Ernst Berger auf dem Markt an der Konstablerwache.
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Ernst Berger auf dem Markt an der Konstablerwache.

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Markt auf der Konstablerwache: Fleckchen mit südlichem Flair

  • vonFlora Schilling
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Der Markt auf der Konstablerwache wird langsam wieder zum Treffpunkt.

Es ist Samstag, 9.30 Uhr, und noch ruhig auf dem Erzeugermarkt der Konstablerwache. Es riecht nach Backerzeugnissen, Obst, Gemüse und Apfelwein – seit der Ausschank wieder erlaubt ist. Um diese Zeit gehörte der Markt – vor Corona – den Einkäufern und frühen Flaneuren. Es ließ sich noch entspannt über die Pflastersteine durch die Gänge schlendern und mit den Standbetreibern plaudern. Ab Mittag wurde das Durchkommen schwierig, wenn die Laufkundschaft kam. Dann wurde sich gerne und zahlreich an den Gastronomieständen niedergelassen. All dies war in den vergangenen Monaten nicht möglich.

Jetzt prägen die Absperrbänder, die die Wege für die maskierten Einkäufer vorgeben, das Marktbild. Durch die Abstandsregelungen winden sich meterlange Schlangen um die Stände und niemand hat Gelegenheit für einen Plausch: einkaufen und weg. Mittlerweile darf wieder Ausschank betrieben werden, mit Abstand zwischen den Tischen und beschränkter Gästeanzahl; das wird auch kontrolliert. Ein kleiner Schritt Richtung Normalität für den „Konsti-Markt“, der sich in den vergangenen Jahren vom reinen Einkaufsort zum Treffpunkt entwickelt hatte.

Das ist eine Besonderheit dieses Markts, wie Standbetreiber Ernst Berger berichtet. Er ist von Anfang an dabei, einer der Pioniere der ersten Stunde beim Erzeugermarkt, der im vergangenen Jahr 30-jähriges Jubiläum feierte. Ernst bietet Gemüse, Eier, Brot, Kuchen und – jetzt wieder –– „Ebbelwei mit Handkäs“ und „Worschtebrot“ an. Er ist ein hessisches Original und hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen.

Über die Jahre habe sich der Markt sehr positiv entwickelt. Nachdem es zunächst Anlaufschwierigkeiten gab, wurde er mehr und mehr angenommen. „Jetzt isser ’ne Institution und für uns ein wichtiges Standbein geworden, was ich mit der Landwirtschaft gar net erwirtschaften kann“, resümiert Ernst. Zu Hause ist Ernst in Bruchköbel, wo er auch am dortigen Markt freitags einen Stand betreibt. Der sei allerdings ein reiner „Grünzeugmarkt, nix mit Imbiss“. Die Leute kaufen ein fürs Wochenende und gehen dann wieder. Das sei auf der „Konsti“ ganz anders. Hier machen mittlerweile gerade das Imbissangebot und Verweilen am Stand den Flair und das Geschäft aus – normalerweise. Durch Corona habe sich das alles verändert, allem voran die besondere Marktatmosphäre, die seit März nur noch unstet und flüchtig gewesen sei. Dazu hatte Ernst durch den Wegfall seines Hauptgeschäfts, dem Ausschank und Imbiss, einen Umsatzverlust von 40 Prozent seit dem Lockdown. Die Stammkunden seien zwar stets weiterhin zum Einkaufen gekommen, konnten aber nicht verweilen.

Ein „Ernst-“ und Marktstammkunde, er ist ein in der Nachbarschaft ansässiger Anwalt, vermisst ebenfalls den „alten“ Markt. Vor Corona genoss er stets den freundlichen Plausch und das gemischte Marktpublikum oder traf sich donnerstags, der zweite Konsti-Markttag, gerne zur Mittagspause mit Kollegen auf ein Bier oder einen Wein „drüben auf dem Markt“.

Was er sonst am „Konsti-Markt“ schätzt? „Die Urbanität ohne Urbanität. Die Konsti ist ja das benachteiligte Ende der Zeil. Und dann gibt’s hier aber dieses Fleckchen, wo’s ganz urban zugeht, mit fast schon südlichem Flair, wo man sich trifft, Jung und Alt, privat und geschäftlich, Studenten, Angestellte, Arbeiter, Anwälte und Richter, Eintracht-Fans, wenn ein Heimspiel ansteht.“ Bis zu dieser Normalität wird es wohl noch ein Weilchen dauern, aber sie kommt Schritt für Schritt wieder.

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