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Viel Platz hat die Platane auf dem Fischerplätzchen untenherum scheinbar nicht – und der Bodenbelag sieht allzu wasserdicht aus.

Straßenbäume

Mehr Beinfreiheit für Bäume

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Naturschützer fordern genug Platz fürs Straßengrün. Oft sei der Boden bis an den Stamm verdichtet. Das Grünflächenamt testet neuartiges Material, das auch zu Missverständnissen führt.

Bodenversiegelung bis an den Stamm heran, Enge, Kraftfahrzeugverkehr – Straßenbäume haben es schwer in Frankfurt. Darauf machen Baumschützer aufmerksam. Das Grünflächenamt äußert Verständnis, betont aber auch: Es sei nicht immer so schlimm, wie es oft aussehe.

Um die Bäume ist es ein wenig still geworden. Es gibt andere große Probleme (Corona) und große Ereignisse (US-Wahl), außerdem fällt ihr wohltuender Schatten in der kühlen Jahreszeit nicht so sehr auf wie im brütenden Hochsommer. Aber: „Vielfach sind die Bedingungen der Stadtbäume von Amtswegen so eingeengt, versiegelt und verdichtet, dass mit einer Gießkanne auch nicht geholfen werden kann“, kritisiert Ingolf Grabow, Naturschützer bei Nabu und BUND.

Er hat in der Stadt Beispiele zusammengetragen, Orte, an denen Bäume buchstäblich der Schuh drückt. Ein Bergahorn auf hartem Grund am Buchrainplatz in Oberrad etwa: „Ohne Beachtung der Baum-Bedürfnisse nach Luft und Wasser für den Wurzelbereich ist hier keine unversiegelte Baumscheibe angelegt worden“, hat Grabow erkannt: „Eine krasse Fehlplanung der letzten Jahre, obwohl Platz vorhanden ist!“ Ähnliches bei einer Kastanie in den Wallanlagen oder bei einer Platane auf dem Fischerplätzchen am Ende der Fahrgasse, wo scheinbar bis an den Stamm heran asphaltiert wurde.

„Wer hat dieses Beet versiegelt?“, fragt Grabow die zuständigen Ämter und erinnert an den Grundsatz, den Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) vertritt: „Die Stadt vom Grün her denken, planen und gestalten.“ Ein Umdenken in diese Richtung sei dringend nötig.

Parkplatz oder Baum

Unterstützung erhält er von der Oberräder Gartenarchitektin Ute Wittich. „Bäume in der Stadt sind so wichtig – das A und O!“, sagt sie. „Vielen fehlt aber das Gespür dafür. Auch sie ärgert sich über die Gestaltung des Buchrainplatzes, dem es an einer konsequenten Grüngestaltung mangele. Oft hätten Bäume im Straßenraum allzu wenig Platz: „Das liegt wohl an der Angst vor der Parkplatzwut der Autofahrer.“

Im Grünflächenamt kommt die Kritik durchaus an. „Wir wollen heute andere Baumgruben haben als noch vor einigen Jahrzehnten“, sagt Bernd Roser, zuständig für die Grünflächenunterhaltung in der Stadt. Einst waren Bäume oft Lückenfüller, heißt es aus der Verwaltung, grüne Tupfer, die gepflanzt wurden, wo gerade Platz war. Man lebe mit den Fehlern, die in der Vergangenheit gemacht worden seien.

Versiegelung bis zum Stamm. Manchmal ist sie durchlässig.

„Zwölf Kubikmeter Platz, frei von Leitungen, das wäre ideal für einen Baum“, sagt Roser. Gerade in jüngerer Zeit seien aber besonders viele Leitungen im Boden verlegt worden, Stichwort moderne Telekommunikation, so dass es oft schwierig sei, die Abstandsrichtlinie einzuhalten: 2,50 Meter zur nächsten Leitung bei Neupflanzungen.

„Früher hatte das Thema Boden auch nicht so eine große Bedeutung wie heute“, sagt der Mann vom Grünflächenamt. Das Baumsubstrat werde wichtiger. Die Stadt müsse versuchen, angesichts der trockenen Sommer als „Schwammstadt“ so viel Niederschlag bei sich zu behalten wie möglich. Gemeinsam mit dem Amt für Straßenbau und Erschließung achte man daher darauf, ausreichend große Baumscheiben bereitzustellen und bei Straßensanierungen stets die Bäume mitzudenken.

Was die scheinbar asphaltierten Baumfüße angeht: „Die Vermutung ist falsch“, sagt Roser. Es handele sich um einen neuartigen Belag aus Natursteinen, mit Harz gebunden, der ein Versickern des Wassers zulasse. „Da gibt es oft Proteste aus der Bürgerschaft, weil das neu ist. Es ist ein fester, wasserdurchlässiger Belag.“

Stadtbäume seien hochbelastet durch Bauarbeiten, Verkehrsunfälle – auch der Urin der Hunde sei „etwas, das den Bäumen nicht guttut“, sagt Roser. „Und bei den heutigen Klimaverhältnissen ist es schwer geworden, Bäume groß und vital zu bekommen.“

Ute Wittich pocht deshalb darauf, noch mehr für Bäume zu tun. Oft sei alles eine Frage des Geldes. „Bauherren wollen Wohnungen verkaufen, nicht Grün. Da müsste noch mehr Druck von oben ausgeübt werden.“ Schottergärten, fordert sie, sollten verboten sein, und wer einen alten Baum fälle, müsse dafür nicht nur einen jungen Baum pflanzen, sondern drei oder vier.

Im Sommer, das steht fest, werden wir wieder jeden einzelnen gesunden Baum zu schätzen wissen.

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