Römerbriefe

Memory mit Politikern

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Markus Frank wollte Journalisten erziehen. Hat nicht geklappt. Aber er hat uns auf eine tolle Idee gebracht. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert:Eine Maus. Gut, die andere Maus war ...

Leppert:Die war dahinten in er Nähe deines Telefons. Oder doch in der Ecke des Tisches?

Göpfert:Mann, du willst mich nur verwirren.

Leppert:Natürlich. Memory spielt man gegeneinander, nicht miteinander.

Memory, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, sollte man nicht als Kinderspiel abtun. Es schult ungemein die Sinne, es fördert den Wettkampf unter Kollegen – und es lässt sich auch in der Politik einsetzen, wie uns Frankfurts Super-Dezernent Markus Frank jetzt gelehrt hat.

Frank zog nämlich vor ein paar Tagen in einem Pressegespräch eine Bilanz seiner ersten zehn Jahre im Amt. Nun steht in den Römerbriefen manchmal, er sei Dezernent für alles außer Tiernahrung. Das klingt vielleicht despektierlich, ist aber anerkennend gemeint. Wofür der Mann alles zuständig ist: Ordnung, Wirtschaft, Feuerwehr, Wochenmärkte, Sport ...

Wenn jemand so viele Aufgaben hat, können Bilanzgespräche leicht auch mal völlig ausufern. Um das zu verhindern, breitete Frank bei dem Gespräch jede Menge Memory-Karten auf dem Tisch aus. Darauf zu sehen waren Bilder aus seiner Amtszeit. Die Journalisten sollten nun jeweils eine Karte ziehen und dann zu dem entsprechenden Thema eine Frage stellen. So erzieht man die Presse, schafft eine Gesprächsordnung und gibt Themen vor, über die man gerne spricht.

Doch die Sache ging komplett in die Hose. Denn die Reporter fanden das Spiel zwar lustig, hielten sich aber nicht mal ansatzweise an die Regeln.

Der FR-Reporter etwa zog eine Karte, auf der Frank mit den Verantwortlichen der Eishockey-Löwen um die Wette strahlt. Eigentlich hätte er jetzt bestenfalls eine Frage zur Mulitfunktionsarena stellen dürfen, aber dazu sagt Frank immer nur: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Das ist langweilig. Deshalb log der FR-Reporter, dass sich die Balken bogen: „Auf meinem Foto sind Sie und Peter Feldmann, also: Wie ist Ihr Verhältnis zum Oberbürgermeister?“ Und der geschätzte Kollege des Hessischen Rundfunks ging ganz ähnlich vor. Er zog das Bild eines Doppeldecker-Busses in London, Markus Frank wollte gerade etwas zu den Chancen der Frankfurter Wirtschaft durch den Brexit erzählen, doch der Kollege fragte lieber nach dem Skandal im 1. Polizeirevier.

Aber Frank sollte nicht frustriert sein. Die Idee mit dem Memory ist doch gut. Warum entwirft er kein Römer-Memory und lässt es vor dem Rathaus verkaufen? Ein paar Bildideen hätten wir schon:

Peter Feldmann (SPD) beim Spatenstich für die DFB-Akademie (natürlich steht niemand neben ihm); Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) beißt in ein Schnitzel von Sodexo; ein AfD-Politiker vor einer geschlossenen Tür, hinter der fünf Europa-Politiker eine Podiumsdiskussion abhalten; Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) versucht, eine Nilgans daran zu hindern, den Zaun im Ostpark zu überfliegen; obdachlose Kinder, deren Cousins mit Drogen gehandelt haben, weswegen ABG-Chef Frank Junker ihnen die Wohnung in der Platensiedlung kündigte ... Wir können es kaum erwarten, eine Runde zu spielen.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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