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Bald gibt es neben dem Profi-Park auch eine Skate-Anlage für Kinder im Hafenpark - zur Sicherheit aller.

Concrete Jungle an der EZB

Neue Skate-Anlage im Hafenpark

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    Boris Schlepper
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Die Stadt will dem Ärger um den Skate-Park an der EZB mit einer neuen Anlage für Kinder begegnen.

An diesem fast schon sommerlichen Frühlingssamstag scheint alles in schönster Ordnung im Skate-Park Concrete Jungle an der Europäischen Zentralbank. In den riesigen Fuß- und Basketballkäfigen wird auf hohem Niveau gekickt und gedribbelt. Menschen mit beeindruckenden Oberkörpern zeigen kunstreiche Figuren an dort installierten Turngeräten. Menschen mit weniger beeindruckenden Oberkörpern grillen in direkter Nachbarschaft auf der Wiese auf nichtinstallierten, aber mitgebrachten Grills. Und in der Skater-Anlage zeigen vor allem junge Menschen hoch akrobatische Stunts. Wen einer mal schreit, dann aus Freude an einem gelungenen Move. Unter der Brücke bietet der Kunstverein Familie Montez in seinen Katakomben kleine Köstlichkeiten feil, die die Besucher aus gutem Grund aber nicht drinnen, sondern draußen auf der Treppe wegfuttern. Von ferne grüßt die Skyline, von nahem die EZB - ein schönes Fleckchen Frankfurt ist das. Doch so idyllisch und schmerzfrei ist es nicht immer.

Jetzt jedenfalls soll der Skate-Park sicherer werden. Das Grünflächenamt möchte im Hafenpark eine zweite Anlage für jüngere Kinder eröffnen. Dadurch soll der Profi-Parcours entlastet werden. Die Streitereien zwischen Skatern und Eltern könnten dann ein Ende haben.

Kinderroller in den Mulden

Dass es die überhaupt gibt, kann man an dem sonnigen Samstag nur erahnen. Auf den Hinweisschildern an der Skate-Anlage steht, dass Kinderroller „ausdrücklich verboten“ und „Fahrräder ausdrücklich nicht erlaubt“ sind. Ausdrücklich vorgeschrieben sind hingegen Helme sowie Knie- und Ellenbogenschützer. Nun flitzen aber an diesem Tag sehr viele Kinder auf Kinderrollern oder Fahrrädern durch die Mulden, und ihre Knie- und Ellenbogenschützer haben sie möglicherweise bei einem besonders gewagten Luftsprung verloren. Sehen kann man jedenfalls keine. Immerhin: Fast alle tragen einen Helm. Zumindest diese ausdrückliche Vorschrift scheint sich durchgesetzt zu haben.

Seit 2012 gibt es den 5500 Quadratmeter großen Parcours zwischen Deutschherrnbrücke, Mayfarth- und Honsellstraße. Die Stadt hatte das Areal zusammen mit der Frankfurter Skate-und BMX-Szene entwickelt. Wenigstens drei schwere Unfälle hat es dort in den vergangenen Jahren gegeben. Einmal war ein Skater auf den Kopf gestürzt, da er einem Kind ausweichen musste. Ein andermal musste eine Sportlerin, die einem Kind mit Roller ausgewichen war, vom Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden.

Alternative für Kinder unter acht Jahren

Damit soll es in Zukunft vorbei sein, hofft der Leiter des Grünflächenamts, Stephan Heldmann. Seit 2015 arbeite das Amt an einer Lösung, „wie die Nachfrage entzerrt werden kann“. Die Idee: Kindern unter acht Jahren möglichst im Hafenpark eine Alternative zu bieten. Die neue Anlage soll auf einer Kiesfläche in Verlängerung der Eytelweinstraße entstehen. „Dadurch wird nichts verbaut“, sagt Heldmann. Geprüft worden sei ein Standort an der Weseler Werft. Doch dort hätte die Anlage auf einer Rasenfläche errichtet werden müssen, zudem sei die Werft zu weit vom Park entfernt.

Sport auf hohem Niveau gibt es im Hafenpark zu sehen.

Die Kosten für den aus Betonelementen gestalteten Parcours liegen bei etwa 300 000 Euro. Bei der Regionalpark GmbH seien Fördermittel beantragt worden. Stimme der Magistrat den Plänen bis zum Sommer zu, könne noch im Oktober mit den Bauarbeiten begonnen werden. Dann könnten die Mädchen und Jungen im Idealfall im Frühjahr 2020 losrollen.

Pump-Track-Anlage geplant

Geplant ist eine etwa 25 mal 30 Meter große, sogenannte Pump-Track-Anlage. Auf dieser könnten sich die Kinder mit Wellenbewegungen vorwärts bewegen, sagt Heldmann, „ohne neuen Anlauf nehmen zu müssen“. Sowohl mit dem Roller als auch mit Inlineskates dürfen Mädchen und Jungen dort unterwegs sein. Auf der Profi-Anlage, die erst ab acht Jahren befahren werden darf, ist dies ausdrücklich verboten. Die Stadt hatte eigens Schilder montiert. Vor allem Eltern kleinere Kinder ignorierten das Verbot jedoch und schickten ihren Nachwuchs auf die Bahn. Neben den Unfällen kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.

Für Lukas Magnin waren derartige Szenen der Grund, dass er zuletzt keine Lust mehr auf den Hafenpark hatte. Zweimal hätten ihn Väter verprügeln wollen, sagt der Vorsitzende des Vereins Concrete Skate, der bei der Entwicklung des Skate-Parks mitgewirkt hat. Im vergangenen Jahr habe es massive Probleme mit uneinsichtigen Eltern gegeben. „Unsere Kinder haben auch Rechte“, hätten viele gesagt. „Wo sollen sie sonst fahren?“ Künftig könnten die Jungen und Mädchen dann auf die neue Anlage ausweichen. „Das ist super“, so Magnin, „dann behindern sie uns auch nicht mehr.“

Der Kinderbeauftragte für das Ostend, Leopold Born, begrüßt den Vorstoß des Grünflächenamts. „Ich hoffe, dass sich die Situation an der großen Anlage dadurch entspannt.“ Dort träfen Kinder auf Jugendliche und Anfänger auf Profis, „da braucht es eine besondere Rücksichtnahme“. Born rechnet damit, dass sich in der Anfangszeit jüngere Kinder auf den Concrete Jungle verirren werden. Die Besucher müssten deshalb auf das Angebot hingewiesen werden.

Für dieses Jahr hofft Lukas Magnin, dass die Stadt erneut Sicherheitspersonal einsetzt. Diese waren 2018 an vielen Wochenenden im Einsatz. Laut Grünflächenamt soll es die Rundgänge auch in diesem Jahr wieder geben.

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