Römerbriefe

Markus Frank im Verhör

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Der Ordnungsdezernent würde sich über eine Polizeikontrolle freuen? Wir sagen: Das ist Bullshit. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert: Also, als der Oberbürgermeister „Black lives matter“ skandiert und keiner mitgemacht hat, das war schon hart.

Leppert: Stimmt. Aber ich denke immer noch, dass wir über Markus Frank schreiben sollten.

Göpfert: Wegen der Polizeikontrollen?

Leppert: Bullshit! Äh … ich meine: genau.

Die Sommerferien enden und es ist an der Zeit, an den einen ganz besonderen Moment zu erinnern, der diese sechs Wochen politisch geprägt hat. Wir haben uns entschieden für den Auftritt von Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) am Opernplatz. Dort gab es Proteste gegen verstärkte Polizeikontrollen. Auf einem Video ist zu sehen, wie Markus Frank den jungen Leuten erklärt, es gebe ja gar kein Racial Profiling. „Bullshit“ sei das, rief er – und ergänzte: Wenn er von der Polizei kontrolliert würde, dann würde ihn das freuen.

Nun muss man Frank aber mal in Schutz nehmen. Er ist ein Sindlinger Bub, hat blonde Haare … der weiß nicht, dass eine Polizeikontrolle unangenehm werden kann. Der weiß auch nicht, dass es Fragen gibt, die nerven („Wo kommen Sie her?“), dass es Fragen gibt, die noch mehr nerven („Nee, wo kommen Sie eigentlich her?“), und dass es einfach total ätzend ist, wenn man das Gefühl bekommt, kontrolliert zu werden, weil man eben nicht Frank heißt und Sindlinger in der 14. Generation ist.

Doch auch für Menschen wie Frank können Polizeikontrollen unangenehm werden. Wenn die Beamten die richtigen Fragen stellen. Etwa so …

Polizist 1: „Halt, Kontrolle, zeigen Sie Ihren Ausweis.“

Frank: „Bitte sehr. Ich freue mich so. Endlich eine Kontrolle.“

Polizist 2: „Herr Frank, wir haben da ein paar Fragen. Wo findet die nächste IAA statt?“

Frank: „Äh … in München, aber der Oberbürgermeister, der hat das alles zu verantworten …“

Polizist 2: „Einfache Fragen, einfache Antworten, klar? Essen Sie gerne Wurst?“

Frank: „Sehr gerne, der Jan Schneider …“

Polizist 1: „Warum zieht dann Wilhelm Brandenburg weg aus Frankfurt? Haben Sie auch schön verbockt, oder?“

Frank: „Das war …“

Polizist 2: „Dieser Jan Schneider ist Ihr Parteifreund, oder?“

Frank: „Ein sehr guter …“

Polizist 1: „Warum gibt der sich dann als Oberbürgermeister aus und schreibt Ihnen Briefe, dass Sie das Kaiserleiprojekt beenden sollen?

Frank: „Hören Sie …“

Polizist 2: „Seit wie vielen Jahren schaffen Sie es nicht, diese Halle zu bauen?

Frank: „Knapp zehn, aber diese Fragen …“

Polizist 1: „Wir fragen, Sie antworten: Wie viele Prozesse zu Sonntagsöffnungen von Läden haben Sie schon gewonnen?

Frank: „Keinen?“

Polizist 2: „Wieso wurden Sie 2012 nicht OB-Kandidat? Wieso werden Sie es auch 2024 nicht? Wieso müssen wir im Bahnhofsviertel Ihren Job machen? Haben Sie die langen Schlangen vor der Ausländerbehörde persönlich zu verantworten?“

Und die Moral von der Geschichte: Zu viele Fragen können unangenehm sein. Auch ganz ohne Migrationshintergrund.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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