30 Prozent Bio soll in den Schulen serviert werden.  
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30 Prozent Bio soll in den Schulen serviert werden.  

Schulen

Mehr Bio beim Schulessen in Frankfurt

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Die Stadt hat die Vorgaben fürs Mittagessen an Schulen überarbeitet. Mehr Bio soll auf die Teller und weniger Fertigprodukte. Damit soll die Qualität des Essens steigen - und bestimmte Unternehmen sollen angelockt werden.

Weniger Fertigprodukte, ein höherer Anteil an Bio-Lebensmitteln und mehr Mitsprache von Schulen – die Stadt hat die Kriterien für die Vergabe des Schulcaterings überarbeitet. Am Freitag wurden sie vom Magistrat beschlossen, nun müssen die Stadtverordneten darüber befinden. Ziel sei eine hochwertige Schulverpflegung für eine gesunde körperliche Entwicklung, sagte Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) am Freitag. „Wir hoffen, nun auch für kleinere Unternehmen attraktiver zu werden.“

Es ist fast zwei Jahre her, dass die IGS Nordend gegen die Übernahme ihrer Mensa durch Sodexo protestierte. Das Unternehmen hatte sich in einer europaweiten Ausschreibung der Stadt gegen mehrere Mitbewerber durchgesetzt. Die Schulgemeinde wollte den bisherigen kleinen Catererer behalten, alle lobten die Qualität des frisch gekochten Essens und argumentierten, dass ein Großcaterer nicht zur Schule passe. Doch die Proteste halfen nichts. Bilanz nach eineinhalb Jahren Sodexo: Nur noch ein Bruchteil der Schüler isst in der Mensa. Auch an der Elisabethenschule gab es Widerstand gegen Sodexo. Anfang des Jahres wurde die Mensa boykottiert, weil die Eltern unter anderem die Qualität des Essens monierten.

Die Essensversorgung an den beiden und 14 weiteren Schulen wird für nächstes Schuljahr neu ausgeschrieben. Sechs von ihnen werden derzeit vom Großkonzern Sodexo bekocht. In der Stadt kommen elf Caterer zum Zuge – für rund 160 Schulen. Mit den neuen Vergabekriterien hofft man, dass sich kleinere Unternehmen bewerben, die vor dem Schulcatering bisher zurückscheuten. „Aber sie können besser in den Schulalltag einbezogen werden“, sagte Weber. Sie sind flexibler bei Festen, Themenwochen, besonderen Wünschen. Deshalb sollen die Schulen künftig möglichst alleine ausgeschrieben werden. Nicht wie bisher oft zu zweit oder dritt. Das ist für kleine Caterer kaum zu stemmen.

Regionale und saisonale Speisen

Eine Arbeitsgruppe aus Ernährungsrat, Ämtern, Eltern und Schülern hat die Grundlagen für die neuen Kriterien erarbeitet. Regionale und saisonale Speisen sollen immer präferiert werden, der Bio-Anteil nicht mehr nur zehn, sondern 30 Prozent betragen. Und wer als Caterer Konzepte hat, wie der Trend zur fleischlosen Ernährung gefördert werden kann, sammelt Pluspunkte. Auch nachhaltig soll es in der Küche zugehen: auf Verpackungsmüll und Einmalgeschirr verzichtet werden. Zudem sollen Produkte der Convenience-Stufen 3 bis 5 nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden. Unter Stufe 3 fallen etwa Fertigsoßen, Instantsuppen, Puddingpulver. Zuvor galt die Einschränkung nur für die Stufen 4 und 5. „Es ist eine deutliche Verschärfung zu früher“, sagte Weber. „Wir hoffen, das trägt zu einem guten Geschmack bei.“

Die Schulgemeinde soll auch ein größeres Mitspracherecht haben. Die Schulen können ihre eigenen Anforderungen an den Caterer aufstellen – und diese werden Teil des Leistungsverzeichnisses. Sind also für Caterer verbindlich. Wenn nun eine Schule nur Bio-Fleisch will? „Ich würde grundsätzlich nichts ausschließen“, sagte Weber. Das müsse der Caterer dann kalkulieren. „Doch es muss sich im finanziellen Rahmen bewegen.“ Denn bei der Bewertung eines Angebots wird der Preis mit 30 Prozent gewichtet. „Doch uns ist bewusst: Qualität hat ihren Preis“, sagte Weber. Und mit mehr Qualität, wie sie jetzt von den Anbietern gefordert werde, werde es nun einmal teurer. Das will man aber aus dem bisherigen Budget stemmen

Mit all den Kriterien will die Stadt auch Anbieter anlocken, die ohnehin selbst schon viel Wert auf Qualität legen. „Wir müssen im Vorfeld genauer gucken, wer den Zuschlag erteilt bekommt“, sagte Weber. Wobei man aus dem europaweiten Ausschreibungsverfahren nicht hinauskomme. „Doch nun lässt es sich besser steuern.“

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