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Anke Preuß hat schlussendlich ihr Arbeitsglück gefunden. mic
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Anke Preuß hat schlussendlich ihr Arbeitsglück gefunden. mic

Hessen

Menschen mit Behinderung : Nur wegen der Zuschüsse eingestellt

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Anke Preuß erlebte in ihrem Job im Hotelgewerbe hohen Leistungsdruck und wenig Wertschätzung. Mittlerweile weiß sie, dass es auch anders gehen kann.

Anke Preuß‘ Arbeitssituation hat sich seit einigen Jahren stark verbessert. Die 49 Jahre alte Frau ist schwerbehindert und arbeitet als Reinigungskraft in der Hotelbranche. Bevor sie jedoch zu ihrem jetzigen Arbeitgeber, dem Hotel Elysee in Seligenstadt, kam, erfuhr sie, dass es auch eine negative Seite geben kann.

Preuß hat von Geburt an einen Hörschaden und spastische Beeinträchtigungen. Vor mehreren Jahren bekam sie eine Anstellung bei einem Subunternehmer, der in Hotels die Zimmerreinigung übernimmt. Explizit seien Menschen mit Behinderung gesucht worden, weil der Subunternehmer für sie ein Jahr lang Zuschüsse bekam. Preuß wurde anfangs nach Stunden bezahlt und kam gut zurecht.

„Nach einem Jahr liefen die Zuschüsse aber aus, und dann sollte ich, wie alle anderen auch, nach Zimmern bezahlt werden“, erinnert sich die Frau aus Hanau-Steinheim. Aufgrund ihrer Schwerbehinderung konnte sie aber gar nicht die Quantität erreichen, die ihre Kolleginnen ohne Handicap schafften. Im Grunde ging der Arbeitgeber aber davon aus, dass auch sie 13 bis 14 Zimmer reinigte. Es herrschte ein gewisser Druck.

„Die anderen Frauen haben entsprechend immer mehr Geld bekommen“, sagt Preuß. Später wechselte sie in ein Hotel nach Mainz, für dessen Reinigung der Subunternehmer ebenfalls zuständig war. Dort durfte sie dann zwar für gewisse Festpreise den Frühstücksraum saugen und Minibars auffüllen, aber ihr Gehalt ging trotzdem fast komplett für die Fahrkarte drauf. „Ich wollte aber auch nicht arbeitslos sein“, sagt Preuß heute.

Die 49-Jährige erinnert sich an ein häufiges Gefühl, überarbeitet zu sein. Hinzu kamen Kontrollen durch den Arbeitgeber. Bei groben Fehlern wurde den Frauen ein Zimmer vom Lohn abgezogen. Das erhöhte den Druck zusätzlich, schnell und gründlich zu sein. „Ich bin froh, dass ich da raus bin“, sagt Preuß.

Den Wechsel zu ihrem heutigen Arbeitgeber verdankt Anke Preuß zu großen Stücken ihrer Patentante. Diese gab ihr damals den Tipp, in Seligenstadt werde bald ein vom Förderkreis „Lichtblick“ betriebenes Hotel eröffnet. In den Inklusionsprojekten des Förderkreises arbeiten zum größten Teil Menschen mit einer Behinderung. Preuß versuchte ihr Glück und wurde tatsächlich eingestellt.

Seitdem sind zehn Jahre vergangen und Preuß ist immer noch glücklich mit ihrer Arbeitsstelle. „Hier sind alle kollegial und man bekommt vom Arbeitgeber sogar Unterstützung in anderen Bereichen, etwa wenn man eine Pflegestufe beantragt.“ Dass es durchaus auch auf Anhieb gut laufen kann, zeigt der Fall von Katharina Körner. Die 35 Jahre alte Frankfurterin machte eine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation in einer kleinen Werbeagentur, als sie mit 24 Jahren einen Rückenmarkinfarkt erlitt. Seitdem ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen.

„Es war schon sehr schwierig, in den Alltag zurückzufinden“, sagt sie rückblickend. Ihr größtes Problem sei es gewesen, die neue Situation zu akzeptieren: dass sie ihren Hobbys zum Teil nicht mehr nachgehen konnte, dass sie nicht mehr spontan etwas unternehmen konnte und dass sie bei alltäglichen Dingen plötzlich auf Hilfe angewiesen war. Dank ihrer Familie, ihrem heutigen Ehemann und den Freundinnen und Freunden habe sie es aber gut geschafft.

Danach habe sie lange überlegt, ob sie für den Schritt in die Arbeitswelt bereit sei. Schlussendlich nutzte sie die Möglichkeit der offenen Sprechstunde des Arbeitsamts. Dort wies man sie auf ein gerade laufendes Projekt zur inklusiven Ausbildung hin. Beim zuständigen Berufsbildungswerk Karben bekam sie schließlich Informationen zu einigen teilnehmenden Firmen und Hilfe bei der Bewerbung.

„Ich war sehr unsicher, wann und wie ich meine Behinderung darin erwähne“, erzählt sie. „Wie schreibt man in die Bewerbung, dass man ein Handicap hat, ohne Mitleid zu erwecken“, sagt Körner. Am Ende nahm sie diese Information in ihren Lebenslauf auf, auch weil die Firmen ja wussten, dass es um Inklusion ging.

Auf ihre Bewerbung bei der KfW-Bankengruppe erhielt sie recht schnell eine Zusage und die Ausbildung begann. Mittlerweile ist die 35-Jährige Teamassistentin im Bereich Recht im Hauptsitz Frankfurt. „Mir ist sehr bewusst, dass dies auf dem Arbeitsmarkt nicht die Regel ist. Irgendwie war ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und hatte viel Glück.“

Auch mit ihrem Arbeitgeber selbst, da die KfW viel zum Thema Inklusion mache und sie nicht die einzige Angestellte mit einem Handicap sei. Deshalb sei das Unternehmen sehr gut ausgestattet und für Menschen mit Behinderung optimal eingerichtet. Und: „Die Hilfsbereitschaft meiner Kollegen war von Anfang an groß, egal ob aus dem eigenen Team oder aus anderen Teams.“ Eine Mitarbeiterin im Rollstuhl werde dort als ganz normal aufgefasst.

Katharina Körner weiß, dass sie auch viel Glück hatte, ihren Job zu finden. KfW Bankengruppe / Jens Steingässer

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