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Die Senioreninitiative Höchst macht ein Sit-in.

Sitzgelegenheiten

Frankfurter vermissen Bänke

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Anwohner vermissen ihre verschwundenen Bänke.

Die ersten Sonnenstrahlen tasten sich über die Fußgängerzone der Königsteiner Straße. Die Außentische der Cafés und Schnellbäcker füllen sich. Wer nichts kaufen möchte, setzt sich im Süden der Achse auf eine öffentliche Parkbank. Auch im nördlichen Teil finden sich zwei bunt bemalte Bänke. Nur in der Mitte klafft eine Lücke.

Just in diesem Bereich hat sich vor drei Jahren ein Konflikt entzündet. Anwohner und Geschäftsleute haben sich über Ruhestörer beschwert. Nicht nur der Lautstärke wegen, auch weil alkoholisierte Störenfriede Passanten angepöbelt und allerlei Unrat zurückgelassen haben. Die Stadt hat darum die Bänke abgebaut.

Das hat aber nicht allen Leuten gefallen. Den Mitgliedern der Senioreninitiative Höchst so wenig, dass sie demonstriert haben, auf Klappstühlen haben sie Sit-ins veranstaltet. Der Protest hat Wirkung gezeigt. Das Höchster Stadtteilbüro, das im Auftrag der Stadtplanung agiert, hat vermittelt. Hat alle Konfliktparteien zusammengeholt. Schritt eins sind die eingangs erwähnten bunten Bänke gewesen, auf denen Botschaften vermerkt sind. Etwa, dass die Bank zum Ausruhen gedacht ist und nicht um darauf zu pöbeln. Ein Erfolg. Eine der bunten Bänke sei sogar geklaut worden, erzählt Jürgen Schmitt vom Stadtteilbüro und gluckst. „Die steht jetzt in einer Wohnung oder einem Garten.“

Als Nächstes sollten mobile Sitzgelegenheiten etabliert werden, nach Vorbild des Luisenplatzes im Nordend. Tagsüber dienen sie als Sitzplatz, abends räumt sie jemand wieder weg. Ein Jahr hat das Quartiersmanagement pausiert, nun greift es den Faden wieder auf. Die Fußgängerzone biete sich für mobile Möbel an, sagt Schmitt. Weil es die Geschäfte gibt, die Bänke oder Stühle abends wegräumen können.

Auch am Frankfurter Berg sind die Akteure nachdenklich geworden. 2014 hat die Stadt zwölf Parkbänke aus der Grünanlage am Jasminweg entfernt. Anwohner hatten sich massiv über eine Gruppe von 18- bis 35-Jährigen beschwert, die die Bänke als Treff auserkoren hatten. Nicht nur seien sie dabei recht laut gewesen, nein, die Anwohner hatten einen florierenden Drogen- und gar Waffenhandel ausgemacht.

Doch nicht nur die nächtlichen Ruhestörer vermissen seither die Sitzgelegenheiten. „Die Bänke sind auch tagsüber ein beliebter Treff gewesen“, sagt Michael Bartram-Sitzius vom Bürgerverein und für die SPD im Ortsbeirat 10. Eltern haben von dort aus ihre spielenden Kinder im Blick gehabt, Rentner oder Hundehalter haben geklönt.

Nun versucht der Ortsbeirat, die Zeit zurückzudrehen. „Im Laufe des Jahres“ wird der Antrag kommen, die Bänke wieder aufzustellen. Bartram-Sitzius ist klar, dass sich Anwohner beschweren werden. Aber etwas Entscheidendes habe sich geändert. Der Sozialdienst „Jobscouts“ hat seinen Dienst aufgenommen. Die Jobscouts sind im kleinen Einkaufszentrum am Berkersheimer Weg am Fuß der Hochhäuser zu finden. Sie sollen die jungen Erwachsenen des Viertels auch aufsuchen. „Sie haben Dienstzeiten bis 22 Uhr“, sagt Bartram-Sitzius. Die Job-scouts sollen den jungen Männern Perspektiven aufzeigen.

Am Bügel, der schlecht beleumundeten Siedlung zwischen Bonames und Nieder-Eschbach, seien sie damit sehr erfolgreich gewesen, sagt Bartram-Sitzius. Er hofft nun, dass die jungen Erwachsenen künftig gar nicht mehr abends oder nachts auf den Bänken rumlümmeln können, weil sie sich von ihrer harten Arbeit erholen müssen. Zu Hause im Bett. Damit wären die Bänke in der Grünanlage nur noch tagsüber ein Treffpunkt.

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