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Viele Zuhörer äußerten sich beim FR-Stadtgespräch im Haus am Dom zur Wohnungssituation.

Wohnen in Frankfurt

Mehr Dichte wagen in Frankfurt?

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Bei einem FR-Stadtgespräch über die Wohnungskrise und mögliche Auswege geht es um Nachverdichtung, den Mietentscheid und die Grenzen des Wachstums.

Wer in Frankfurt eine bezahlbare Wohnung sucht, hat schlechte Karten. Und der freie Markt wird das Problem nicht lösen. Da ist sich das Podium beim FR-Stadtgespräch zur Halbzeit der Serie „Frankfurt wächst“ weitgehend einig. Selbst Wolfgang Ries, Vorstand des Wohnungsbauunternehmens Bien-Ries, macht keinen Hehl daraus dass dieses inzwischen ziemlich hohe Preise verlangt. Vor einigen Jahren habe er Wohnungen am Riedberg für 2300 Euro pro Quadratmeter verkauft, die letzten Einheiten habe man für 5600 Euro pro Quadratmeter veräußert, sagte er am Donnerstagabend vor gut 100 Zuhörern im Haus am Dom. Der Grund? „Die Grundstückspreise galoppieren davon.“ Zudem fehlten Handwerker, das treibe die Kosten. Auch die „Flut von Bauvorschriften“ verteuere die Projekte. Die kritisiert auch Architekt Stefan Forster. Er stört sich etwa an einem überzogenen Brandschutz.

Selbst Genossenschaften schafften es nicht mehr, Wohnungen für eine Miete unter zwölf Euro pro Quadratmeter zu bauen, sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Hauptgrund seien die stark gestiegenen Bodenpreise. Es führe kein Weg daran vorbei, Grund und Boden „ein Stück weit“ dem Markt zu entziehen. Sobald die Stadt Planungsrecht schaffe, steige der Wert für einen Acker von zwölf Euro auf 700 bis 800 Euro pro Quadratmeter. Diese Bodenwertsteigerung müsse der Allgemeinheit zu Gute kommen, etwa für Schulen und andere Infrastruktur im Gebiet, forderte er.

Lisa Hahn warf ihren Mitdiskutanten vor, zu viel über die Situation zu klagen, statt Lösungen anzubieten. Dabei könnten die Forderungen des Mietentscheids, für den sie mit vielen anderen kämpft, schnell umgesetzt werden – und etwa Menschen, die auf der Warteliste für eine Sozialwohnung stehen oder Anspruch auf eine geförderte Wohnung hätten, helfen. Hahn kritisierte, dass sich der Magistrat nach sieben Monaten Prüfung immer noch nicht abschließend zum Mietentscheid geäußert habe.

Gründlichkeit vor Schnelligkeit

Bei dem Gutachten gelte Gründlichkeit vor Schnelligkeit, verteidigte Josef den Magistrat. Erneut machte der Planungsdezernent in der von den FR-Redakteuren Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert moderierten Runde aber klar, dass er die Forderungen des Mietentscheids ablehnt. Die ABG habe im vergangenen Jahr bereits zu mehr als 40 Prozent geförderte Wohnungen gebaut. 50 Prozent seien möglich, aber in der Koalition nicht durchsetzbar. Die ABG nur noch geförderte Wohnungen bauen zu lassen, sei aber falsch. Es sei gut, dass die Wohnungsgesellschaft zum Beispiel auch Wohnungen für Studierende baue, sagte er. Errichte die ABG nur noch geförderten Wohnraum, nütze das vor allem den Projektentwicklern, die einen Konkurrenten verlören.

Bauunternehmer Ries widersprach und erinnerte daran, dass Wohnungsgesellschaften wie die ABG einst gegründet wurden, um bezahlbaren Wohnraum zu bauen. „Das ist ein bisschen abhanden gekommen.“

Stefan Forster riet zu einem Wohnungsmix. Am Bockenheimer Depot etwa habe die ABG Eigentumswohnungen, frei finanzierte Mietwohnungen und geförderte Wohnungen gebaut. Das sei ein gutes Modell. Man dürfe nicht vergessen, dass die ABG auch ein Wirtschaftsunternehmen sei.

Hahn ließ das nicht gelten. Natürlich sei es gut, dass die Stadt auch Investoren verpflichte, Sozialwohnungen zu bauen. Es passiere aber doch viel zu wenig. Im Hamburg seien im vergangenen Jahr 3000 geförderte Wohnungen gebaut worden, in Frankfurt nicht einmal 300.

Dass Frankfurt wohl weiter wachsen wird, ist Konsens auf dem Podium. Und das sei gut so, sagte Forster. „Mehr Menschen heißt mehr Leben.“ Es sei besser, wenn eine Stadt wächst, als wenn sie schrumpft, findet auch Josef. Die Frage sei doch, in welche Richtung sich Frankfurt entwickelt, sagte Hahn, wie sich Wachstum so gestalten lässt, dass Menschen nicht vertrieben werden.

Wo all die Wohnungen entstehen können, die man braucht, um die hohe Nachfrage zu befriedigen? Bis der neue Stadtteil an der A5 stehe, dauere es viele Jahre, sagte Forster. Schnell Wohnungen schaffen könne man dagegen in der Innenentwicklung. Zentral gebe es viele Wohngebäude mit drei bis vier Geschossen. „Da ließe sich viel machen“, sagte der Architekt. „Frankfurt ist noch nicht dicht genug“, findet auch Bauunternehmer Ries. Hier lebten gut 3000 Menschen auf einem Quadratkilometer. In Berlin und München jeweils mehr als 4000. Und da lebe es sich ja nicht schlecht.

„Wir können nicht jeden Hinterhof in der Innenstadt bebauen – schon wegen des Klimas“, sagte dagegen Mike Josef. Er könne alle Menschen verstehen, die Angst haben, wenn bei ihnen nachverdichtet werde. Meist entstünden teure Wohnungen. Und das führe zu Verdrängung.

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