FR-Altenhilfe

„Meine Kinder sollten es besser haben“

Berta V. hat schmerzlich erfahren, was es heißt, ohne Familie aufzuwachsen

Im Wohnzimmer von Berta V. hängen überall Familienbilder an der Wand. Von ihren Kindern, dem Enkel, ihrem verstorbenen Mann und natürlich von den Hunden der Familie. „So sind sie immer um mich ’rum“, erzählt die 83-Jährige lächelnd.

Die Seniorin hat ihr Leben lang für ihre Familie gearbeitet. „Ich wollte meinen Kindern die Kindheit ersparen, die ich hatte.“ Sie wuchs in einem katholischen Kinderheim auf, lernte erst mit 18 Jahren ihre leiblichen Eltern kennen.

Die Zeit im Heim hat V. auf ewig geprägt. „Es war eine schlimme Zeit“, sagt sie ernst. Die Nonnen im Heim nannten V. Kartoffelkäfer, aufgrund der Tatsache, dass sie so oft im Kartoffelkeller eingesperrt wurde. „Da saß ich dann und musste mich von trockenem Brot ernähren.“ V. erinnert sich noch an die wöchentliche „Spielstunde“ am Sonntag. „Wir saßen im Kreis und eine Puppe ging rum. Jede von uns durfte sie für ein paar Minuten halten. Das war unsere Spielstunde“, erzählt sie mit bitterer Stimme. Später, als V. zu arbeiten begonnen hatte, lernte sie ihre leiblichen Eltern kennen. „Die wollten aber auch nur das Geld. Von meinem ersten Lohn habe ich keine Mark gesehen.“ V. lief davon, kam in einem Frauenhaus unter. Sie wurde Kindergärtnerin und lernte ihren Mann kennen, von dem sie noch heute liebevoll spricht. Fünf Kinder bekam das Paar, von denen zwei aber kurz nach der Geburt starben.

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„Ich hatte mir geschworen, alles dafür zu tun, dass meine Kinder es mal besser haben als ich“, sagt V. mit fester Stimme. Einfach war das nicht. Ihr Mann, von Beruf Tankwart, erkrankte an Krebs, verlor seine Beine und wurde arbeitsunfähig. Dadurch wurde V. zur Alleinversorgerin der Familie. Ihr erster Sohn litt unter schweren Asthma und musste gepflegt werden. Er starb mit 18 Jahren. Der Tod ihres Ältesten bewegt Berta V. noch heute.

Kurz dem Tod ihres Mannes vor 19 Jahren erkrankte auch Berta V. an Krebs. Die Ärzte gaben ihr zunächst nicht mehr lange, aber V. kämpft sich bis heute durch.

Das Geld ist knapp bei der Seniorin. Die meisten ihrer Möbel stammen vom Sperrmüll oder wurden vom Geld der Altenhilfe gekauft. „Dieses Jahr kaufe ich mir Winterschuhe und vielleicht noch eine Winterjacke“, erzählt die alte Dame voller Vorfreude. Sonst strickt sie sich ihre Sachen selbst oder kauft sie im Ein-Euro-Shop. „Ich trage sie ja meist eh nur zu Hause. Dafür reicht das“, meint sie.

Ihre Kinder besuchen sie noch heute regelmäßig. Die Tochter wohnt in Frankfurt und kommt wöchentlich vorbei. Der jüngste Sohn kommt am Zweiten Weihnachtsfeiertag, zusammen mit dem Enkelkind. V. hat ihre Wohnung voller Vorfreude bereits festlich geschmückt. „Meine Kinder erzählen heute noch, was wir für schöne Sachen in ihrer Kindheit unternommen haben. Allein dafür hat sich alles gelohnt.“ prjb

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