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Initiator Awi Wiesel und Projektmanagerin Setareh Alipour im Oststern.

Oststern in Frankfurt

"Wir sind eine Marke geworden"

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Bald ist Schluss mit der Kultur-Pop-up-Location Oststern in Frankfurt. Rückblick mit dem Initiator Awi Wiesel.

Gerade hat man sich an den Oststern, die coole Pop-up-Location in den ehemaligen Räumlichkeiten der Mercedes-Benz-Niederlassung, gewöhnt. Doch Ende des Jahres ist schon wieder Schluss mit Kunst, Theater und Foodtruck-Festivals. Denn im März 2019 kommen die Abrissbagger. Die Projektentwickler Lang & Cie, die Wohnkompanie und die ABG wollen das Areal auf der Hanauer Landstraße 121 wie geplant in ein Wohn- und Gewerbequartier umwandeln. Zeit für ein Abschiedsinterview mit Oststern-Initiator Awi Wiesel (49). 

Sie sind Arzt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Mainz. Wie sind Sie Initiator einer 15 000 Quadratmeter großen Kultur-Pop-up-Location geworden?
Ich kam dazu so unverhofft wie die Jungfrau zum Kind. Ich suchte eigentlich, weil ich noch ein kleines, nachhaltiges Projekt mit den Philippinen habe, eine neue Pop-up-Location. Auf dem jüdischen Kulturfestival habe ich vor einem Jahr meinen alten Grundschulfreund Thomas Wurm wiedergetroffen. Er ist der Vorstandsvorsitzender des Projektentwicklers Lang & Cie. Ich fragte ihn, ob er da nicht was wisse. Ich brauchte 50 Quadratmeter. Die Musik war aber an dem Abend sehr laut, die Leute haben auf den Tischen getanzt. Er und seine Freundin verstanden, ich bräuchte 15 000 Quadratmeter und sagten, da hätten sie was. Und so habe ich mich eine Woche später im Showroom der ehemaligen Mercedes-Niederlassung auf der Hanauer Landstraße wiedergefunden.

Und dann...?
...turnte mein Kopf los. Das wäre doch ein toller Ort für Ausstellungen, und die Werkshallen kann man zu Ateliers umbauen. Wir hatten hier in dem Jahr neben Kunstausstellungen auch Graffiti-Kunst-Festivals, Musikfestivals, Lesungen und Theaterperformances.

Woher kommt Ihre Kulturaffinität?
Ich bin in Frankfurt aufgewachsen, war lange DJ und hatte auch eine Kunstgalerie in Wiesbaden. Das Arzt-Sein an sich ist eine erfüllende Sache, aber mir hat das Kreative gefehlt. Aber weil ich einen Vollzeitjob hatte, wusste ich, ich brauche ein Team, zu dem die jetzige Projektmanagerin und Künstlerin Setareh Alipour später dazu kam. 

Die Künstler durften zumeist kostenlos hier ausstellen. Wie haben Sie das alles finanziert? 
Wir haben uns einen Businessplan zurechtgelegt, aber wenn es ein Projekt ist, das aus dem Nichts heraus entsteht, ist das schwierig. Vor allem, wenn man nicht mit Geld um sich werfen kann. Aber es sieht gut aus, dass wir am Ende mit einer schwarzen Null rausgehen. Am Anfang bekamen wir Geld vom Kulturamt der Stadt. Zudem haben wir Büros und Ateliers vermietet, aber uns auch mit kommerziellen Events wie Food-Festivals und Werbedrehs finanziert. Vor wenigen Wochen passierte eine lustige Geschichte: Da dachte ich, da wird so ein kleiner Film abgedreht, und plötzlich stand Gina-Lisa Lohfink vor mir. Mit einer großen Crew und Maseratis, die durch die Hallen fuhren. Sie war da, um ihr Musikvideo abzudrehen.

Sie hatten teure Kunst hängen, und die Türen standen meist offen. Ist nie was weggekommen?Bei unserer ersten großen Ausstellung hing hier Kunst im Wert von 600 000 Euro, bei der zweiten lag der Wert bei 1,8 Millionen Euro. Aber kein einziges Werk ist geklaut worden. Was aber gestohlen wurde, waren der Inhalt des Erste-Hilfe-Kastens und einige Feuerlöscher. Die Menschen klauen die komischsten Dinge. (lacht)

Was war Ihr Lieblingsprojekt? Und wie geht es weiter?
Für mich ist der Oststern am Ende ein Gesamtkunstwerk. Bevor das Gebäude im März 2019 abgerissen wird, sind wir glücklich, Gebäude durch die Kunst und das Leben, das in ihm stattgefunden hat, noch mal so richtig schön erstrahlt ist. Das Projekt wird enden. Aber wir haben gezeigt, dass wir etwas können – eine Marke geworden sind.

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