Verkehr in Frankfurt

Mehr Raum fürFußgänger und Radler

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Initiative „Making Frankfurt“ setzt sich mit einem Aktionstag am 22. August für eine Neugestaltung der Innenstadt ein

Unter dem Motto „Making Frankfurt“ haben sich verschiedene Institutionen zusammengeschlossen, um ein neues Konzept zur Entwicklung der Frankfurter Innenstadt anzustoßen. Für Fußgänger und Radfahrer soll es grundsätzlich mehr öffentlichen Raum geben. Das Deutsche Architekturmuseum (DAM), der Städtebaubeirat, das Museum Angewandte Kunst (MAK) und das Historische Museum planen deshalb gemeinsam am Samstag, 22. August, einen Aktionstag auf der stillgelegten nördlichen Mainuferstraße.

Auf zwölf Flächen sollen die Menschen ihre Ideen zur Gestaltung der Straßenfläche und der City überhaupt mit Kreide darstellen können. Die Stilllegung wird bald enden, der Autoverkehr vom 1. September an wieder fließen. Die Initiatoren von „Making Frankfurt“ kämpfen dafür, den Verkehr in jedem Fall länger zu verbannen.

Um Straßen wie am nördlichen Mainufer tatsächlich wieder als Flächen für alle wiederzugewinnen, müsse man sie aktiv gestalten, sagt Andrea Jürges, die stellvertretende Direktorin des Deutschen Architekturmuseums. Daran habe es in Frankfurt gefehlt. Die Stadt Oslo habe auf stillgelegten Straßen Sitzmöbel aufgestellt, die Stadt Paris die früheren Straßen an der Seine in kleine Strände verwandelt.

Kreide-Namen erinnern

Eine besondere Aktion am nördlichen Mainufer planen das Haus am Dom und die Jüdische Gemeinde von Sonntag, 23. August, bis Sonntag, 30. August. Um an die Menschen zu erinnern, die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft von Frankfurt aus in die Todeslager deportiert wurden, will man in dieser Woche alle 11 908 Namen mit Kreide auf die stillgelegte Straßenfläche am nördlichen Mainufer schreiben. Die Aktion, die das Ausmaß der NS-Verbrechen verdeutlichen möchte, wird in einem Film festgehalten. Sie war ursprünglich bereits im April vorgesehen, die Corona-Pandemie zwang zur Verschiebung.

Die Initiatoren von „Making Frankfurt“ wollen jedoch über das nördliche Mainufer hinaus eine Diskussion über die neue Gestaltung der Innenstadt. Es geht darum, mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer zu gewinnen und den Autoverkehr zurückzudrängen. Auch andere wichtige Straßenzüge der Innenstadt wie etwa die Neue Mainzer Straße und die Schweizer Straße müssten entsprechend umgestaltet werden, sagte Jürges.

Die Architekten und Planer, die im Städtebaubeirat zusammengeschlossen sind, hatten deshalb bereits unlängst eine Begehung der Innenstadt organisiert. Dabei wurde klar, dass zum Beispiel der Autoverkehr auf der viel befahrenen Neuen Mainzer Straße stark reduziert werden muss, wenn auf dem Grundstück Neue Mainzer Straße 47 bis 51 tatsächlich ein neues Opernhaus gebaut werden sollte. Diese Lösung als Teil einer neuen „Kulturmeile“ hatte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) vor den Sommerferien vorgestellt.

Auch zum Willy-Brandt-Platz gibt es Überlegungen. Die Pläne für eine „Kulturmeile“ sehen vor, dass ein Teil des Grundstücks der heutigen Theaterdoppelanlage künftig Grünfläche wird. Wo heute noch die Oper steht, könnten Bäume wachsen und sich Rasen ausbreiten. Um den heute recht öden Platz zu beleben, stellt sich Architektin Andrea Jürges zum Beispiel ein Café am Märchenbrunnen vor.

Die Initiatoren von „Making Frankfurt“ haben ihre Ideen bereits dem Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) präsentiert. Sie laden die Kommunalpolitiker aus Planungs- und Verkehrsausschuss des Stadtparlaments für Samstag, 22. August, zum Aktionstag auf der nördlichen Mainuferstraße ein.

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