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Denise Omurca am Eingang des Hotels Libertine.

Interview

"Potenzial, wieder ein tolles Viertel zu sein"

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Denise Omurca glaubt, Alt-Sachs könne familientauglich werden. Sie ist Libertine-Geschäftsführerin.

Von außen fällt das Libertine-Hotel am Frankensteiner Platz in Alt-Sachsenhausen kaum auf – wenige Meter vor der Großen und Kleinen Rittergasse, wo das Partyvolk besonders freitags- und samstagnachts gerne abfeiert. Am Eingang des Libertine stehen ein rosafarbener Check-in-Automat und eine gelbe Vespa, die kann man sich als Hotelgast ausleihen. Statt einer klassischen Empfangshalle erinnert das „Wohnzimmer“ an ein hübsches Café. Es gibt Kuchen und Espresso. Das Libertine ist eins der Projekte, mit denen Immobilien-Entwickler Steen Rothenberger Alt-Sachs wieder zu einem „tollen“ Viertel machen will, eines, das irgendwann auch familientauglich ist. Er selbst ist oft deutschlandweit unterwegs, immer vor Ort ist die Libertine-Geschäftsführerin Denise Omurca (32).

Seit 2015 sind Sie in Alt-Sachs. Angefangen hat alles mit der Location „Der kleine Mann mit dem Blitz“: eine Mischung aus Ausstellungsraum, Bar und Galerie. Vor einem Jahr haben Sie das Boutiquehotel Libertine eröffnet. Wieso hier, Frau Omurca?
Der Glaube, dass Alt-Sachs mal ein tolles Viertel war und wieder sein kann, war Steen Rothenbergers Vision von Anfang an. Wir wollen die Stadtteilentwicklung vorantreiben, aber nicht die Alleinherrschaft in Alt-Sachsenhausen an uns reißen. Das Ziel ist, dass wir auch andere Investoren dafür begeistern können, was anderes als Shisha-Bars oder Alt-Sachs-Kneipen, die mit „Ficken“ für 1,50 Euro werben, zu eröffnen. „Ficken“ ist übrigens ein Beerenlikör. (lacht) Wir selbst betreiben Locations, die man bislang nur in anderen Stadtteilen findet: die also Spaß machen, aber auch einen kulturellen Anspruch haben.

Aber ist es denn vorstellbar, dass Alt-Sachsenhausen kein Amüsierviertel mehr sein wird?
Das, was freitag- und samstagabends hier passiert, entspricht nicht dem, was ich unter Unterhaltung verstehe. Das mögen andere anders sehen. Unser Ziel ist es, dass Unterhaltung auf eine andere Art und Weise wieder wahrgenommen wird. Das Viertel hat Potenzial, wunderschön zu sein, und wir wünschen uns, dass man auch irgendwann seine Kinder hier großziehen kann. Alt-Sachsenhausen soll aber auch weiter ein Amüsierviertel mit traditionellen Apfelweinkneipen bleiben, aber eben keines, das für Shisha-Bars und billigen Alkohol steht. Wir wollen, dass es diese in Zukunft gar nicht mehr im Viertel gibt.

Wie schnell geht denn der Wandel?
Es geht langsam voran, hat aber aus unserer Sicht keine Eile. Manchmal haben wir Konzertabende in dem Tonstudio, das unten in unserem Hotel beheimatet ist. Dahin kommt ein junges Frankfurter Publikum, das sonst nie seinen Weg nach Alt-Sachsenhausen gefunden hätte. Das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Gegenüber des Libertine-Hotels haben Sie Anfang des Jahres einen ehemaligen Dönerladen in die Bar „Bonechina“ verwandelt. Da gibt es nicht den typischen Tresen, die Barkeeper mischen sich unter die Gäste. Und man muss klingeln, um überhaupt reinzukommen …
Es gibt vorgemixte Getränke, oder man kann auch den Barkeepern assistieren. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, am Freitag und Samstag die Bar nicht zu öffnen. Wir wollen unser Publikum davor schützen, was freitags- und samstagabends hier vor der Tür passiert.

Auch in der Natural Wine Bar „Showmanship“, die Sie mit den erfolgreichen Bahnhofsviertel-Machern James und David Ardinast betreiben, locken Sie in die Paradiesgasse 17 ein etwas besser situiertes Publikum an …
Ganz früher war das hier mal eine Gaststätte, später war „Marco Polo“ drin. Dann stand es lange leer. Es hat von außen etwas von einem verrückten Freizeitpark. Eigentlich sollte das nur eine Pop-up-Location sein, die für ein Jahr bespielt wird. Aber jetzt wurde es so gut angenommen, dass es einen zweiten Tag dazugibt. Es ist immer donnerstags und freitags geöffnet. Das ist hier auch nicht das typische Alt-Sachs-Publikum, sondern Leute, die sich für das Weinthema interessieren, bis zu jungen Leuten, die kommen, weil James und David hier Gastgeber sind. Solange wir nichts anderes machen, bleibt das „Showmanship“. Irgendwann wird hier was mit dem Gebäude passieren, aber was das sein wird, wird noch nicht verraten.

Interview: Kathrin Rosendorff

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