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Manuela Rottmann: Über allem steht der Klimaschutz

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Von: Georg Leppert

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Manuela Rottmann will erste grüne Oberbürgermeisterin in Frankfurt werden.
Manuela Rottmann will erste grüne Oberbürgermeisterin in Frankfurt werden. © Monika Müller

Die Kandidatin der Grünen, Manuela Rottmann, legt ein durchaus ambitioniertes Wahlprogramm vor.

Frankfurt – Etwas symbolisch ist der Ort ja schon. Manuela Rottmann, OB-Kandidatin der Grünen, lädt in den Saasfee-Pavillon ein, ein winziges, für kulturelle Zwecke genutztes Gebäude inmitten einer Grünfläche in der Nähe der Bleichstraße. Dort will Rottmann ihr Wahlprogramm vorstellen. Manche Journalist:innen kennen den Pavillon überhaupt nicht, stapfen zunächst orientierungslos über den Rasen, werden nach einiger Zeit dann aber doch zum Ort des Geschehens gelotst. „Manchmal“, so begrüßt Rottmann die Presse, „muss man neu auf die Stadt schauen.“

Ganz neu sind viele Forderungen und Ideen, die die 50 Jahre alte OB-Kandidatin am Freitag präsentiert, nicht. Aber in Gänze ergeben sie ein durchaus ambitioniertes Wahlprogramm für die OB-Wahl in Frankfurt.

Über allem steht bei Rottmann der Klimaschutz. Klimaneutralität in Frankfurt bis 2035, so das große Versprechen der gebürtigen Fränkin, die zehn Jahre lang Dezernentin in Frankfurt war und mittlerweile im Bundestag sitzt. Das bedeutet konkret: Es soll schon weiter gebaut werden. Die Notwendigkeit von bezahlbarem Wohnraum sei in der Frankfurter Politik ja nicht umstritten, so die Kandidatin.

OB-Wahl in Frankfurt: Zisternen gegen die Abhängigkeit beim Wasserbedarf

Aber: Baugebiete müssten ganz anders geplant werden. Tiefgaragen etwa seien teuer und klimaschädlich und außerdem überflüssig, wenn es denn nur ausreichend Carsharing-Stationen gäbe – auch in Stadtteilen, die etwas weiter von der Innenstadt entfernt sind. Dafür setzt sich Rottmann ein. Bis 2025 soll es niemand weiter als einen Kilometer zur nächsten Station haben, so ihre Forderung.

Außerdem soll Frankfurt zu einer „Schwammstadt“ werden. Sprich: Das Wasser, mit dem in der Großstadt die Bäume bewässert werden, soll nicht mehr aus Südhessen oder dem Vogelsberg kommen. Zum Beispiel mit Zisternen will Rottmann dafür sorgen, dass Frankfurt genügend Wasser hat.

Und dann ist da noch die Solarenergie. Rottmann macht deutlich, dass sie es geradezu absurd findet, wie wenig Frankfurt aus seinen Möglichkeiten mache. Gerade einmal 3,5 Prozent der zur Verfügung stehenden Dachflächen würden genutzt, sagt die Grünen-Politikerin.

OB-Wahl in Frankfurt: Rottmann will gute Angebote im ÖPNV machen

„Schneller am Ziel – im Verkehr und in der Politik“, wird auf den Plakaten stehen, die die Grünen von heute an aufhängen (an der Friedberger Landstraße hing am Freitag bereits eines, was bei der Konkurrenz für etwas Unmut sorgte). Gemeint sei damit eine Politik, die nicht an der Stadtgrenze haltmachen dürfe, so Rottmann. So sei noch nichts gewonnen, wenn in Frankfurt langsam immer mehr Leute das Auto stehen ließen. Es gehe auch darum, den Pendlerinnen und Pendlern gute Angebote im ÖPNV zu machen – zusätzlich zur geplanten Regionaltangente West und der nordmainischen S-Bahn.

Es finden sich noch andere Punkte in Rottmanns Wahlprogramm, und nicht über jeden davon werden die Koalitionspartner der Grünen im Römer glücklich sein. So spricht die Kandidatin über Kinderbetreuung und betont wieder und wieder, dass es ihr um Qualität gehe und um den Ausbau der Angebote und nicht immer nur die Beiträge im Mittelpunkt der Diskussion stehen dürften. Zumal es ja Hilfen für Menschen mit wenig Geld gebe. Das wiederholt sie auch auf Nachfrage. Und ohne dass sie es einmal wörtlich sagen muss, hat auch der und die Letzte im Raum verstanden: Rottmann möchte das kostenlose letzte Krippenjahr nicht, obwohl es im Koalitionsvertrag steht und Bildungsdezernentin Sylvia Weber und ihre SPD mittlerweile sehr energisch dafür kämpfen.

OB-Wahl in Frankfurt: Rottmann will für substanzielle Verbesserung im Bahnhofsviertel Gespräche führen

Beim Bahnhofsviertel gehen Rottmanns Vorschläge um einiges mehr in die Tiefe als der „Rettungsplan“, den CDU-Kandidat Uwe Becker unlängst der „Bild“ vorgestellt hatte. Ja, es gebe einiges, was die Stadt noch machen könne, jenseits der Erweiterung der Hilfsangebote, die Sozialdezernentin Elke Voitl und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (beide Grüne) kürzlich angekündigt hatten.

Generell könne „mehr Ordnung“ im Viertel Einzug halten, etwa durch die Beseitigung der vielen herumliegenden E-Roller. Aber: Für substanzielle Verbesserungen brauche es die Bundespolitik. Gesetzesänderungen seien notwendig, etwa beim Kleinhandel mit harten Drogen oder zur Frage, wie Menschen legal an Cannabis kommen. Darüber werde sie sehr bald nach ihrer Wahl in Berlin Gespräche führen, so Rottmann.

OB-Wahl in Frankfurt: „Viele Müllcontainer führen zu viel Müll“

Bleibt noch die Sauberkeit. Frankfurt sei zu dreckig, sagt Rottmann. Die Lösung seien aber nicht weitere und größere Müllcontainer (etwa für die nächtlichen Partys in den Parks). „Viele Müllcontainer führen zu viel Müll“, sagt die Grüne. Nötig sei eine neue Kultur, die Menschen sollten sich lieber in Cafés setzen, statt mit dem Coffee-to-go-Becher durch die Straßen zu gehen.

Dass Leute zwar Weinflaschen zum Treffen am Main mitbringen können, diese aber nicht wieder mitnehmen, wundere sie zwar. Aber, räumt Rottmann ein: „Den Schritt, dass die Menschen ihr Zeugs mit nach Hause nehmen und dort entsorgen, den haben wir noch nicht geschafft.“ (Georg Leppert)

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