Blick in die Buchenstraße.
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Blick in die Buchenstraße.

Frankfurt-Griesheim

Mehr Wohnraum in der Stadtteilmitte

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Die Entwicklungsgesellschaft KEG versucht, mehr Wohnraum in der Stadtteilmitte zu schaffen. Doch das ist nicht leicht. Das grundlegende Problem ist: Es gibt unterschiedliche Bebauungspläne mit unterschiedlichen Zielen, die aber in der Realität zum Teil nicht umgesetzt sind.

Es tut sich was im Quartier zwischen Mainzer Landstraße und Bahnlinie. Griesheims verworrene Mitte ist ein besonders eindrucksvolles Mischgebiet. Wohnhäuser stehen verdruckst neben Autohändlern, Import wie Export findet sich an allen Ecken, dazwischen lauern kleine Höfe mit Schrottablagerungen.

Vor einiger Zeit hat die Stadt die Entwicklungsgesellschaft KEG beauftragt, das Areal neu zu ordnen, Wohnen und Gewerbe zu entflechten. Seit neun Monaten ist auch ein Vertrag abgeschlossen. Nun werden die Griesheimer ungeduldig. „Die sind in der Pflicht, endlich etwas zu unternehmen“, sagt etwa Ursula Schmidt, die Vorsitzende des Vereinsrings. Die Griesheimer wünschen sich eine Infoveranstaltung, auf der die KEG Ergebnisse und Vorausschau präsentiert.

Die soll es auch geben. „Kommenden Monat werden wir das anleiern, im Frühjahr wird sie laufen“, sagt Stadtplaner Klaus-Peter Kemper, der im Auftrag der KEG agiert. Es habe bereits einige Gespräche gegeben, versichert Kemper. Eines ist dem Fachmann aber auch klar: Die Arbeit hinter den Kulissen „wirkt nach außen hin natürlich nicht so dolle“.

Ohne sie geht es aber nicht. Seit Jahren schon schlagen sich die Fachleute mit vielfältigen planerischen Schwierigkeiten im Quartier herum. Das grundlegende Problem ist: Es gibt unterschiedliche Bebauungspläne mit unterschiedlichen Zielen, die aber in der Realität zum Teil nicht umgesetzt sind. Sprich: Wo einst eine Grünfläche geplant war, findet sich jetzt womöglich ein Autohändler.

Einen neuen Bebauungsplan für Wohnungsbau darf die Stadt nicht aufstellen. Das verhindert die Seveso-Richtlinie – die in etwa verfügt, dass Wohnen und Industriepark Abstand zueinander halten müssen.

Erschwerend kommt hinzu: Viele der momentanen Nutzungen wären genehmigungsfähig, sagt Kemper. Die Stadt könne da nicht unbedingt hart durchgreifen.

Also führt die KEG mit langem Atem Gespräche. Das kann auch mal zur skurril wirkenden Lösungen führen. An der Ahornstraße planen die Fachleute etwa einen Grundstückstausch. Dort gibt es eine Spiel- und Grünfläche, die nach Bebauungsplan eigentlich ein Wohnbereich sein sollte. Der soll jetzt gebaut werden. Im Gegenzug gibt der neue Eigentümer eine Gewerbefläche frei, die eigentlich als Grünfläche ausgewiesen ist – was sie nun auch werden könnte. Auch entlang der Mainzer Landstraße sei die KEG dabei, mit Grundstückseigentümern Wohnbauprojekte umzusetzen.

Wichtiger Mosaikstein

Die Eigentümer an der Eichen- und Lärchenstraße verfolgen die Entwicklung mit großem Interesse. Einer davon ist Ioannis Navrozidis. Der Autohändler hat vergangenes Jahr das ehemalige Sperzel-Gelände an der Eichenstraße gekauft. Er plant, eine Abstellfläche für Autohändler und Baumaschinen einzurichten. Einen regelrechten Gewerbepark möchte er schaffen. Bislang hätten die Autohändler nämlich keine Ausweichmöglichkeit für ihre Gewerbeflächen gehabt. Die will er bieten. Einen neuen Zaun hat er um das Areal gezogen und Bürocontainer aufgestellt.

Auf seinem Grundstück nördlich der Eichenstraße könnte er sich auch vorstellen, Wohnhäuser zu errichten. Dafür brauche es aber die Verlängerung der Buchenstraße – um die Grundstücke besser erschließen zu können. Darüber würden sich alle Eigentümer dort freuen, sagt er. Allerdings müsste die Stadt auch „auf uns zukommen und Anreize schaffen“, findet Navrozidis. Etwa bei den Kosten der Erschließung.

Das wiederum wird nicht so einfach sein. Auch Klaus-Peter Kemper hält die Buchenstraße für einen wichtigen Mosaikstein in der Entwicklung des Quartiers. Aber auch hier haben die Planer ihren Kummer mit den alten Bebauungsplänen. Wo einmal die Straße entlang laufen könnte, ist eigentlich ein Grünzug geplant. Eine öffentliche Straße könne die Stadt also nicht bauen.

Man könnte aber, so Kemper, einen Erschließungsträger damit beauftragen, der die Kosten auf die Eigentümer umlegt. Dazu müssen sich die Ämter aber erst intensiv abstimmen. Dann erst könne man mit den Eigentümern reden. Profitieren würden die von der Straße allemal. „Mit Wohnbebauung lassen sich höhere Erträge erwirtschaften.“

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