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Die ehemalige Uni-Mensa an der Bockenheimer Landstraße dient derzeit als Flüchtlingsunterkunft. Aus einem Fenster hängt eine Einkaufstasche.
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Die ehemalige Uni-Mensa an der Bockenheimer Landstraße dient derzeit als Flüchtlingsunterkunft. Aus einem Fenster hängt eine Einkaufstasche.

Bockenheim

Mehr Privatsphäre für Flüchtlinge

  • Nadine Benedix
    VonNadine Benedix
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Im Juli sollen die Bewohner die Unterkunft Labsaal verlassen. Ihr neues Zuhause wird das Integrationsdorf auf dem Sportcampus an der Ginnheimer Landstraße.

Rund um die Flüchtlingsunterkunft Labsaal wird sich in den kommenden Wochen einiges ändern. Die derzeit 89 Bewohner, darunter elf Frauen und 24 Kinder, werden in eine neue Übergangsunterkunft auf dem Sportcampus der Goethe-Universität an die Ginnheimer Landstraße ziehen. Die Pläne stellte Katrin Wenzel, Sprecherin der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement der Stadt, am Montagabend im Ortsbeirat 2, vor.

Dort wurde in den vergangenen Monaten ein so genanntes Integrationsdorf bestehend aus acht Holzhäusern gebaut. Die Modulbauten, die sich zwischen Rugbyfeld und Tennisplätzen befinden, bieten Platz für 300 Menschen. „Es wird vier Häuser für Familien und vier Bauten mit Wohngemeinschaften für alleinstehende Männer und Frauen geben“, berichtet Wenzel. Betreiber des Dorfes wird das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sein.

Neben den Bewohnern des Labsaals werden Geflüchtete aus anderen Unterkünften der Stadt in die Ginnheimer Landstraße ziehen. „Ende Juli sollen es zunächst 230 Menschen sein“, sagt Wenzel. Für sie soll es in der neuen Unterkunft mehr Privatsphäre geben. In vier zweigeschossigen Häusern wird es jeweils 16 Zweizimmerwohnungen und Dreizimmerwohnungen mit eigenem Bad und Küche für Familien geben. In den anderen vier Bauten sind jeweils zwei Gemeinschaftswohnungen mit jeweils zehn Zweibettzimmer und einem großen gemeinschaftlichen Kochbereich geplant. Dazu einen Aufenthaltsraum, der zur Kinderbetreuung und als Erholungsraum gedacht ist, einen Computerraum sowie Räume für Verwaltung und Sozialberatung.

Ehrenamtliche, die sich derzeit im Labsaal engagieren, äußern sich kritisch zu den Umzugsplänen. „Ich befürchte, dass die Kontakte zwischen Ehrenamtlichen und Geflüchteten nach dem Umzug nicht bestehen bleiben“, sagt etwa Helferin Jutta Rothacker. Im Labsaal seien bisher rund 80 Ehrenamtliche von verschiedenen Organisationen tätig. Um einem Kontaktabbruch vorzubeugen wird es am Freitag ein Treffen des Ehrenamtlichennetzwerks Bockenheim mit Geflüchteten und dem DRK geben.

Derweil plant die Goethe-Uni, am Sportcampus Freizeitangebote für Flüchtlinge zu machen. „Wir wollen unseren Hochschulsport öffnen und eine Bewegungsbaustelle von Studierenden für Kinder in den Semesterferien anbieten“, sagt der Leiter des Sportinstitutes Christian Heim.

Der Labsaal soll nach dem Auszug grundgereinigt werden und weiter als Notunterkunft für Neuankommende dienen. „Wir haben den Labsaal bis zum 31. Dezember 2018 von der ABG gemietet“, so Wenzel. Der Bedarf an Notunterkünften habe zwar abgenommen, da nur noch etwa zehn Menschen pro Woche in Frankfurt ankommen – nötig seinen die Kurzzeitunterkünfte dennoch. Aktuell gibt es vier Notunterkünfte in der Stadt, der Labsaal wird eine davon bleiben.

Umstritten ist das Vorhaben der Frankfurter Künstler Justus Becker und Oguz Sen in Kooperation mit dem Offenen Haus der Kulturen, die das ehemalige Unigebäude in einen Kunstwürfel verwandeln wollen. Die Projektgruppe „SignalLabsaal“, die bekannt für ihre großflächige, politische Kunst ist, will so den bisher trist und grau anmutenden Bau in einer vier bis sechswöchigen angelegten Malaktion verschönern. Das Projekt soll mit der Hilfe von Bockenheimern, etwa Schülern der Sophienschule, dem Jugendhilfeverein Lichtblick und mit Geflüchteten aus diversen Einrichtungen umgesetzt werden.

„Wir wollen in der Gestaltung auf das Thema Flucht und Exil eingehen – auch unter Beachtung der deutschen Geschichte im Nationalsozialismus und der Historie des Campus“, erklärt Projektkoordinatorin Anna Retzer. Die Kunst solle dabei aber abstrakt bleiben, versichert Oguz Sen.

Im Ortsbeirat 2 und bei Bürgern stößt die Idee auf geteilte Meinung. Während SPD und Grüne das Projekt befürworten, stehen CDU und FDP dem Plan skeptisch gegenüber. „Mir ist nicht klar, welche Art von Kunst dabei herauskommen wird“, sagt Christian Loose (CDU). „An einem so öffentlichen Ort wie dem Labsaal halte ich das für politisch gefährlich.“ FDP-Fraktionsmitglied Maria-Christina Nimmerfroh hält die Entscheidung der ABG den Künstlern ihr Projekt auf dem Gebäude zu ermöglichen gar für einen Verlust demokratischer Kontrolle der Bürger.

Tim Schuster vom Offenen Haus der Kulturen macht indes auf die Chancen der Malaktion aufmerksam: „So können sich verschiedene Akteure gemeinsam gegen die zunehmende Ödnis auf dem Campus wehren.“

Noch ist unklar, wie es nach 2018 mit dem Labsaal weitergehen soll. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zog Anfang der Woche das Gelände als möglichen Ausweichstandort für die Städtischen Bühnen in Betracht, die aus ihrem bisherigen Gebäude am Willy-Brandt-Platz ausziehen sollen.

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