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Marokkaner sind bereit für die nächste WM-Party

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Die Marokkaner im Rhein-Main-Gebiet fiebern dem Viertelfinale gegen Portugal entgegen. Bei einem Sieg soll es wieder an die Konstablerwache gehen.

Die einen haben gestern gefeiert, die anderen wollen es heute tun. Nachdem die Kroaten gestern die Brasilianer im Elfmeterschießen aus der WM gekickt haben, waren in Frankfurt zunächst nicht wie erwartet Fans mit hupenden Autokorsos unterwegs. Rund 200 Leuten feierten in Kneipen in der Berliner Straße. Bis auf ein paar Böller anfangs war laut Polizei alles ruhig.

Die anderen – das sind Marokkaner aus Frankfurt. Heute um 16 Uhr trifft Marokko auf Portugal. Marokko ist zwar nur der Außenseiter, der es erstmals ins Viertelfinale einer Fußball-WM geschafft hat. Die Spannung bei den Fans ist entsprechend groß – bundesweit, und in Frankfurt besonders, steht doch mit Abdelhamid Sabiri ein echter Frankfurter auf dem Platz im Al Thumama Stadion. 6286 Marokkaner leben in Frankfurt, Portugiesen sind es 3985.

„Die Marokkaner feiern nach dem Spiel an der Konstablerwache“, sagt Scharif Kahjali, Schriftführer des FC Maroc 74. „Meine Jungs verabreden sich über Whatsapp mit ihren Freunden.“ So wie nach dem Spiel gegen Spanien, als 5000 Marokkaner aus Frankfurt und Umgebung ausgelassen feierten. Es kam zu leichten Sachbeschädigungen, aber die Feier war ganz überwiegend friedlich und ausgelassen. Die Polizei ist auch heute wieder vorbereitet.

Einen wirklichen Treffpunkt, um das Spiel gemeinsam zu schauen, gibt es jedoch nicht – weder seitens des FC Maroc, noch dass Kahjali sonst etwas wüsste. „Klar, man kann Freunde einladen nach Hause. Aber das gemeinsam Schauen ist im Winter ungünstig. Da kann man ja nicht im Freien sitzen.“ Manchmal gingen Freunde auch gemeinsam in eine Sportsbar. Etwa ins Café Rich in der Mainzer Landstraße. „Beim Spiel gegen Spanien war alles voll Marokko-Fans“, sagte gestern der Inhaber. „Aber für Samstag gibt es keine Reservierung.“

Vor der As-Salam-Moschee im Kleinen Zentrum der Nordweststadt stehen die Schuhe. Eben ist das Freitagsgebet zu Ende, die ersten Männer kommen heraus. Die meisten von ihnen sind Marokkaner, es ist eine marokkanische Moschee. Wo schauen sie das Spiel? „Bei mir zu Hause“, sagt Raschid Dorand (46). „Ich mag den Trubel nicht mehr so.“ Sein Tipp für den Spielausgang: 3:2 für Marokko.

Die Freunde Ali (18), Todi (20) und Younes (22) sind schon ganz heiß auf die Begegnung: „Wir schauen es zusammen an“, sagt Ali. Younes ergänzt: „Danach schmücken wir mein Auto mit marokkanischen Fahnen und fahren hupend zur Konstablerwache.“ Nicht nur Marokkaner – Younes ist Türke. „Wir wollen alle zusammen feiern“, sagt Todi. „Türken, Marokkaner, Deutsche. Es soll friedlich sein, es soll ein Fest für alle werden.“ In der marokkanischen Community werde auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es friedlich sein muss – anders als in Belgien nach dem gewonnenen Vorrundenspiel. „Die Marokkaner in Belgien sind ganz andere als die in Deutschland“, betont Todi. Die Freunde waren schon nach dem Spanien-Spiel zum Feiern in der Stadt. Nur die kleine Feier nach dem Belgien-Spiel haben sie ausgelassen.

„Da habe ich das noch nicht wichtig genug genommen“, sagt Ali. Inzwischen hat sich im Rhein-Main-Gebiet herumgesprochen, wo man feiern kann.

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