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Frankfurt 20.01.20 Sozialdezernentin Birkenfeld inspiziert Wohnungen, in die Menschen mit Behinderung ziehen sollen. Bolongarostraße 122. Höchst. HIER mit dem beiden PW Geschäftsführern Andreas Schadt und Thomas Schmitter (Brille)

Praunheim

Mehr Eigenständigkeit

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Eigene Wohnung statt Wohnheim für Menschen mit Einschränkungen.

Der eigene Wohnungsschlüssel, überschaubare Regeln und die Inneneinrichtung nach dem persönlichen Geschmack: Eigenständig zu wohnen sei ein großer Wunsch der meisten Menschen mit Beeinträchtigung, die bisher in einer stationären Wohnanlage der Praunheimer Werkstätten in Niederursel gelebt haben. Das berichtet Andreas Schadt, einer der beiden Geschäftsführer der Praunheimer Werkstätten, am Montagnachmittag bei einer Hausbegehung in der Höchster Bolongarostraße 122. Deshalb wird das Wohnheim in Niederursel aufgelöst und die Bewohner ziehen teils nach Höchst sowie in neue Wohnungen nach Preungesheim, in die Sonnentaustraße.

In der Bolongarostraße sind im Neubau des Vorderhauses sowie im älteren Hinterhaus mit Backsteinfassade acht Wohnungen für die künftigen Mieter reserviert. An die Eigentümerin der Gebäude, die städtische Konversions- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (KEG) wird die Miete von 12,50 Euro pro Quadratmeter fließen. „Damit werden die Klienten zum ersten Mal Miete zahlen“, berichtet Schadt und weiter: „Durch ihre Tätigkeit in den Praunheimer Werkstätten sind sie nicht in der Lage die Miete selbst zu zahlen, deshalb wird das über die Grundsicherung durch die Stadt übernommen“.

Die Wohnungen sind weitestgehend barrierefrei. Nur eine Wohnung im Hinterhaus ist nicht bis zur letzten Treppe per Lift erreichbar. Alle Badezimmer haben dagegen ebenerdige Duschen. Ein Gemeinschaftsraum für alle Hausbewohner liegt im Erdgeschoss und ermöglicht mit seinen tief liegenden Fenstern einen großzügigen Blick auf die Bolongarostraße. Es gibt größere Wohnungen für Wohngemeinschaften oder Einzelappartements: Je nachdem, wie die Wünsche waren, so Schadt. Nur zwei der aktuellen 20 Bewohner aus Niederursel würden in ein anderes Pflegeheim wechseln.

„Menschen in Wohnheimen wurden früher nicht gefragt, wie sie wohnen wollen“, sagt er. Das sei nun anders. Nicht nur bei der Entscheidung, mit wem sie zusammenleben möchten, hätten die Bewohner entscheiden dürfen. Auch bei Einrichtung oder Wandfarbe hätten sie freie Hand gehabt. Mitarbeiter der Praunheimer Werkstätten halfen bei der „persönlichen Zukunftsplanung“. In den künftigen WGs wiederum müssten sich die Bewohner untereinander auf Regeln verständigen, könnten sich gleichzeitig aber auch gegenseitig unterstützen.

Pflegekräfte des Frankfurter Verbands, der im selben Haus eine Wohngruppe betreibt, sind aber bereit und könnten Tag und Nacht zur Unterstützung sowie bei Notfällen angefordert werden. „Ob die Vereinbarung getroffen wird, dass die Nachtwache einen Schlüssel erhält, entscheiden die Bewohner“, sagt Schadt und weiter: „Das stärkt die Klienten als Auftraggeber“. Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), die gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzende der Praunheimer Werkstätten ist, sagt: „Wir versuchen das Bundesteilhabegesetz bestmöglich umzusetzen“. Solche neuen Wohnformen seien die Zukunft. Auch in der Niederurseler Wohnanlage der Praunheimer Werkstätten sollen Wohnungen für die Mitarbeiter entstehen.

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