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Römerberg im Sonnenschein.

Römerbriefe

Mehr miteinander reden

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    Georg Leppert
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Die Koalition in der Krise, die Streitkultur im Römer im Sinkflug – jetzt hilft nur noch Bernd Reisig. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert:Sonya Kraus, Thomas Berthold und Nicola Beer in einer Talkshow?

Leppert:Genau.

Göpfert:Was haben denn eine Fernsehmoderation, ein Fußballer und die FDP-Generalsekretärin miteinander zu tun.

Leppert:Nichts. Das ist ja der Witz.

Kennen Sie „Bembel und Gebabbel“, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik? Das ist eine Talkshow in der Lohrberg-Schänke, die Bernd Reisig moderiert. Dabei unterhalten sich Menschen, die sich im normalen Leben womöglich nicht einmal erkennen würden. Aber das Konzept geht bestens auf: Die Promis geben sich bei Reisig die Klinke in die Hand, die nächste Runde mit Umweltministerin Priska Hinz, Pur-Sänger Hartmut Engler und Fußballikone Peter Neururer ist schon ausverkauft. Und die Aufzeichnungen im Internet schauen sich Tausende Menschen an. Gerade wurde die Folge mit Kraus, Berthold und Beer ins Netz gestellt.

Peter Feldmann (SPD) und Uwe Becker (CDU) waren auch schon bei Reisig. Aber das reicht nicht. Wir sind der Meinung: In der Kommunalpolitik muss viel mehr miteinander geredet werden. Deshalb fordern wir drei Extra-Ausgaben von „Bembel und Gebabbel“. Und hier unsere Vorschläge für die Gästeliste.

Über die Zukunft der Städtischen Bühnen unterhalten sich Schauspielintendant Anselm Weber, Grünen-Fraktionschef Sebastian Popp und der Star der Kommunalen Ausländervertretung, Kerry Reddington. Weber ist bei dem Thema gesetzt. Sebastian Popp denkt gerne groß, bestellt deshalb gleich zwei Bembel und fordert den Neubau als Bühnen-Insel auf dem Main für 2,7 Milliarden Euro. Und Reddington hat mit der ganzen Sache eigentlich nichts zu tun, war aber schon mal in einem gerade für viel Geld neu gebauten Footballstadion und hat bestimmt mal in der Theater AG gespielt. Zumindest behauptet er das, damit Reisig ihn zu Wort kommen lässt und Reddington dann eine geschickte Überleitung zum Thema öffentliche Klos findet.

Über die Platensiedlung reden ABG-Chef Frank Junker, Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) und Fernsehmoderator Jörg Bombach („Das große Hessenquiz“). Junker zählt in einem 40-minütigen Dialog auf, wen er wegen Drogenhandels seiner Verwandten aus der Wohnung geworfen hat. Frank ruft nach jedem Namen: „Da habe ich kein Mitleid.“ Und Bombach ist das alles egal, er verspricht nur, in seiner nächsten Quizrunde folgende Frage zu stellen: „Wen schmeißt die städtische Wohnungsbaugesellschaft raus? A) Die schwerbehinderte Schwester eines Drogendealers? B) Alle gebürtigen Offenbacher? C) Die heilige Jungfrau Maria? D) Luka Jovic?“

Und schließlich die Runde zur Wiederwahl von Baudezernent Jan Schneider (CDU). Es diskutieren Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), SPD-Fraktionschefin Ursula Busch und Baulöwe Jürgen Schneider. Weber führt 25 Minuten lang aus, was Jan Schneider alles falschgemacht hat. Busch sagt daraufhin, sie sei stinksauer darüber, dass die FR glaube, irgendjemand in der SPD könne Jan Schneider nicht gut finden. Und Jürgen Schneider erzählt, wie man in Frankfurt mit Bauprojekten zum Erfolg kommt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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