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Karl-Hermann Groß (Platz 1), Harald Oker (3), Peter Vaughan (2, von links) mit ihren preisgekrönten Grünarbeiten.

Wettbewerb

Gut für Mensch und Natur

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Hier grünt es am schönsten: Siegerehrung beim städtischen Wettbewerg für die beste Gebäudebegrünung.

Da steckt schon Arbeit drin, sagt Karl-Hermann Groß, wenn er über sein Werk spricht. „Aber es macht ja auch Spaß.“ Und es hat ihm sogar einen Preis eingebracht: den ersten Platz im städtischen Wettbewerb „Wo grünt es am schönsten?“ Verdienter Lohn: 150 Euro – und jede Menge Lob von allen Seiten, besonders von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). 

Vor mehr als 30 Jahren hat Karl-Hermann Groß sein Werk begonnen, nämlich: das Fassadengrün am Haus Gaußstraße 4, einem der wenigen aus alter Zeit in diesem Teil des Nordends, die der Krieg stehen ließ. „Es sollte schön aussehen und ein Naturgefühl hereinbringen“, erzählt Groß, „und das Efeu dann: Krabbelkrabbelkrabbel.“ 

Bis es das ganze Haus überkrabbelt hatte. Dreimal im Jahr müssen die Fenster freigeschnitten werden, berichtet der Mann mit der Mütze und dem Sinn fürs Grüne. Alle drei Jahre muss der Hubwagen kommen für einen kompletten Rückschnitt. Häufig blieben Passanten stehen und staunten, erzählt er weiter. „Dann sage ich: Eintritt fünf Euro.“ Die kleine Feiergesellschaft lacht. „Und mein Hof sieht übrigens genauso aus.“

Das begeistert die Stadträtin. „Diese Oasen brauchen wir ganz dringend“, sagt sie, denn – alle wissen es inzwischen: Der Klimawandel macht Frankfurt zu schaffen, im Sommer ist es zu heiß, wir brauchen Pflanzen, und da hilft Dach-, Fassaden- und Hofgrün. Zehn Millionen Euro Fördergeld für fünf Jahre hat die Stadt bewilligt, mehr als 100 Beratungen gab’s schon. 

Für die Preisverleihung am Dienstag wählte das Umweltdezernat die begrünte Terrasse des Bürgerhospitals als Treffpunkt – und siehe da, auf Platz zwei landete: die begrünte Terrasse des Bürgerhospitals. Geplant von Siegbert Kunzelmann, Firma Zinco, ausgeführt von Garten- und Landschaftsgestalter Peter Vaughan. Er musste gleich zweimal ran: zuerst 2001, damals zwei Stockwerke tiefer, und dann erneut 2008, nachdem das Krankenhaus in dem Bereich zwei Etagen aufgestockt hatte. 

Welche Pflanzen nahm Vaughan mit in den Garten? „Was ich eben liebe“, sagt er und lacht. Es solle eben das ganze Jahr schön sein, präzisiert Vaughan, und in der Tat, es blüht noch manches, etwa duftende Osmanthus. Ansonsten gibt es natürlich auch Fuchsien, Astern, Lavendel, Rosen und diverse Kräuter wie Thymian und Rosmarin. Alles in allem kann man sagen: Da wächst, was die gebeutelten Insekten brauchen – und der Mensch. 

Dritter im Bunde der Preisträger: Harald Oker aus Eschersheim. Das Haus seiner Mutter an der Bonameser Straße ziert üppiges Fassadengrün, und auch daneben hat die Flora viel Platz. „Vor etwa 30 Jahren habe ich den ersten Weinstock gepflanzt“, sagt Oker. Dass das Nachbargrundstück zwar verplant, aber nie bebaut wurde, hilft der kleinen Oase natürlich. Was passiert mit dem Preisgeld, für den Dritten immerhin noch 50 Euro? „Der Sohn hat bald Geburtstag.“

Rosemarie Heilig ermuntert Nachahmer, ebenfalls Gebäude und Grundstücke zu begrünen – der nächste Hitzesommer komme garantiert. „Wir müssen nur nach Kalifornien und Florida schauen“, sagt sie, „dann können wir von Glück sagen, dass wir hier von großen Waldbränden verschont geblieben sind. Der Hintergrund ist dramatisch.“ 

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