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Eintracht-Star Timothy Chandler eröffnet die Leseaktion Buchstapler in der Schulbibliothek der Textorschule.

Sachsenhausen

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Eintracht-Spieler Timothy Chandler liest zum Auftakt der Aktion Buchstapler. Kinder sollen ihr Textverständnis verfeinern.

Eintracht-Legende Charly Körbel hält den Rekord für die meisten Einsätze in der Bundesliga, liest Eintracht-Spieler Timothy Chandler aus dem Buch „Mega verrückte Fußballfakten“ vor. „Was meint ihr, wie viele waren das“, fragt er die Zweitklässler der Textorschule. Hundert, rät ein Schüler, 1000 ein anderer, rund 600 weiß ein weiterer, und hat anscheinend Ahnung, denn es stimmt. Und welche Schuhgröße haben wohl die Bayern-Spieler Thomas Müller und Manuel Neuer?, fragt der Profisportler. Es dauert eine Weile, bis die Kinder auf die 47 kommen.

Abwehrspieler Chandler liest am Montag zum Start der Aktion Buchstapler in der Schulbibliothek der Sachsenhäuser Grundschule aus zwei Büchern und stellt sich den Fragen der Kinder. Die Schüler, viele von ihnen in Trikot, mit Schal oder Eintracht-Kappe, wollen wissen, ob der DFB-Pokal bei dem 28-Jährigen zu Hause stehe (tut er nicht), wie viele rote Karten er schon bekommen (zwei) oder wie viele Tore er in der Bundesliga geschossen habe (neun). Ob er sich schon mal ein Bein gebrochen habe (nur verstaucht), mies gefoult wurde (zu oft) und eine Schwalbe versuchte habe (natürlich nicht).

Dabei ist der Hauptgrund, warum Chandler eingeladen wurde, nicht der Fußball, sondern das Lesen. Das Buchstapeln. Bis zum 23. März stehen in allen öffentlichen und elf Schulbibliotheken in Frankfurt 30 aktuelle Titel bereit. Kinder von acht bis zwölf Jahren können ihre Lieblingsgeschichte auswählen und bewerten, sagt Roswitha Kopp von der Stadtbücherei Frankfurt. Dabei gehe es nicht nur ums Lesen lernen, auch um eine kritische Auseinandersetzung. Denn die Kinder sollen auch begründen, was sie gut fanden und was ihnen weniger gefallen hat.

Die Schüler sollen ihr Textverständnis verfeinern. Und schließlich sei die Leseförderung auch eine Grundvoraussetzung für Bildung, sagt Ottilie Wenzler von der Stiftung der Frankfurter Sparkasse, die Buchstapler seit 24 Jahren mit der Stadtbücherei organisiert. Rund 3000 Kinder beteiligten sich vergangenes Jahr an der Aktion, die da noch „Buch auf – Meinung ab“ hieß.

Timothy Chandler unterstütze die Arbeit gerne. Dabei sei er als Kind keine Leseratte gewesen, erzählt er. „Ich war meistens draußen kicken.“ Aber wer weiß, wenn es solch eine Aktion damals gegeben hätte, vielleicht hätte er sich öfter zum schmökern hingesetzt. Denn Lesen sei wichtig für Kinder. Bald werde er auch viel vorlesen, der Fußballer wird Papa.

„Ihr könnt es Euch auch gemütlich machen und die Augen schließen, das habe ich immer gerne getan, wenn mir vorgelesen wurde“, sagt der gebürtige Frankfurter zu den Zweitklässlern bevor er aus dem Buch „Das Ravioli-Chaos oder Wie ich plötzlich Held wurde“ zitiert.

Die Kinder kichern, machen es sich aber auf den grünen Kissen, Sitzen und Stühlen bequem. Auch dieses Buch passt zu Chandler. Denn darin überlegen Lenni und sein Freund Walze, wie sie berühmt werden können und ziehen eine Fußballkarriere in Betracht.

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