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Wie im Urwald: Das Tropicarium des Palmengartens lässt wieder Menschen rein.

Palmengarten

Mehr Tropen fürs Geld

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Ab sofort öffnet der Frankfurter Palmengarten wieder einige Schauhäuser fürs Publikum. Das historische Palmenhaus bleibt noch zu - aber nicht wegen Corona.

Am Montag war der August etwas kühler. Da trifft es sich gut, dass das Tropicarium im Palmengarten wieder öffnet. Dort ist es etwas wärmer. Es fiel aber gestern gar nicht auf.

In den Palmengarten durften Besucher schon zuvor, trotz Pandemie, man ist ja draußen. Nur die berühmten und einzigartigen Schauhäuser blieben gesperrt: wegen der Infektionsgefahr und wegen laufender Umbauten.

Das hat jetzt teilweise ein Ende. Seit Montag können alle wieder durch das Tropicarium und das Subantarktishaus spazieren. Aber nicht einfach, wie es uns gefällt. Hinein geht’s nur durch das Haus der Mangroven und Küstenwälder und von dort immer schön in dieselbe Richtung. Einbahnstraßensystem. Also dann rin in die feuchten Tropen.

„Für viele unserer Besucherinnen und Besucher war das ein schmerzlicher Einschnitt“, sagt Palmengarten-Direktorin Katja Heubach zur zeitweisen Schließung der Häuser. Ihnen gelte der Gang durch die Vegetation der Tropen und der Subantarktis, unter Palmen, zwischen Kakteen, Kakaobäumen und Kaffeesträuchern einfach als Highlight.

Fisch müsste man sein. Fisch im Nordstern des Tropicariums, im Teich unter Ameisenrattan, Mangrove und Kokospalme. Dann hätte man zwar im vergangenen halben Jahr keine Besucher zu Gesicht bekommen, aber diese Ruhe, dieses beschauliche Dahingeplätscher! Auch am Montag reißt das Publikum nicht gerade die Wände ein. Ehrlich gesagt ist so gut wie niemand drinnen im sternförmigen Gewächshauskomplex aus den 80er Jahren, den es so nur einmal auf der Welt gibt. Technisch in den vergangenen Jahren auf den neusten Stand gebracht, lädt er jetzt montags bis freitags von 12 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr wieder ein. Und das muss sich wohl erst mal herumsprechen.

Ein erkennbarer Temperaturunterschied zwischen den exotischen Tropen (innen) und den zurzeit überall entstehenden Frankfurter Klimawandeltropen (außen) besteht nicht. Auch nicht in den Passat- und Monsunwäldern, wo die Passionsblume blüht und die Mirakelfrucht wächst. Sie lässt Saures und Bitteres süß schmecken, sagt man. Na! Finger weg, bitte! Im Tiefland-Regenwald wartet die Teufels- oder Fledermausblume (weder Teufel noch Fledermaus in der Nähe zu sehen), es blühen Tamarinden und Patschuli, doch duften sie nicht, schon gar nicht durch den Mund-Nasen-Schutz, der im Haus zu tragen ist.

Kurz hinter Madagaskar erfreuen sich Sonja und Frank Heinrich ihres Urlaubs. Das Paar aus der Nähe von Aachen macht neun (9!) Tage Ferien in Frankfurt, ist begeistert von den Gegensätzen in der Stadt und hatte anfangs Bedenken, ins Glashaus zu gehen. Aber: „Es weht sogar ein angenehmes Lüftchen“, loben sie, „und es ist gut, einmal junge Mangroven zu sehen.“

So läuft’s im Tropicarium. Das historische Palmenhaus ist noch geschlossen – Arbeiten fürs 150-Jahre-Jubiläum im nächsten Jahr. Ebenfalls unbesucht müssen die fleischfressenden Pflanzen im ersten Stock des Eingangsschauhauses Siesmayerstraße bleiben. Oberstes Gebot sei die Sicherheit, sagt Direktorin Heubach und meint das Virus. Gefressen wurde im Palmengarten noch niemand.

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