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Die Menschenkette der Streikenden zog sich auch über den Holbeinsteg.

Protest

Menschenkette am Frankfurter Mainufer

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Beschäftigte des öffentlichen Diensts streiken in Frankfurt und fordern mehr Geld.

Am Frankfurter Mainufer stehen Menschen, so weit das Auge reicht. Nun ist das nicht wirklich etwas Besonderes, das Bemerkenswerte an der Menschenkette sind die Warnwesten, Fahnen, Klatschen und Banner. Dort streiken zahlreiche Beschäftigte des öffentlichen Diensts und fordern eine bessere Vergütung.

Die Gewerkschaft Verdi Hessen hatte für Dienstag im ganzen Bundesland zu Warnstreiks im öffentlichen Dienst aufgerufen. In elf Städten kamen die Beschäftigten zusammen. In Frankfurt war das Ziel, eine Menschenkette zu bilden, die einmal komplett vom Eisernen Steg bis zum Holbeinsteg und zurück reichen sollte. Nach Gewerkschaftsangaben kamen 1000 Menschen zusammen. „Wir sind zufrieden, die Stimmung war gut und besonders der Gesundheitsbereich hatte eine gute Beteiligung“, sagte Rosa Schwenger von Verdi im Anschluss an die Aktion.

weiterer Protest

Neben Frankfurt fanden gestern in zehn weiteren hessischen Städten Protestaktionen des öffentlichen Diensts statt. In Gießen , Marburg und Wetzlar kamen jeweils zahlreiche Beschäftigte zu einem Korso mit Fahrrädern und Autos zusammen. In Gießen nahmen rund 100 Menschen teil. In Groß-Gerau umstellten die Streikenden den Marktplatz. Weitere Menschenketten gab es in Rüsselsheim (um das Rathaus) und in Darmstadt (um das Klinikum Darmstadt). Demonstrationen und Kundgebungen fanden zudem in Wiesbaden, Pfungstadt und Erbach statt. In Kassel gab es wegen der dortigen Pandemielage keine Demos, sondern nur betriebliche Veranstaltungen und Aktionen.

Die in Reih und Glied stehenden Streikenden sorgten auf beiden Uferseiten für viele neugierige Blicke. Da knipsten nicht nur die Medienvertreter, sondern auch Schaulustige zückten das Handy. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer klatschten und riefen: „Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag.“

Benedikt Heddesheimer arbeitet als Erzieher bei Kita Frankfurt und nahm am Streik in der Mainmetropole teil. „Wir wollen wertgeschätzt werden“, sagte er. Die Arbeitgeberseite solle anerkennen, was der öffentliche Dienst im Allgemeinen und die Erzieher im Speziellen leisteten. Das aktuelle Angebot der Gegenseite sei ein Hohn. Sobald die Inflation wieder steige, erhielten die Beschäftigten ein Minusgehalt, sagte der 51-Jährige. Die Beschäftigten in Kindergärten und Schulen trugen und tragen das Risiko in der Corona-Pandemie. Aber jetzt werde so getan, als zähle das nicht mehr. „Wir haben es verdient“, sagte Heddesheimer und meinte ein höheres Gehalt.

Auch eine Mitarbeiterin der Städtischen Bühnen hofft auf ein ordentliches Angebot des Arbeitgeberverbands; ihren Namen möchte sie nicht nennen. Die Gegenseite habe bisher keine Wertschätzung gegenüber der guten Arbeit besonders in den vergangenen Monaten gezeigt, sagte sie. Pflege, Erzieher und Müllabfuhr hätten sehr viel geleistet. Auch die Kunst und Kultur leiste nun ihren Beitrag, um wieder etwas Normalität stattfinden zu lassen.

Die Tarifverhandlungen werden am Donnerstag in Potsdam in die dritte Runde gehen. Die Gewerkschaftsseite fordert dann ein besseres Angebot, als jenes das aktuell im Raum steht. Die Arbeitgeberseite bietet bisher unter anderem eine schrittweise Gehaltserhöhung von 3,5 Prozent über eine Laufzeit von 36 Monaten an. Zudem soll es in diesem Jahr eine Einmalzahlung von 300 Euro geben. Die Gewerkschaft bezeichnete dieses Angebot für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten als „geradezu respektlos“.

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