Die Helferinnen und Helfer erkennt man an den blauen Westen.
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Die Helferinnen und Helfer erkennt man an den blauen Westen.

Die FR spendet

Mehr als nur Hilfe beim Umsteigen

Frankfurter Bahnhofsmission unterstützt auch Menschen in Not.

Alltag in der Frankfurter Bahnhofsmission ist, dass es keinen Alltag gibt. Es gibt nicht einmal einen klar begrenzten Tag. 24 Stunden sind die Räume an Gleis 1 geöffnet. An jedem Tag. Jede Stunde bringt neue Herausforderungen und Geschichten mit sich. Eine klar definierte Zielgruppe hat die Einrichtung nicht. Die Bahnhofsmission empfängt alle, die am Bahnhof und in seiner Umgebung Hilfe benötigen. So wie Jesus Christus allen geholfen hat, die ihm über den Weg gelaufen sind.

Wobei die Bahnhofsmission ihre christliche Herkunft nicht vor sich herträgt. „Wir gehen nicht mit der Bibel in der Hand durch den Bahnhof“, sagt Diakon Carsten Baumann, der Leiter der Bahnhofsmission. „Wir helfen Menschen mit dem Rückhalt aus dem christlichen Glauben.“

Besucherinnen und Besucher sind Obdachlose auf der Suche nach Wärme, einer Tasse Kaffee, vielleicht auch einer Dusche oder einer neuen Unterhose. Zur Bahnhofsmission am Gleis 1 kommen Reisende, die ihren Koffer verloren haben oder ihre Geldbörse samt Fahrkarte. Familien, die ihre Wartezeit nicht im Restaurant verbringen möchten, sondern lieber im Spielzimmer. 250 bis 300 Menschen sind jeden Tag zu Gast. Die Helferinnen und Helfer der Bahnhofsmission, zu erkennen an ihren blauen Westen, kümmern sich auch um Menschen mit Handicap, die Hilfe beim Umsteigen benötigen. Oder um Kinder, die alleine reisen. 9000 Umstiegshilfen verzeichnet die Statistik von 2019.

Wie Sie helfen können

Die Bahnhofsmission liegt an der Südseite des Frankfurter Hauptbahnhofs.

Zu erreichen sind die Räume über den Bahnsteig an Gleis 1 oder über die Mannheimer Straße 4. sky

Kontaktmöglichkeit per Telefon unter 069 / 23 44 68 oder 23 44 69. Weitere Informationen im Internet unter: www.bahnhofsmission.de

Geld spenden kann man an den Verein zur Förderung der Bahnhofsmissionen in Deutschland e. V. unter der IBAN: DE58 5206 0410 0005 0159 95, BIC: GENODEF1EK1

Und dann sind da noch die Härtefälle. Etwa wenn in den Frauenhäusern in der Stadt alle Betten belegt sind, aber eine Mutter mit zwei Kindern dringend eine Zuflucht benötigt. Die Bahnhofsmission hat ein Not-Apartment. Manchmal kommen Menschen ohne alles in der Stadt an, ohne Geld, Job, Unterkunft, Sprachkenntnisse. Über einen Video-Dolmetscher können Baumann und seine Mitstreiter*innen sich fast immer mit den Besucher*innen verständigen.

In diesem Jahr tritt das Coronavirus als zusätzliche Bedrohung auf. „Das hat die Menschen stark verunsichert“, sagt Baumann. Die Bahnhofsmission hat sich darauf eingestellt, hält den Betrieb aufrecht. Mit einer Platzzahlreduzierung, Abstandsmarkierungen am Boden und Fiebermessgeräten am Eingang, die im Dauereinsatz sind. Alle zwei Stunden desinfizieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle Oberflächen und Türklinken. Corona-Fälle hat die Bahnhofsmission bisher nicht erlebt. Schwierig ist es allerdings zu vermitteln, warum ständig gelüftet werden muss, obwohl sich die Gäste doch aufwärmen möchten.

Während des Lockdowns im Frühjahr hat die Bahnhofsmission an Wochenenden und Feiertagen Lunchpakete ausgegeben, 150 am Tag. „Es war ja nahezu alles zu“, sagt Baumann. Bedürftige konnten nicht einmal betteln oder Flaschen sammeln. Doch nicht nur Menschen, die auf der Straße leben, haben sich Essen mitgenommen, sondern auch andere, denen man die Not nicht sofort ansieht. „Die Altersarmut nimmt zu.“

Im September wollte die Bahnhofsmission eigentlich feiern, ihr 125-jähriges Bestehen. Die Party fällt aus. Die Bahnhofsmission wird vom Diakonischen Werk für Frankfurt und Offenbach und dem Caritasverband Frankfurt gemeinsam getragen. Sie finanziert sich durch Mittel der Stadt Frankfurt und des Landeswohlfahrtsverbandes, größtenteils jedoch über Kirchensteuern und Spenden sowie Stiftungsmittel oder Kampagnen.

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