschi-Tomaten“ sprießen. Weiter hinten liegen etwas versteckt Wildwiesen, auf denen sich Vögel und Insekten tummeln. Beide sind Teil des „PermaKulturGartens“, den die Gruppe „GemüseheldInnen“ seit Frühling diesen Jahres in den ehemals verwahrlosten Schrebergärten anlegen.

Das Projekt sieht vor, die Biodiversität des Geländes durch umsichtigen Anbau zu schützen. So würden zum Beispiel nicht alle Flächen bewirtschaftet, um weiterhin Wohn- und Brutplätze für die dort angesiedelten Tiere zu erhalten. Die enorme Artenvielfalt in dem Gebiet sei noch gar nicht ausreichend erfasst worden, erzählt Christiane Kircher, Anwohnerin und Teil der Initiative, während sie durch die Gärten führt.

Die Demonstrierenden auf dem Weg zur Menschenkette.

Um das umzusetzen, solle im Frühjahr mit den „Scientists for Future“ eine umfassende Katalogisierung beginnen. Neben den Tieren gelte es aber vor allem den wertvollen Boden zu schützen. „Viele haben noch gar nicht verstanden, dass allein der Boden ein hochkomplexes Ökosystem ist. Den kann man nicht mal eben schnell in zwei Jahren herstellen“, sagt Kircher, selbst Botanikerin. Sowohl der Boden als auch der Baumbestand vor Ort seien an die 100 Jahre alt und für die Lebensqualität des Viertels unerlässlich. Das geforderte Motto der Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, „Pflanzen, pflanzen, pflanzen!“, sollte laut Kircher daher eher „Erhalten, erhalten, erhalten!“ lauten.

Zu diesem Zweck haben die GemüseheldInnen gemeinsam mit anderen Natur- und Klimaschutzbündnissen, darunter „Fridays for Future“, am gestrigen Freitag zu einer Demonstration aufgerufen. Nach einer Versammlung am Merianplatz zogen die nach Angaben der Veranstalter etwa 3000 Demonstrierenden über die Berger Straße Richtung Günthersburgpark, um schließlich rund um das Gelände der „Grünen Lunge“ eine Menschenkette zu bilden. In bunten Regenjacken, teils mit einer Schale Kürbissuppe in der Hand, sammelten sich die Anwesenden zunächst am Abenteuerspielplatz, bevor sich die etwas chaotische Kette am Schlinkenweg entlang aufbaute.

Sorge um Frischluftzufuhr

Demonstration und Menschenkette waren Teil der Klimawoche, die „Fridays for Future Frankfurt“ nach dem globalen Klimastreik vom 20. September ausgerufen hatte. Neben Klimaschutzanliegen wie dem Kohleausstieg standen diesmal der Schutz der Biodiversität und der Erhalt der Frischluftschneise entlang der „Grünen Lunge“ im Mittelpunkt.

Hintergrund der Protestaktion ist die Absicht des Planungsdezernats, Teile des 16 Hektar großen Gebiets zu dem Wohnareal „Günthersburghöfe“ umzubauen. Laut Stadtplanung sollen dort in einem Hochhaus und mehreren Höfen 1400 Wohnungen, inklusive geförderten Wohneinheiten, sowie ein weitläufiges Grüngebiet entstehen. Letzteres soll vorhandene Grünflächen wie den Günthersburgpark und den nördlich gelegenen Wasserpark miteinander verbinden. Der für die „Günthersburghöfe“ zuständigen Projektentwicklungsfirma Instone AG wird seitens der Aktivisten und Aktivistinnen vorgeworfen, dort vorwiegend Luxuswohnungen bauen zu wollen.

Der Konflikt um die „Grüne Lunge“ steht exemplarisch für den Zwiespalt der Stadt, zwischen dem Bau dringend benötigter Wohnungen und dem Schutz bestehender Grünflächen abwägen zu müssen.

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