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Mehr Übergriffe auf Bahnpersonal

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Um den Messerangreifer zu stoppen, gab die Polizei mindestens einen Schuss ab. Foto (Archiv): Renate Hoyer
Um den Messerangreifer zu stoppen, gab die Polizei mindestens einen Schuss ab. Foto (Archiv): Renate Hoyer © Renate Hoyer

Die Messerattacke in Gateway Gardens in Frankfurt war kein Einzelfall. Die Deutsche Bahn sieht eine Zunahme von Gewalt.

Einen Tag nach der Messerattacke auf zwei Kontrolleure in der S-Bahn in Richtung Gateway Gardens hat die Polizei weitere Details zum Fall bekannt gegeben. Ein 27 Jahre alter Mann griff demnach am Mittwoch gegen 17.50 Uhr in der S8 zwei Mitarbeiter des DB-Prüfdienstes mit einem Messer an und verletzte sie derart, dass sie später ambulant behandelt werden mussten.

Die alarmierte Polizei stieg an der Station Gateway Gardens in die Bahn. „Im weiteren Verlauf kam es zu mindestens einer gezielten Schussabgabe durch die Polizei“, heißt es im Bericht. Der verletzte Angreifer sei danach von den Polizisten erstversorgt worden und anschließend ins Krankenhaus gekommen.

Aktuell liefen die Ermittlungen zum Tathergang, den Hintergründen und den Motiven des 27-jährigen. Dazu würden Videoaufnahmen ausgewertet, Spuren gesichert und Zeug:innen befragt. Das Polizeipräsidium Frankfurt leite die Ermittlungen zum Angriff auf die Kontrolleure. Die Ermittlungen zum Gebrauch der Schusswaffe würden von einem benachbarten Polizeipräsidium übernommen.

Wie die Deutsche Bahn mitteilte, hat die Zahl der Übergriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuletzt weiter zugenommen. Im ersten Halbjahr 2022 seien es bundesweit 1463 Übergriffe gewesen. Das seien 252 Fälle mehr als im Vorjahreszeitraum, also durchschnittlich 1,4 Übergriffe mehr pro Tag. Regionale Daten lagen nicht vor. „Insbesondere die Durchsetzung der Maskenpflicht, der wiedererstarkende Fußballfanreiseverkehr und der Start des Neun-Euro-Tickets im Juni hatten ihren Anteil daran“, sagte die Bahnsprecherin.

HELFEN BEI GEWALT

Der Präventionsrat der Stadt Frankfurt rät bei Konfliktsituationen zu folgendem Vorgehen: „Lassen Sie sich nicht provozieren. Lassen Sie sich auf keine Kommunikation mit Täter:innen ein. Versuchen Sie, das Opfer anzusprechen und aus der gewaltbesetzten Situation herauszuholen. Dazu können Sie Hilfe anbieten, indem Sie zum Beispiel sagen: ‚Können Sie mir helfen? Ich weiß nicht genau, wo ich aussteigen muss.“

Überraschendes tun ist auch möglich. „Wichtig dabei ist: Sprechen Sie den Konflikt nicht an! Ihr persönlicher Schutz steht an oberster Stelle. Im Notfall rufen Sie die 110 und stellen sich als Zeug:in zur Verfügung.“ fle

Streit wegen Maskenpflicht

Nach Aufhebung der meisten behördlichen Corona-Schutzmaßnahmen sind die Reisendenzahlen laut Sprecherin im Fern- und Nahverkehr im ersten Halbjahr 2022 stark gestiegen: 59,1 Millionen Fahrgäste nutzten die Fernzüge der Bahn, 117 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Rund 725 Millionen Reisende fuhren mit DB-Nahverkehrszügen, ein Plus von 60 Prozent. Im Rhein-Main-Gebiet betreibt die Bahn die S-Bahn-Linien.

„Mehr Reisende bedeuteten auch mehr Konflikte“, sagte die Sprecherin. „Doch jeder Angriff auf unsere Mitarbeitenden ist einer zu viel.“

Die Bundespolizeidirektion Koblenz teilte mit, die Zahl der Anzeigen im Nah- und Fernverkehr werde im Jahr 2022 voraussichtlich auf dem gleichen hohen Niveau bleiben wie 2021 und 2020. Abschließende Zahlen für 2022 lägen noch nicht vor. In den Vorjahren habe es etwa 500 Anzeigen im Zuständigkeitsgebiet gegeben, sagte der Sprecher. Das betreffe diverse Delikte, von Beleidigen über Schlagen und Treten bis zu hin Messerangriffen. Die Bundespolizeidirektion Koblenz ist für Bahnverkehr in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Hessen zuständig, mit Ausnahme des Frankfurter Flughafens.

Die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq registrierte zuletzt keine Zunahme von Übergriffen im Busverkehr. „In letzter Zeit ist es zu keinen Arbeitsunfällen in Zusammenhang mit Maskenkontrollen gekommen“, sagte die Sprecherin. Allerdings komme es vermehrt zu teilweise hitzigen Diskussionen, da oftmals Unverständnis herrsche, dass im Nahverkehr in Frankfurt nach wie vor Maskenpflicht gelte, aber andernorts nicht mehr. Sachsen-Anhalt und Bayern schreiben das Tragen von Masken im Nahverkehr derzeit nicht vor. In Schleswig-Holstein läuft die Vorgabe zum Jahresende aus.

Im Nahverkehr in Hessen müssen Fahrgäste weiterhin eine medizinische Maske tragen, in Fernzügen bundesweit eine FFP2-Maske.

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