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Solange das lärmfreie Acroyoga von Lena Zehentner und Mark Arnhold nicht in lautes Aggro-Yoga umschlägt, stört es niemanden.

Aktionsbündnis

Mehr Bewegung in den Grünanlagen

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Vereine wollen Patenschaften für Parks übernehmen und dort Sport treiben. Das Lärmproblem wäre damit aber noch nicht gelöst.

Mit einem Aktionsbündnis will sich der Sportkreis Frankfurt für mehr Sport in Grünanlagen starkmachen. Das Ziel sei, Frankfurt stärker zum bewegungsfreundlichen Raum umzugestalten. Dafür könnten Sportvereine Patenschaften für einzelne Grünanlagen oder Parks übernehmen. „Es geht darum, Räume und Orte zu entwickeln“, sagt der Sportkreisvorsitzende Roland Frischkorn. Seine Institution reagiert damit auf die Querelen vom vorigen Jahr.

Der Aufschrei war groß im Spätsommer. Das Frankfurter Grünflächenamt verbiete Yogatreibenden das Entspannen im Park. Anwohner des Holzhausenparks und die Frankfurter Bürgerstiftung hatten sich zuvor beschwert, weil eine Yogalehrerin den Park mit lauter Musik beschallte. Da sie für ihr Angebot Geld nahm, wies das Grünflächenamt darauf hin, dass die kommerzielle Nutzung der Parkanlagen laut Grünflächensatzung verboten sei und schrieb vier namentlich bekannte Gewerbetreibende an. Das Amt drohte mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren, sollten sie den Holzhausenpark weiter für ihr Angebot nutzen.

Frischkorn schwebt nun ein Modell vor, wie es in Städten wie Bonn und Stuttgart praktiziert wird: Vereine übernehmen Verantwortung für einzelne Parks oder Grünanlagen, schaffen dort Sportangebote und stehen für einen verantwortlichen Umgang mit den Grünflächen.

Mit einer Handvoll Vereine hat das Aktionsbündnis bereits Kontakt aufgenommen. So könnte Blau-Gelb für den Niddapark eine Patenschaft übernehmen, in dem der Verein selbst zu Hause ist, oder der Frankfurter Turnverein (FTV) in der Pfingstweidstraße für die nahegelegene Obermainanlage.

Ute Müller-Kindleben vom FTV ist von der Idee angetan. „Wir könnten eine Patenschaft übernehmen mit allen Verpflichtungen“, betont die stellvertretende Vorsitzende.

Der Verein mit seinen 1850 Mitgliedern in 19 Abteilungen ist flächenmäßig an seine Grenzen gestoßen. „Wir platzen aus allen Nähten und können uns nicht mehr ausweiten“, klagt Müller-Kindleben.

Sie könnte sich vorstellen, dass die Wanderabteilung ihr Walking- und Lauftraining in der Obermainanlage anbietet oder die Schachabteilung bei schönem Wetter auch mal in den Park ausweicht. „Auch für den Seniorensport braucht man gar nicht viel“, sagt Müller-Kindleben. Bislang habe das Grünflächenamt jedoch auf solche Anfragen „recht restriktiv“ reagiert. „Es gibt sehr viele Auflagen.“

Frischkorn vom Sportkreis ist klar, dass es ein schmaler Grat ist zwischen einer gewerblichen Nutzung und dem Angebot der Klubs. Denn letztlich ist den Ruhesuchenden in den Parks ja egal, von wem die Musik kommt. „Man kann natürlich darüber reden, ob es Ruhezonen gibt“, sagt Frischkorn. „Ich will die Stadt nicht verlärmen.“ Der kleine Holzhausenpark mit den vielen Anwohnern etwa solle außen vor bleiben, Frankfurts mit Abstand größter Park, der Niddapark, böte da mehr Spielraum.

Ganz so einfach will es Stephan Heldmann aber nicht sehen. Der Leiter des Grünflächenamts will für keinen der 45 städtischen Parks einen Freifahrtschein ausstellen. „Der Freizeit- und Erholungswert muss an erster Stelle stehen“, betont er.

Die große Nachfrage nach Aufenthaltsqualität mache die Regelungen notwendig. „Wir haben die Satzung ja nicht, um unsere Bürger zu ärgern“, sagt Heldmann und verweist darauf, dass in den Grünanlagen „rund 5000 Menschen täglich informell Sport treiben“. Der Hafenpark sei dafür ein wunderbares Beispiel.

Bei organisiertem Sport „sind wir individuell und nachfrageorientiert unterwegs“, sagt Heldmann. Dies gelte selbst fürs Schachspielen in der Obermainanlage. „Das müssen wir prüfen, ich lasse es nicht auf eine Eintagsfliege ankommen, das muss nachhaltig sein.“

Grundsätzlich sei das Grünflächenamt aber gesprächsbereit. „Herr Frischkorn kann sich gerne mit mir zusammensetzen, aber er muss direkt auf mich zukommen“, betont Heldmann und wundert sich ein bisschen, dass der Sportkreis zunächst den Weg über die Öffentlichkeit gesucht habe. Nach einer schnellen Umsetzung des Bonner Modells sieht das nicht aus.

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