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Maskenpflicht in Frankfurt: Die eine macht’s, die andere nicht.

Corona in Frankfurt

Maskenpflicht in der Frankfurter Innenstadt: „Es gibt überall Infektionen“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Um einen neuen Lockdown zu verhindern, verschärft die Stadt Frankfurt abermals die Corona-Vorschriften. Laut Gesundheitsdezernenten Stefan Majer ist es „eine Minute vor zwölf“.

  • In Frankfurt steigt die Ansteckungsrate mit dem Corona-Virus immer schneller an.
  • Die Stadt kündigt jetzt schäfere Maßnahmen an.
  • Unter anderem wird die Maskenpflicht stark erweitert.

Mit Verspätung, mit sehr ernsten Gesichtern und in fühlbarer Anspannung treten OB Peter Feldmann (SPD) und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) vor die Journalisten. Das Stadtoberhaupt nennt die Zahl des Tages: In Frankfurt haben sich innerhalb von sieben Tagen 70,9 Menschen pro 100.000 Einwohner neu mit Covid-19 angesteckt. Antoni Walczok, der Vizechef des Gesundheitsamtes, fasst die dramatische Lage mit dem Satz zusammen: „Es gibt überall Infektionen.“ Das Infektionsgeschehen habe sich „sehr stark verändert,“ bilanziert der Mediziner.

Und Majer fügt hinzu: „Es ist eine Minute vor zwölf!“ Der Stadt müsse es jetzt gelingen, die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Der starke Anstieg der Fallzahlen bereite ihm „massiv Sorge“. Das Infektionsgeschehen sei „diffus“ geworden. Der Oberbürgermeister versichert aber: Schulen, Kitas, Kinos, Theater und Cafés könnten geöffnet bleiben: „Wir kämpfen gegen einen unsichtbaren Feind, aber wir steuern nicht auf einen Lockdown zu.“

Corona in Frankfurt: Der Lockdown soll vermieden werden

Zugleich verspricht der Gesundheitsdezernent: „Wir werden aus Frankfurt keinen Polizeistaat machen!“ Frankfurt bleibe „eine Stadt mündiger Bürger“. Und weiter: „Wir tun alles, damit es keinen Lockdown gibt.“ Um die neuen Corona-Vorschriften zu kontrollieren, hat die Stadt aber „personelle Verstärkung für das Ordnungsamt“ angefordert. Die Frage der FR, welches Bußgeld Maskenverweigerern droht, kann der Stadtrat nicht beantworten: „Da erwischen sie mich auf dem falschen Fuß.“

Das Gesundheitsamt hat in seiner Not die Hilfe von Bundeswehrsoldaten angefordert, die ersten treffen noch während der Pressekonferenz im Rathaus ein. Sie müssen jetzt „eingearbeitet und geschult“ werden, so Walczok, und sollen den Medizinern helfen, die Infektionswege trotz stark steigender Zahlen noch weiterzuverfolgen. Über die Hälfte der neu infizierten Menschen stamme aus der Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahren, „die haben große soziale Kontakte und feiern gerne“.

Maßnahmen ab dem 19.10. 2020

Ab 19. Oktober treten in Frankfurt am Main neue Vorschriften zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Kraft. Sie gelten zunächst bis 31. Oktober.

1. In der gesamten Innenstadt innerhalb des Anlagenrings und am südlichen Mainufer muss eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden.

2. Während der Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr gilt ein generelles Verkaufsverbot für Alkohol.

3. Profi-Sportveranstaltungen finden ohne Zuschauer statt.

4. Im öffentlichen Raum wird eine Kontaktbeschränkung auf zehn Personen eingeführt.

5. Private Feiern dürfen nur noch eine Höchstzahl von zehn Teilnehmern haben, wobei die Teilnehmer aus höchstens zwei Haushalten stammen dürfen.

6. Für öffentliche Veranstaltungen gilt eine Höchstgrenze von 100 Teilnehmern. Ausnahmen sind mit einem Gesundheitskonzept möglich, das vom Gesundheitsamt genehmigt werden muss.

7. An den weiterführenden Schulen gilt eine Maskenpflicht im Unterricht, sofern der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann. Beim Schulsport werden weitere Einschränkungen geprüft. Nach Möglichkeit soll der Sportunterricht nur kontaktlos und im Freien erfolgen.

8. Bei allen religiösen Feiern gilt Maskenpflicht, sofern der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann.

9. Erzieherinnen und Erzieher sind gehalten, im Kontakt untereinander und mit anderen Erwachsenen eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. Im Kontakt mit Kindern gilt dies lediglich, wenn es pädagogisch vertretbar ist. (jg)

Eintracht Frankfurt und der FSV: Zuschauer sind erst mal außen vor

Der Arzt beschreibt das größte Problem, mit dem die Mediziner kämpfen: „Die Pandemie frisst die Geduld auf.“ Immer wieder treffe die Stadt auf Menschen, die „keine Einsicht“ zeigten und mit „einer gewissen Aggression“ aufträten. Die Krankenhäuser in der Stadt besäßen „noch Kapazitäten“, sie seien „noch nicht überlastet“.

Der Gesundheitsdezernent tritt der heftigen Kritik des Hotel- und Gaststättenverbandes an der Sperrstunde zwischen 23 und 6 Uhr entgegen. Diese Vorwürfe stammten „aus einer anderen Zeit“, sagt Majer. Die Lage verändere sich stündlich, und die Stadt müsse reagieren. „Es gibt keine Diskussion mehr um die Sperrstunde“, so der Grüne mit Nachdruck. Der Oberbürgermeister verweist darauf, dass alle Klagen von Gastronomen und Clubs von den Gerichten „abgewiesen“ worden seien.

Der Gesundheitsdezernent hat noch vor der Pressekonferenz die großen Frankfurter Fußballvereine Eintracht Frankfurt und FSV persönlich darüber informiert, dass sie ohne Zuschauer spielen müssen. „Mit tut es persönlich verdammt leid“, versichert der Stadtrat und lobt die Hygienekonzepte der großen Fußballvereine. Aber die Lage lasse ihm leider keine andere Wahl. Der Profisport stehe jetzt „vor Riesenproblemen“. Wie lange das Zuschauerverbot gelten wird, kann Majer nicht sagen: „Vielleicht gibt es bessere Zeiten.“

Auf die Frage der FR, ob die geplante Eröffnung des Jüdischen Museums am 20. Oktober mit 250 Ehrengästen und ab 24. Oktober das Lesefestival „Frankfurt liest ein Buch“ mit 80 Veranstaltungen stattfinden könnten, erklärt Majer lediglich: „Das kann ich nicht sagen.“ Er ergänzt: „Wir werden auf die Veranstalter zugehen und sehen, ob Konzepte nachgesteuert werden können.“ Es könne aber sein, „dass Veranstaltungen abgesagt werden“. Hier komme auf das Gesundheitsamt in den nächsten Tagen „viel Arbeit“ zu.

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