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Der Torbogen der Schäfflestraße gilt als Entree in den Riederwald.

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Mehr Frauenrechtlerinnen in Straßennamen in Frankfurt

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SPD und Linke wollen zwei Plätze an der Schäfflestraße nach berühmten Politikerinnen benennen. Denn außer Johanna Tesch gäbe es bisher kein Areal und keine Straße im Riederwald mit einer weiblichen Namensgeberin.

Zum hundertjährigen Bestehen des Frauenwahlrechts sollen im Riederwälder Zentrum ein Marie-Juchacz-Platz und ein Cäcilie-Breckheimer-Platz entstehen. Dafür setzt sich der Ortsbeirat 11 mit einem Antrag der SPD und Linke ein, der in der Sitzung am Montag zur Verabschiedung vorliegt.

Beide Plätze hätten durch die Umgestaltung der Schäfflestraße an Aufenthaltsqualität gewonnen, die neue Bedeutung soll durch einen eigenen Namen unterstrichen werden, sagt Susanna Bornmann (SPD). Sie regt gemeinsam mit Ricarda Grünberg (Linke) die Benennung an. Außer dem Johanna-Tesch-Platz gibt es bisher keine Areal und keine Straße im Riederwald mit einer weiblichen Namensgeberin.

Cäcilie Breckheimer, geboren am 29. Januar 1895, stammte aus einer jüdischen Familie, wurde mit neun Jahren zur Vollwaise, wuchs unter anderem in einem Mädchenstift in der Rückertstraße auf. Später arbeitete sie als Schneiderin, dann als Stenotypistin, engagierte sich in der SPD und SJA. Mit Mann und Sohn lebte sie in der Raiffeisenstraße 25, vor dem Haus erinnert heute ein Stolperstein.

Obwohl sie seit den 20er Jahren keiner jüdischen Gemeinde mehr angehörte, geriet sie ins Visier der Nationalsozialisten. Eine Emigration scheiterte genauso wie der Versuch mit Hilfe von zwei Pfarreien unterzutauchen. Im Februar 1943 kam sie ins Polizeigefängnis Klapperfeld, in dem sie einen letzten Brief an ihre Familie schrieb. Wenige Monate später, im August, wurden die Angehörigen informiert, dass Cäcilie Breckheimer an „allgemeiner Körperschwäche“ in Auschwitz verstorben sei.

„Cäcilie Breckheimer war im Riederwald sehr aktiv, die Leute kannten sie“, sagt Bornmann. „Sie engagierte sich politisch – auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten.“ Grund genug, den Platz vor dem Kinder- und Familienzentrum in der Schäfflestraße nach ihr zu benennen.

Eine mutige Frau war auch Marie Juchacz. „Sie war die erste Frau, die in einem deutschen Parlament das Rednerpult betrat“, heißt es in dem Antrag. Nach ihr soll der Platz vor der Philippusgemeinde an der Ecke Raiffeisenstraße/ Schäfflestraße benannt werden. Als junge Frau arbeitete sie als Zimmermädchen, Fabrikarbeiterin, Krankenpflegerin und Schneiderin und bekam zwei Kinder. Dann trat sie in die SPD ein, machte Sozialpolitik zu ihrem Thema.

Vor hundert Jahren gehörte Marie Juchacz dann zu den 37 Frauen, die in die Weimarer Nationalversammlung gewählt wurden. „Noch im gleichen Jahr gründete sie die Arbeiterwohlfahrt – daher war sie mir bekannt“, sagt Bornmann. „Sie hatte eine bedeutende Rolle in der Frauenbewegung.“ Im gemeinsamen Antrag, über den der Ortsbeirat voraussichtlich am kommenden Montag in seiner Sitzung beraten wird, bitten SPD und Linke den Magistrat, die Platzbenennungen umzusetzen. Auch wenn die beiden Flächen schon in diesem Sommer vom Quartiersmanagement und der AWO mit Aktionen und Festen bespielt werden sollen, werden sie voraussichtlich erst im Herbst einen Namen tragen. Mit der Umbenennung gehe auch einher, so Bornmann, dass die anliegenden Häuser eine neue Adresse erhalten.

Der Ortsbeirat 11tagt am Montag, 25. März, um 19.30 Uhr in der Budge-Stiftung, Wilhelmshöher Straße 279.

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