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Manni, der Frankfurter Weihnachtsbaum

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Von: Sandra Busch

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Manni ist 26 Meter groß –ein wenig kleiner als frühere Frankfurter Weihnachtsbäume. tourismus+congress
Manni ist 26 Meter groß –ein wenig kleiner als frühere Frankfurter Weihnachtsbäume. tourismus+congress © Tourismus+Congress

Die Fichte für den Frankfurter Römerberg kommt in diesem Jahr aus dem Spessart und heißt Manni. Sie ist ein wenig kleiner als frühere Frankfurter Weihnachtsbäume – das hat auch Vorteile.

Thomas Feda nickt anerkennend, als er die Fichte im Spessart-Wald begutachtet. „Ein schöner Baum“, sagt der Chef der Frankfurter Tourismus und Congress GmbH (TCF) am Montag in der Nachmittagssonne. „Einer der schönsten Bäume, die wir je gesehen haben.“ Und der sich gut machen würde auf dem Römerberg als Weihnachtsbaum. Aber schnell ist klar: Diese Fichte wird nicht am Römer stehen. „Er ist sehr breit, den bekommen wir nie auf einen Tieflader“, sagt Feda. Schön, aber unpraktikabel. Und so fällt Kandidat 1 des diesjährigen Weihnachtsbaum-Castings durch. Wird nichts mit einem Platz am Römer.

Eine Delegation aus Mitarbeitenden der Tourismus- und Congress GmbH und Journalist:innen hat sich in den hessischen Spessart aufgemacht, um den Weihnachtsbaum 2022 auszusuchen. Die Weihnachtsbaumverkäufer Matthias Krug und Robert Bonhard haben lange nach Kandidaten Ausschau gehalten. Seit Mitte Juli waren sie im Wald unterwegs. Bereits im vergangenen Jahr haben sie die Fichte Gretel im Spessart für die Stadt Frankfurt gefunden. Nun haben sie sich erneut auf die Suche begeben, doch es war schwierig. Der Sommer war sehr trocken, „die Bäume haben gelitten“, sagt Bonhard. Die dürren Nadeln würden schnell abfallen und es stünde dann ein leerer Baum da.

Ein paar gute Weihnachtsbaumexemplare haben sie dennoch gefunden. Kandidat 2 steht nicht weit von Kandidat 1 entfernt. In Lohrhaupten im Flörsbachtal. Im Schatten, „an einer nassen Stelle“, sagt Krug. Also keine Nadelgefahr. Keine trockenen Äste. Und Feda? Nickt wieder anerkennend. „Kerzengerade. Ein Traumbaum.“ Zumindest auf den ersten Blick. Und von der einen Seite. Feda schreitet um den Baum herum. Und nickt weiter anerkennend. „Der passt gut“, sagt er. Und so fällt die Entscheidung auch einstimmig aus. Das ist er, der Frankfurter Weihnachtsbaum.

Manni heißt er. Und Manni ist 50 bis 60 Jahre alt, 26 Meter groß. Ein wenig kleiner als sonst üblich für Frankfurter Weihnachtsbäume, die eher 30 Meter oder höher sind. „Er wird nicht über den Römer drüberschauen“, sagt Feda. Etwa genauso hoch sein wie das Rathaus. Reicht auch. „Sonst brauchen wir bis zu 6000 Lichter am Baum, jetzt werden wohl 4000 reichen.“

In Zeiten, in denen Energie gespart werden muss, ist die geringere Größe auch ein Vorteil. Zudem sollen die Lichter wahrscheinlich auch nicht wie sonst um zehn Uhr morgens angehen. „Ich werde vorschlagen, dass sie erst angehen, wenn es dunkel ist und um 21.30 Uhr nach dem Weihnachtsmarkt ausgehen“, sagt Feda. 70 Prozent weniger Brenndauer, so kann schon was an Energie gespart werden.

Aber noch steht Manni im Spessart. Auch wenn er nicht Frankfurter Weihnachtsbaum werden würde, würde er dort vermutlich nicht mehr allzu lange stehen. „Es hat schon geheißen, es wäre gut, wenn er da wegkäme, um Platz für die anderen Bäume zu machen“, sagt Krug. Auch stünde er an der Stelle sehr windanfällig. Wie schon im vergangenen Jahr kauft die TCF den Baum, hat sich wegen Corona nicht wie all die Jahre zuvor nach Regionen umgesehen, die Bäume spenden. Kosten für Manni? „Ein vierstelliger Betrag“, sagt Feda.

Am 26. Oktober soll der Baum gefällt werden, am 1. November nach Frankfurt kommen. Der Transport ist immer ein Abenteuer. Bäume, die ohne Äste ankommen, Transporter, die Ampeln umfahren oder mit dem Baum nicht um die Ecke kommen – irgendwas passiert immer. Und Feda blickt nun doch etwas kritisch auf Manni. „Ich hab ein bisschen Angst mit dem Ästen beim Verladen“, sagt er. „Das ist einer der breitesten Bäume, die wir je hatten.“

Denn der drei Tonnen schwere Manni muss für den Transport gebunden werden. Die ausladenden Äste zu binden ohne dass sie brechen, das könnte schwierig werden. Doch Krug beruhigt. „Vom Binden ist dieser Baum einfacher als der im vergangenen Jahr. Er ist nicht so dicht gewachsen, die Äste sind nicht so dick.“ Feda wirft Manni noch einmal einen prüfenden Blick zu: „Ja, er hat weniger Äste als sonst, ist luftiger.“ Wird schon klappen mit dem Binden. Und sollte es doch Schwierigkeiten geben, „dann trennen wir Äste ab“, sagt Krug. Dann kommt Manni vielleicht mit kahlen Stellen in Frankfurt an, „aber die Äste kann man wieder dranmachen“, sagt Krug. Dafür gibt es schließlich Baumkosmetiker Jörg Renneisen. Der kann das.

Die unteren Äste werden ohnehin abgetrennt. Fünf, sechs Meter freier Stamm werden gebraucht, um den Weihnachtsbaum im Köcher auf dem Römerberg zu versenken und Buden darunterstellen zu können. Mannis Stammdurchmesser beträgt 70 Zentimeter. Passt gut in den Weihnachtsbaumständer. Alles perfekt also. Jetzt muss Manni nur noch heil in Frankfurt ankommen.

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