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Die Talkshow auf der Bühne - ein neues Format für Frankfurt.

Talkshow in Frankfurt

Socken für Superhelden

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Sechs Protagonisten erzählen in einem neuen Frankfurter Talkshow-Format ihre Geschichten. So auch der New Yorker Hochhaus-Kletterer und Instagram-Star Humza Deas.

Es ist wie Talkshow schauen, nur dass man statt auf dem Bildschirm tatsächlich die Protagonisten in echt vor sich in der Sankt-Peter-Kirche sitzen hat. Bierchen darf man auch trinken oder sich auch ein Weinchen an der Bar im Nebenraum holen. Wer will kann vor Beginn eine Frage auf einen der rosa Zettel schreiben und abgeben. „Hm, da muss ich erstmal überlegen“, sagt ein Herr, der sich spontan entschieden hat, herzukommen. Kaum ein Platz bleibt frei:  350 Zuschauer sind gekommen: Von Mitte 20 bis Mitte 50 im Schnitt sind diese alt. Ein großes Sternchen steht als Leuchtschild neben den beiden schwarzen Stühlen, auf denen gleich der Talk beginnt. Es steht für „inspired by, das Magazin im Bühnenformat“, das an diesem Donnerstagabend seine Premiere feiert.  Sechs spannende Menschen - vom Offenbacher  Poetry-Slammer Samuel Kramer bis hin zum New Yorker Hochhaus-Kletterer und Instagram-Star Humza Deas - werden interviewt. Jeder einzeln, zwischendrin gibt es Live-Gesang oder Filme.

„Die Idee entstand schon vor zwei Jahren. Es ist ein Erwachsenwerden, eine Fortsetzung unseres Hotel Poetrys“, sagt Moderator und Initiator Daniel Tobias Etzel von der Frankfurter PR- und Veranstaltungsagentur WAOH. Beim Hotel Poetry luden sie in einer Hotelvilla am Berg in Sachsenhausen pro Abend vier Künstler ein, die in vier verschiedenen Räumen spielten.

„Irgendwann merkten wir, dass es für uns viel spannender war, was die Künstler uns in den Gesprächen nach ihren Auftritten beim gemeinsamen Essen erzählten.  Also was ist die Geschichte hinter dem schönen Lied?“, so Etzel. Mit dabei ist beim neuen Format auch die Frankfurter Werbeagentur Jazzunique und einige Sponsoren. Ab 12 Euro bekommt man Tickets, wer weit vorne sitzen mag, zahlt 45 Euro. Es gibt eine Leinwand und Bildschirme, so dass man auch von hinten alles sieht.

Auf einem Foto sieht man, wie Instagram-Star Humza Deas von dem Dach eines Hochhauses auf den Times Square auf die „Touris mit ihren Selfie-Stangen runterblickt.“ Der schwarze US-Amerikaner hat seine Haare eminem-blond gefärbt. Er erzählt, wie er und ein Freund fast von einem Zug bei einem seiner Abenteuer-Foto-Sessions überrollt wurden. „Ich war mir sicher, dass in diesem Tunnel keine Züge mehr fahren.“ 

Humza Deas  kommt aus sehr armen Verhältnissen. Keiner habe an ihn geglaubt. Er aber an sich. Statt einem Selfie wurde es zu einem Markenzeichen, dass er seine Füße vom Hochhaus baumeln ließ. „Und dann bot mir eine neue Strumpf-Firma an, ob ich nicht Lust hätte, ihre Socken anzuziehen. Superhelden tragen Umhänge, ich eben Socken.“ Mittlerweile gibt es Humza-Socken als Marke zu kaufen. Und er klettert nicht mehr auf Hochhäuser, weil es zu viel Konkurrenz gibt, sondern in der Natur. „Das macht mir mehr Angst, weil Hochhäuser sind von Menschen gebaut, Berge sind das nicht.“ Das Publikum lacht. Humza arbeitet nun an seinem ersten Kurzfilm. 

„Ich finde es toll, wie er Kunst und Kommerz miteinander verbindet“, sagt ein Zuschauer in der Pause. Irgendwie sei das inspirierend. Weniger begeistert ist der 37-jährige Frankfurter von dem Gespräch mit der Berlinerin und Halb-Griechin Paula Schwarz. Und das liegt nicht daran, dass sie nicht spannend ist, sondern, dass man nicht versteht, wenn man sich nicht vorher mit ihr beschäftigt hat,  was sie eigentlich so genau macht.  „Es wäre besser gewesen, wenn es wie bei den großen Talkshows eine richtige Einführung zu ihrer Person gegeben hätte.  Wenn einem das Vorwissen fehlt, ist man raus. Ich habe abgeschaltet“, sagt der Zuschauer. Das sagen einige. Das ist schade, weil sie tolle Projekte macht.  Sie unterstützt  Start-Ups, die soziale Projekte mit Flüchtlingen entwickeln wollen. Gerade hat sie auch auf Samos eine mobile Klinik in einer Flüchtlingsunterkunft umgesetzt.  Die 26-Jährige selbst bietet an: „Das war noch sehr komplex, wer noch Fragen hat, schreibt mir eine Mail. Ich beantworte alle.“

Die südafrikanische Musikerin Heidi Joubert ist auch gekommen und überzeugt mit Eso-Charme, toller Stimme, Cajon und vor allem Authentizität.  Vergangenes Jahr war sie eine der beiden Protagonisten, die in der Frankfurter S-Bahn während der Musikmesse einen Internet-Hit hatten mit dem „Prince“-Cover von „Kiss“. Sie reißt das Mikro an sich und plaudert los. Sie sagt, dass sie sich dagegen entschieden hatte, ihren „Fünf-Minuten“-Erfolg zu nutzen, um sich in TV-Sendungen wie „The Voice“ vermarkten zu lassen. Stattdessen hat sie ihr eigenes Album aufgenommen. „Mein Ex-Freund gab mir immer das Gefühl, dass meine Songs zu kitschig seien, jetzt aber traue ich mich.“ Das Publikum ist begeistert von ihrer Song-Einlage.

Lustig ist der Auftritt des Berliner Autors Michael Nast, der mit seinem Dating-Buch „Generation Beziehungsunfähig“ einen Bestseller landete. Angefangen hatte alles mit einer Online-Kolumne und jetzt ist er so etwas  wie ein Popstar, der Hallen voller Mädels füllt. „Ich dachte, dass ich nur mein Umfeld in Berlin beschreibe, aber auch Leute aus den bayrischen Dörfern fanden sich in meinen Geschichten wieder.“ Matthias Schweighöfer hat sich die Filmrechte gesichert. „Dann kann Matthias nach all seinen Komödien endlich mal eine zerrissene Persönlichkeit spielen.“ Alle lachen. Im Februar erscheint Nasts erster Roman, verrät er.

Besonders berührend ist die Geschichte des Darmstädters Surfers Carlo Drechsel, der monatelang alleine durch Afrika reiste. Dabei ging es um viel mehr als um die nächste und beste Welle, sondern die vielen herzlichen Menschen, die er dort kennenlernte. Wie einen Straßenjungen, der so etwas wie sein „Soulmate“ wurde. Der Abschied habe ihm das Herz gebrochen. „Er kann nicht lesen und schreiben, aber er hat es geschafft, jemanden zu finden, dem er die Mail an mich diktierte.“

Es ist fast 23 Uhr, als der Abend nach knapp zweieinhalb Stunden endet. „Ein tolles, spannendes Format, nur etwas lang. Ich komme aber wieder“, so das Fazit einer Zuschauerin.

Der Termin für die zweite Show steht demnächst unter: www.inspiredby.vision

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