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Markus Kullmann leitet die Frankfurter Niederlassung von JLL.

Homeoffice

„Meist läuft es noch ziemlich improvisiert“

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Makler Markus Kullmann spricht im FR-Interview über Homeoffice am Küchentisch, Unternehmen im Kostendruck und die Zukunft des Büros.

Herr Kullmann, in Frankfurt sind Tausende Beschäftigte zurzeit im Homeoffice statt im Büro. Wie wird sich das zunehmende Arbeiten von Zuhause auf den Büromarkt auswirken?

Es gab lange eine gewisse Scheu, Homeoffice-Konzepte auszuprobieren. Etwa, weil das größere Investitionen in Laptops, Handys, Verbindungen zu den Servern mit sich bringt. Nun haben sich viele Unternehmen notgedrungen darauf einstellen müssen, dass die Beschäftigten viele Arbeiten von Zuhause erledigen müssen. Noch läuft das meist zwar ziemlich improvisiert, sitzen gefühlt mehr Beschäftigte am Küchentisch als an einem vollwertigen Arbeitsplatz in ihrer Wohnung. Aber sehr viele Unternehmen machen sich jetzt über ihre aktuelle Bürosituation Gedanken.

Wenn Unternehmen spüren, dass Homeoffice ganz gut funktioniert, könnten viele mittelfristig kleinere Büros als bisher benötigen.

Natürlich wollen Unternehmen in der Krise Kosten sparen. Zum Teil wird das auch dazu führen, dass Unternehmen kleinere Flächen suchen. Wir hören auch von größeren Konzernen mit langen Mietverträgen, die nun überlegen, Teilflächen unterzuvermieten, Aber wir spüren noch nicht, dass Homeoffice in größerem Umfang dazu führt, das Unternehmen Flächen verkleinern wollen.

Wieso nicht?

Die meisten Beschäftigten haben ein Bedürfnis, ins Büro zu kommen, sie brauchen den sozialen Austausch. Und sie müssen gut arbeiten können. Wenn ein Unternehmen den Beschäftigten Arbeitsplätze zu Hause einrichtet, die den Richtlinien entsprechen, ist das ein großes Investment.

In Corona-Zeiten müssen im Büro strenge Abstandsregelungen eingehalten werden. Könnte es sein, dass nun wieder stärker kleine Büros mit Tür statt Großraumflächen nachgefragt werden?

Solange es keinen Impfstoff und keine Heilmittel gibt, Distanzen gewahrt sein müssen, ist das Arbeiten im Großraumbüro natürlich schwieriger. Einen Trend zurück zum Einzelbüro sehen wir aber nicht. Eher beobachten wir, dass Unternehmen flexible Arbeitsplatzkonzepte ausprobieren, bei denen auch Homeoffice eine große Rolle spielt.

In den vergangenen Jahren ist der Büroleerstand in Frankfurt stark gesunken, die Mieten sind gestiegen. Führt die Corona-Krise nun wieder zu leeren Büros?

Davon gehen wir noch nicht aus. Bisher war ja eher Flächenmangel ein Thema. Nun kommen zwar in den kommenden Monaten und Jahren neue Flächen auf den Markt, aber nicht mit einem Knall, sondern nach und nach. Es könnte aber sein, dass viele Unternehmen mit ihren Vermietern nachverhandeln werden.

Um geringere Mieten zu zahlen?

Genau. Es könnte auch sein, dass Eigentümer in der Krise neuen Mietern stärker entgegenkommen als zuletzt, etwa mit etwas mehr mietfreien Monaten.

Interview: Christoph Manus

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