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Abbauarbeiten auf dem Weihnachtsmarkt.

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Frankfurt: Der Markt geht, das Geläut kommt

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Alle Jahre wieder: Auf das Gedränge folgt das Gebimmel, Busse und Bahnen fahren reduziert.

Wer jetzt kein Lebkuchenhaus hat, kauft sich auch keines mehr. Jedenfalls nicht auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt, der ist seit gestern Geschichte. Allüberall werden die Stände am Montag abgebaut, weil auch die Beschicker daheim bei ihren Lieben feiern wollen.

Wie ein Fels in der Brandung, aber irgendwie auch ein bisschen traurig, steht Peter von Orb vor dem Römer. Peter von Orb ist der heurige Weihnachtsbaum, seinen Namen verdankt er dem Spessarträuber Peter von Orb, der nach Auskunft der Stadt „zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges als eine Art Robin Hood galt, da er vorgab, den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben – einen ordentlichen Teil aber behielt er für sich selbst und seine Bande“. Ob Peter traurig ist, weil er demnächst „gemeinnützig weiterverarbeitet und zu Tischen und Bänken für ein Grünes Klassenzimmer am Schullandheim in Bad Orb“ werden wird oder weil er in der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt schlussendlich noch seinen Meister gefunden hat, ist nicht zu klären, die Fichte gibt sich wortkarg.

Vielleicht findet Peter ja ein wenig Trost in den himmlischen Klängen, die in Frankfurt traditionell das Ende des Weihnachtsmarkts und die Geburt unseres Erlösers verkünden: dem Frankfurter Stadtgeläut. Schöner als Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker kann man es nicht formulieren: „Dieser Moment ist etwas ganz Besonderes, wenn viele Menschen gemeinsam den Klängen der sehr unterschiedlichen Glocken des großen Stadtgeläuts lauschen und sozusagen die Weihnachtszeit damit eingeläutet wird.“

Diese sehr spezielle Frankfurter Tradition wurde 1347 begründet, anlässlich der Totenmesse für Kaiser Ludwig den Bayern. Ihre heutige Form verdanken wir dem Mainzer Professor Paul Smets, der in einer Zeit, als der Magistrat sich noch um so etwas kümmerte (1954), von jenem den Auftrag bekam, die Kirchenglocken, die den Zweiten Weltkrieg überdauert hatten, zu einem harmonischen Zusammenspiel zu synchronisieren.

„Die beliebtesten Standorte sind dabei die Hauptwache, der Liebfrauenberg, der Paulsplatz, der Römerberg und der Eiserne Steg“, rät die Stadt allen Menschen, die nicht unter Klaustrophobie leiden. Vollendet wurde das Stadtgeläut 1995 mit den vier kleinen Glocken des Karmeliterklosters, die aber eine Oktave höher gestimmt sind als von Smets vorgesehen.

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