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Maskenkontrollen in Frankfurt: „Viele lassen ihre Wut raus“

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Von: Sabine Schramek

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Längst nicht immer haben die Kontrolleur:innen es mit friedlichen Fahrgästen zu tun.
Längst nicht immer haben die Kontrolleur:innen es mit friedlichen Fahrgästen zu tun. © Rüffer

Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt kontrolliert inzwischen verstärkt die Einhaltung der Maskenpflicht und die Tickets. Die Leute im Einsatz brauchen ein dickes Fell.

Frankfurt - Wenn Rachid D., Dilyet Y., Saray G. und Souad J. im Auftrag der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) kontrollieren, tragen sie nicht nur ihre Uniformen, sondern auch ein dickes Fell. Sie werden wie weitere 106 Mitarbeiter von der Wisag als Service- und Prüfdienst in Bahnen eingesetzt.

„Seit Corona hat die Aggressivität zugenommen“, sagt Souad, die zu den rund 15 Prozent Frauen zählt, die als Kontrolleurinnen unterwegs sind. Ihre Nachnamen bleiben wegen der Aggression anonym. „Als Frau wird man erst mal nicht so für voll genommen“, erzählt sie mit freundlichem Lächeln. „Dafür werden die Leute bei Frauen aber auch nicht so laut.“ Mit geübtem Blick steigen sie und ihre drei Kollegen in die U-Bahn. Einige Passagiere ziehen rasch die Maske über Mund und Nase, andere steigen noch ganz schnell aus. Ein junger Mann mit Hemd und Anzug auf Reinigungsbügeln hat „sein Ticket vergessen“ und bekommt ein langes Ticket über 60 Euro „erhöhtes Beförderungsentgelt“. Er sagt „danke“, weil ihm erklärt wird, dass er nur sieben Euro Bearbeitungsgebühr zahlen muss, wenn er das gültige Ticket nachliefert.

Corona: Maskenkontrollen in Frankfurt - Manche werden ruppig

Eine Frau ohne Ticket und Maske wird ruppig. „Ich will, dass die Polizei kommt“, sagt sie giftig auf dem Bahnsteig und hält genervt ihren Bauch. Sie will keine Papiere vorzeigen, damit die Kontrolleure ihr die Knöllchen ausstellen können. Die Polizei wird informiert, einige Mitarbeiter der Sicherheit sind auf Abstand ebenfalls am Bahnsteig, auf den sie gebeten wurde. Nach kurzen Diskussionen mit den Kontrolleur:innen, einer frischen Maske und einer Flasche Wasser für die Lady entscheidet sie sich um. Die Polizei wird wieder abbestellt, das Ganze kostet die Frau 110 Euro.

„Der Umgang mit Fahrgästen ist eine Gratwanderung“, sagt Sven Heller, der Gruppenleiter Qualitätssicherung der VGF. „Einerseits steht Service ganz oben, andererseits ahnden wir es, wenn jemand keine Fahrkarten dabei hat oder keine Maske trägt. Da braucht man Fingerspitzengefühl.“

Corona: Aggressivität hat zugenommen

Das bestätigen die vier. „Man sieht schnell, wer abgehetzt zur Bahn rennt und kurz vergisst, die Maske aufzusetzen“, erzählt Saray. „In solchen Fällen reicht ein Handzeichen, und dann kassieren wir auch nicht ab. Und wenn wir beschimpft werden, nehmen wir es nicht persönlich.“ Während der sechswöchigen Ausbildung sind zwei bis drei Tage ausschließlich der Deeskalation und dem Umgang mit schwierigen Situationen gewidmet.

Am Bahnsteig sitzt eine zusammengesackte Frau an einer Säule. Zwei Kontrolleure sprechen sie an, geben ihr Wasser und rufen einen Krankenwagen. „Das machen wir etwa 80-mal im Monat. Jetzt, wo es so heiß ist, noch öfter“, berichten sie und bleiben bei der Frau, bis Hilfe kommt. Rachid und Dilyet sind derweil in die nächste Bahn eingestiegen – alle Passagiere tragen Maske, alle haben gültige Fahrscheine. „Das ist selten.“ Besonders schwierig seien die U- und Straßenbahnen vom und bis zum Hauptbahnhof, in der Tram sind denn auch wieder einige, die Ausreden haben und zahlen müssen.

Alleine würde keine:r aus dem Quartett kontrollieren wollen. Die vier sind auch froh, dass an allen Stationen Sicherheitsleute der Wisag für die VGF im Einsatz sind. Sie tragen Westen mit gelben Streifen. „Acht Kilo wiegt so eine Weste“, sagt einer der Sicherheitsleute. Er ist groß, muskulös und hat stechend blaue Augen. „Die Sicherheitswesten sind wichtig“, erzählt er. Vor zwei Wochen hat er in der Mittagspause an der Konstablerwache mit einem Kollegen einen Mann zu Boden gebracht, der einen anderen mit einer Machete am Oberarm verletzt hatte; die Polizei führte den Täter ab.

Corona-Kontrollen in Frankfurt: Krawall und Aggression

In einer U-Bahn ab Hauptbahnhof sitzen zwei junge Leute ohne Maske und ohne Ticket; sie werden der Bahn verwiesen. Der Mann hat angeblich keine Papiere dabei. „Pass auf, der geht flitzen“, flüstert ein Kontrolleur den Kollegen zu. Der aggressive Mann, eindeutig unter Drogen, rennt die Treppe hinauf. Die Frau zeigt ihre Papiere, erhält die Rechnung, als ihr Begleiter langsam die Treppe wieder herunterkommt. „Ich hab‘ deine Mutter gefickt“, beschimpft er Rachid und Saray. Sie lassen sich nicht anmerken, ob sie sich getroffen fühlen. „Abends ist es noch viel schlimmer“, sagt Souad. „Da lassen eine ganze Menge Leute ihre gesamte Wut raus und werden richtig dreist.“

Am schlimmsten seien Jugendliche in der Pubertät und Maskenverweigerer. Menschen, die einfach auf Krawall und Aggression aus seien. Aber wenn Fahrgäste Randale machen, ist der Sicherheitsdienst ganz schnell zur Stelle. (Sabine Schramek)

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