Bahnknoten in Frankfurt

Hessen: Mehr Güter sollen auf die Schiene

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Mit leiseren Zügen und neuen Angeboten wirbt die Bahn um Kunden und für Akzeptanz.

Um mehr Güter auf der Schiene zu transportieren, haben Vertreter von Deutscher Bahn, Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt und Land Hessen auf einer Tagung in Frankfurt verschiedene Maßnahmen angekündigt. Um Kunden zu werben, habe die Bahn eine „Click-and-ride“-App entwickelt, mit denen diese binnen drei Minuten einen Fahrplan für den Warentransport auf der Schiene angezeigt bekämen, sagte Gisbert Brauner, Leiter von Vertrieb und Fahrplan bei DB Netz. Außerdem erneuere die Bahn das Netz mit dem europaweiten System ETCS, wodurch Züge dichter hintereinander fahren könnten. Das erhöhe die Leistungsfähigkeit um 20 Prozent.

Der Bahnknoten in Frankfurt sei einer der wichtigsten in Deutschland, gleichzeitig aber auch überlastet, was Verspätungen im deutschen Schienennetz zur Folge habe, sagte Jens Deutschendorf (Grüne), Staatssekretär im hessischen Verkehrsministerium. Er stellte sich hinter den Netzausbau im Rahmen des Investitionsprogramms „Frankfurt Rhein-Main plus“ und begrüßte den vom Bund geplanten Fernbahntunnel in Frankfurt.

Nach Prognosen der Bundesregierung wird der Güterverkehr bis 2030 gegenüber 2010 um 40 Prozent wachsen. Bislang profitieren davon vor allem die Lastwagen-Transporte, wie Alexander Theiss, Geschäftsführer für Standortpolitik an der IHK Frankfurt, ausführte. In Deutschland seien im vergangenen Jahr 220 Millionen Tonnen Waren in Binnenschiffen, 370 Millionen Tonnen in Zügen und 3,1 Milliarden Tonnen per Lastwagen transportiert worden. „Mehr Transport auf der Schiene heißt weniger Lkw auf den Straßen“, sagte er.

Deutschendorf bot Logistik-Unternehmen an, sich bei einem Förderprogramm des Landes zu bewerben. Dieses finanziere den Anschluss an die Schiene, die Erneuerung oder Einrichtung von Umschlagplätzen. Zuletzt hätten sich zwei Interessenten gemeldet.

Im Gebiet des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main gebe es 87 Gleisanschlüsse für Betriebe, von denen etwa 60 Prozent nicht genutzt würden, sagte Rouven Kötter (SPD), der Erste Beigeordnete des Regionalverbands, der dort großes Potenzial sieht.

Um Vorbehalten gegenüber Güterzügen zu begegnen, schlug Theiss vor, den Lärmschutz über die gesetzlichen Vorgaben hinaus zu erhöhen. Generell profitierten Anwohner beim Schienenausbau von mehr Lärmschutz. Mehr Lärm durch Güterzüge befürchtet etwa die Bürgerinitiative Bahnane, die sich gegen den Ausbau der Main-Weser-Bahn von Frankfurt nach Friedberg engagiert. Der Abschnitt vom Frankfurter Westbahnhof bis Bad Vilbel soll bis 2022 viergleisig sein, jener bis Friedberg bis 2028.

Gisbert Brauner sagte, die Bahn rüste bis Dezember 2020 den gesamten Güterwagenfuhrpark auf leisere Züge um. „Ab Dezember 2020 fahren keine lauten Güterzüge mehr.“

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