Sichtlicher Spaß am Second-Hand-Look.

Ostend

Markt der Nachhaltigkeit

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Nur Gebrauchtes und Selbstgemachtes ist Frankfurter Garten zu haben.

Vor den Tomaten-Stauden wechselt der Sportwagen schnell seinen Besitzer. Beim „Market for Future“ im „Neuen Frankfurter Garten“ am Ostbahnhof schaut Nate Appel den jungen Verkäufer hinter dem Tapeziertisch fragend an. Er möchte erfahren, was der für das Spielzeug-Auto haben möchte. Weil Appel nur Englisch spricht, hält der Besucher des Flohmarktes eine Münze hoch. Der Junge nickt und nimmt die gebotenen 50 Cents mit einem Grinsen entgegen. So schnell laufen die Geschäfte am frühen Sonntagnachmittag bei dem „Nachhaltigkeitsmarkt“ mit gebrauchten Artikeln unter den Schatten spendenden Bäumen nur selten. Zwischen den Pflanzen des ehrenamtlichen Gartenkollektivs haben mehr als ein Dutzend Standbetreiber ihre Tische aufgebaut. Willige Käufer zeigen sich bei hochsommerlichen Temperaturen zunächst wenige.

Die meisten der Besucher sitzen auf Bierbänken oder fläzen in Liegestühlen. Mit Essen und Trinken werden sie von den Mitgliedern des Vereins „Bienen-Baum-Gut“ versorgt, der den öffentlichen Garten betreibt und den Markt organisiert hat. Selbst gebackenen Kuchen verkaufen einige der rund 40 Vereinsmitglieder, ebenso wie Apfel-Gelee und Kirsch-Pflaumen-Marmelade. Die Früchte dazu stammen aus dem Frankfurter Garten. Auch selbst geimkerter Honig wird verkauft. Gegrillte Käsebrote und Polenta mit Mango-Chutney und Gurken-Dip gibt es an einem kleinen, grauen Bus mit der Aufschrift „Resteküche“. Dort haben Mitglieder der Gruppe „Shout out loud“ aus geretteten Lebensmitteln gekocht und verteilen das Essen kostenlos.

Ziel des „Nachhaltigkeitsmarktes“ sei es, auch die Besucher zu informieren, sagt die zweite Vorsitzende des Bienen-Baum-Gut-Vereins, Corina Haurová, die sich im Garten um die Bienen kümmert. „Wir wollen ein niedrigschwelliger Ort der Begegnung sein“, sagt Haurová. Wenn jemand etwa mit altem Saatgut experimentieren wolle, sei er im Frankfurter Garten richtig. „Wir sind keine Profi-Gärtner“, fügt Haurová hinzu. Sie empfängt Gäste auf einer selbst gezimmerten Holzbühne: Aktive von „People for future“, die die Freitagsdemonstrationen der Schüler für eine klimafreundlichere Politik unterstützen oder eine Vertreterin der Klimawerkstatt Ginnheim. Daneben wird eine Online-Plattform vorgestellt, bei der man sich Gegenstände, beispielsweise eine Bohrmaschine oder Bierzelt-Garnitur, ausleihen kann, um diese nicht kaufen zu müssen. Katharina Nicklas-Brandau aus Karben gefällt die „Atmosphäre des Marktes im Grünen“. „Ich liebe Gebrauchtes, alles andere macht mich nicht an“, sagt sie. Kleidung etwa kaufe sie sich nur neu, wenn es sie gebraucht nicht gebe. Auf dem Markt hat sich die 38-Jährige eine „Haarwasch-Seife“ gekauft, in der kein Mikroplastik enthalten sei und die im Handel sonst selten angeboten werde. Ihre Freundin Martina Ehlers hat ein Sonnen-Käppi erstanden. „Super“, findet sie den Markt und hofft, dass der Frankfurter Garten auch weiterhin bestehen bleibt.

Das Gelände am Danziger Platz vor dem Ostbahnhof hatte lange brachgelegen, ehe es die Aktivisten mit dem grünen Daumen übernehmen durften.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) stehe als Schirmherrin hinter dem Projekt, berichtet die Vereinsvorsitzende Haurová. Trotzdem müsse ihr Verein jedes Jahr seine Nutzungsrechte verlängern lassen.

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